Alka erstarrte im Türrahmen des Schlafzimmers und beobachtete, wie Misha hastig die Schnürsenkel seiner abgenutzten Turnschuhe band.
Seine Bewegungen waren hektisch, nervös — als versuche er, dem unvermeidlichen Gespräch zu entkommen.

— Also gehst du zu einem Vorstellungsgespräch im Sportanzug? — In ihrer Stimme war keine Wut, nur Überraschung.
Misha hob den Kopf nicht, sondern fuhr fort, an den Schnürsenkeln zu fummeln.
— Was ist daran so schlimm? Programmierer dürfen das.
— Im Café „Lastotschka“? Dort mieten jetzt IT-Firmen Büros?
Seine Hände erstarrten.
Eine kurze Pause verriet alles.
— Woher…
— Habe vergessen, mich auf dem Tablet auszuloggen.
Die Unterhaltung mit Swetka ist sehr aufschlussreich.
Vor drei Monaten saß Alka am Küchentisch und sortierte einen Stapel Rechnungen und Quittungen.
Die Zahlen tanzten vor ihren Augen — Nebenkosten, Kreditraten, überfällige Strafen.
Misha war auf dem Sofa im Nebenzimmer zusammengesunken und vertieft in sein Handy.
— Misha, wenn wir nicht zahlen, wird der Strom wieder abgestellt.
— Sie legte eine weitere Quittung mit rotem Stempel beiseite.
— Mmm, — ertönte gleichgültiges Brummen vom Sofa.
— Hör zu, vielleicht könntest du vorübergehend im Lager arbeiten?
Serjogas Vorschlag…
Misha richtete sich abrupt auf, als hätte ihn ein Stromschlag getroffen.
— Ich bin Programmierer! Ich gehe nicht als Lagerarbeiter arbeiten! Ich habe einen Hochschulabschluss!
— Der dich seit einem Jahr nicht ernährt, — murmelte Alka leise, aber er hörte es.
— Das ist vorübergehend! Du wirst sehen, bald finde ich eine richtige Arbeit.
Der Markt ist momentan einfach schlecht.
In diesem Moment unterbrach ein scharfes Klingeln an der Tür ihren Streit.
Auf der Schwelle standen Mishas Eltern — seine Mutter mit siegreichem Gesichtsausdruck und sein Vater mit steinerner Miene.
— Kinder, wir sind da! — Die Schwiegermutter betrat die Wohnung, ohne eingeladen zu werden.
— Alechka, du siehst blass aus.
Behandelt Misha dich schlecht?
— Mama, alles ist in Ordnung, — murmelte Misha und vertiefte sich wieder in sein Handy.
— Wie soll das in Ordnung sein? — Mishas Vater blickte sich in der bescheidenen Wohnung um.
— Ihr zahlt den Kredit schon drei Monate nicht!
Wir haben dafür gebürgt!
Alka stand auf, bemüht, Ruhe zu bewahren:
— Aber ihr habt doch auf dieser Hochzeit bestanden!
Meine Mutter schlug vor, nur standesamtlich zu heiraten, und ihr…
— Ach, also sind wir an allem schuld? — Die Schwiegermutter hob theatralisch die Hände zur Decke.
— Wir wollten doch, dass unser Sohn eine schöne Hochzeit hat!
Damit die Leute nicht sagen, wir seien arm!
Mishas Vater holte den Taschenrechner heraus und begann wie ein Chefbuchhalter auf den Tasten zu klicken.
— Und wie lange müssen wir noch zahlen?
— Vier Jahre.
Je dreißigtausend im Monat, — antwortete Alka müde.
— Und wie viel verdienst du?
— Fünfzig.
— Na also, das reicht doch! — Die Schwiegermutter nickte zufrieden.
— Zwanzigtausend reichen für Essen.
— Und Nebenkosten? Transport? Kleidung? — Alka starrte sie ungläubig an.
— Misha wird bald Arbeit finden, oder, Sohn?
— Natürlich, Mama.
Ich habe gerade erst vor ein paar Tagen meinen Lebenslauf verschickt.
Alka stand schweigend auf und ging ins Schlafzimmer.
Durch die nicht ganz geschlossene Tür drang die laute Stimme der Schwiegermutter.
— Meine Freundin Galina sagt, dass ihre Schwiegertochter ihren Mann selbst versorgt und glücklich ist!
Und diese ist immer unzufrieden.
Misha, du solltest dir andere Mädchen ansehen.
Swetka ist immer noch nicht verheiratet…
Ein weiterer Monat verging, doch die Situation verschlimmerte sich nur.
Misha gab endgültig auf, den Anschein zu erwecken, er suche nach Arbeit.
Alka kam nach Hause und fand ihn immer in derselben Position vor — ausgestreckt auf dem Sofa mit dem Handy in der Hand.
— Misha, könntest du wenigstens das Geschirr spülen? — Sie warf die Schuhe an der Tür ab.
— Ich bin Programmierer, keine Hausfrau! — schnappte er, ohne sie anzusehen.
— Du bist arbeitslos! Schon ein Jahr!
— Nicht ein Jahr, sondern zehn Monate.
Und überhaupt, wenn dir etwas nicht gefällt, lass uns scheiden!
— Und wer wird den Kredit zahlen?
Deine Eltern?
Misha schwieg.
Sie beide wussten genau, welche Antwort kommen würde.
Am Wochenende kam Alkas Mutter zu Besuch.
Die Frau umarmte ihre Tochter und bemerkte sofort die Veränderungen:
— Liebling, du hast abgenommen.
Wie lebt ihr hier?
— Normal, Mama.
— Hat Misha Arbeit gefunden?
— Er sucht.
— Seit einem Jahr?
Alja, vielleicht solltest du aufhören, ihn zu stützen?
Du gehst kaputt!
— Wir haben einen Kredit, Mama.
Für die Hochzeit.
Seine Eltern haben ihn abgeschlossen.
— Dann sollen sie zahlen!
— Er ist auf mich umgeschrieben.
Die Schwiegermutter sagte, dass die Bank dann weniger Zinsen verlangt.
Die Mutter schüttelte den Kopf:
— Ach, Tochter.
Du bist in Schwierigkeiten geraten.
Und hilft Misha wenigstens im Haushalt?
In diesem Moment kam Misha ins Zimmer:
— Guten Tag, Elena Petrowna.
Al, was gibt es zum Abendessen?
— Im Kühlschrank sind Frikadellen, wärme sie auf.
— Kannst du das nicht selbst?
Ich bin müde.
— Wovon müde? — hielt die Schwiegermutter nicht aus.
— Vom Faulenzen auf dem Sofa?
— Elena Petrowna, mischen Sie sich nicht in unsere Familie ein!
— In welche Familie?
Wo hängt der Mann seit einem Jahr auf dem Hals seiner Frau?
Nach dem Weggang der Mutter begann Misha einen heftigen Streit:
— Du stellst absichtlich deine Mutter gegen mich auf!
— Misha, sie sagt die Wahrheit.
Du kannst nicht einmal dein Abendessen aufwärmen!
— Ich bin ein Mann!
Das ist Frauenarbeit!
— Und Männerarbeit ist es, Geld zu verdienen!
Wo ist dein Geld?
— Es wird kommen!
Bald!
Wenn ich ein Angebot von einer seriösen Firma bekomme, werden wir sehen, wer hier der Chef ist!
— Ein Jahr sagst du dasselbe.
— Ich habe genug von deinem Gejammer!
Ich gehe spazieren!
Das Knallen der Tür hallte durch die Wohnung.
Alka blieb allein mit einem wachsenden Kloß im Hals.
Auf dem Tisch lag Mishas vergessenes Handy — in Eile hatte er es zu Hause gelassen.
Der Bildschirm leuchtete auf, als eine Nachricht eintraf.
„Swetka: Morgen um 15:00 im „Lastotschka“? Wie früher 😘“
Alkas Hände zitterten, als sie das Handy nahm.
Sie erinnerte sich an das Passwort — Mishas Geburtsdatum.
Die Unterhaltung öffnete sich und enthüllte die bittere Wahrheit.
„Misha: Ich vermisse dich“
„Swetka: Ich auch. Wann sehen wir uns?“
„Misha: Meine Frau geht mir auf die Nerven, kontrolliert jeden Schritt“
„Swetka: Du Arme. Du brauchst Unterstützung“
„Misha: Du hast mich immer verstanden“
„Swetka: Ich erinnere mich an unsere Treffen. Vielleicht wiederholen wir sie?“
„Misha: Alja denkt, dass ich zu Vorstellungsgesprächen gehe“
„Swetka: Schlauer Junge 😏“
Die Unterhaltung dauerte drei Wochen.
Drei Wochen voller Lügen.
Am nächsten Tag bat Alka unter dem Vorwand, sich krank zu fühlen, um Freistellung von der Arbeit.
Um 14:50 stand sie bereits vor dem Café „Lastotschka“ und beobachtete den Eingang.
Misha erschien pünktlich, gekleidet im Sportanzug — angeblich nach dem „Morgenlauf“.
Nach ein paar Minuten kam Swetka in einem enganliegenden Kleid zum Café.
Alka wartete zehn Minuten und ging dann entschlossen hinein.
Sie setzten sich in eine abgelegene Ecke.
Swetka streichelte Mishas Hand sanft, und er flüsterte ihr etwas ins Ohr.
— Störe ich? — Alka setzte sich auf den freien Stuhl an ihrem Tisch.
Mishas Gesicht wurde sofort blass:
— Alja… Das ist nicht, was du denkst…
— Das ist ein Vorstellungsgespräch?
Für die Position des Liebhabers?
— Alechka, wir reden nur, — Swetka zeigte ein unschuldiges Lächeln.
— Alte Freunde.
— Die sich heimlich treffen, während die Ehefrau arbeitet, um Geld zu verdienen?
— Alja, lass uns zu Hause reden…
— Nein.
Wir reden hier und jetzt.
Ein Jahr habe ich dich und deinen Kredit unterstützt.
Ein Jahr lang höre ich leere Versprechen.
Und du vergnügst dich in dieser Zeit mit deiner Ex?
— Schrei nicht!
Die Leute sehen zu!
— Lassen wir sie zuschauen!
Lass alle wissen, was für ein Parasit du bist!
Misha sprang ruckartig vom Tisch auf:
— Du hast kein Recht, so mit mir zu sprechen!
— Doch, habe ich!
Ich halte dich finanziell!
— Das ist vorübergehend!
— Ein Jahr ist vorübergehend?
Misha, du hast nicht einmal deinen Lebenslauf geschickt!
Ich habe die Post überprüft!
— Hast du in meinen persönlichen Sachen herumgestöbert?
— Auf unserem Tablet!
Das habe ich mit meinem Geld gekauft!
Swetka stand leise auf, versuchte unauffällig zu gehen:
— Ich gehe dann wohl…
— HALT! — Alka drehte sich zu ihr um.
— Wenn du so verständnisvoll bist, nimm ihn mit!
Zusammen mit seiner Mutter und den Schulden!
— Alja, du bist zu emotional…
— Ich gehe.
Zu meinen Eltern.
Und du kannst leben, wie du willst.
Allein.
— Du kannst nicht einfach gehen!
Wir haben einen Kredit!
— Den deine Eltern abgeschlossen haben!
Dann sollen sie zahlen!
Alka packte methodisch die letzten Sachen in ihre Tasche, jede Bewegung zeugte von eiserner Entschlossenheit.
Die Wohnung, die einst wie ein Zuhause wirkte, fühlte sich jetzt fremd an, wie eine Kulisse für ein Stück, in dem sie viel zu lange nicht ihre Rolle gespielt hatte.
Das Geräusch von Schlüsseln im Schloss ließ sie sich umdrehen. Misha stürmte in den Raum, außer Atem, zerzaust.
— Alja, lass uns ruhig reden!
Sie hörte nicht auf, ihre Sachen zu packen, und warf ihm nicht einmal einen Blick zu.
— Worüber? Darüber, wie du ein Jahr lang gelogen hast? Oder darüber, wie deine Mutter mich um den Kredit betrogen hat?
— Niemand hat dich betrogen!
Nun drehte sie sich doch um, und Misha trat unwillkürlich zurück — so viel Kälte lag in ihrem Blick.
— Wirklich? Warum steht der Kredit dann auf meinem Namen, und das Geld haben deine Eltern ausgegeben?
— Sie wollten eine schöne Hochzeit für ihren Sohn!
— Auf meine Kosten!
Das Klingeln an der Tür unterbrach ihren Streit.
Alka fluchte innerlich — sie erkannte dieses autoritäre Klingeln. Auf der Schwelle tauchten bekannte Gestalten auf.
— Wir wissen alles! — die Schwiegermutter stürmte wie eine wütende Furie in die Wohnung.
— Swetka hat angerufen! Wie konntest du unseren Sohn so blamieren?
Alka richtete sich langsam in voller Größe auf. Die Geduld, die sie monatelang angesammelt hatte, war endlich erschöpft.
— Ich habe ihn blamiert? Er hat sich mit einer Geliebten getroffen!
— Sie haben nur geredet! Und du hast eine Szene gemacht! Die ganze Stadt redet jetzt darüber!
— Mir ist eure Stadt egal!
Der Schwiegervater, der bisher geschwiegen hatte, trat vor. Seine Stimme klang in der gewohnten autoritären Intonation:
— Alevtina, du musst dich bei Misha und Swetlana entschuldigen.
Alka musste fast über die Absurdität der Situation lachen.
— Warum sollte ich?
— Du hast sie beleidigt!
— Ich habe die Wahrheit gesagt!
— Misha ist dein Mann! Du musst ihn unterstützen!
— Ein Jahr habe ich ihn unterstützt! Genug!
Das Geräusch eines Taxis klang wie die Schulglocke — die Befreiung war endlich da.
Alka griff nach den Taschen und ging zur Tür.
— Wenn du gehst, kommst du nicht zurück! — rief die Schwiegermutter ihr nach.
— Das habe ich nicht vor!
Die Eltern empfingen Alka schweigend — manchmal sind Worte überflüssig.
Der Vater umarmte sie fest, die Mutter weinte, und in diesen Umarmungen lag mehr Unterstützung, als im ganzen Ehejahr.
— Du hast richtig gehandelt, — sagte der Vater leise.
— Hör auf, diesen Parasiten zu füttern.
Eine Stunde Verschnaufpause — und wieder klingelte es an der Tür.
Alka wusste schon, wer es war, noch bevor der Vater öffnete.
— Ist Alevtina zu Hause?
— Für dich nicht, — der Vater versperrte den Weg.
— Ich bin ihr Mann! Ich habe das Recht!
— Was für ein Mann? Du bist ein Parasit!
— Das sind unsere Familienangelegenheiten!
— Waren sie. Jetzt sind sie vorbei. Geh.
— Ich muss mit Alja reden!
— Sie will dich nicht sehen.
— Dann soll sie es selbst sagen!
Alka verstand — sie würde das selbst erledigen müssen.
Sie ging in den Flur, blickte auf den Mann, der einst wie ein Prinz schien.
— Geh, Misha.
— Alja, lass uns reden! Ich erkläre alles!
— Was willst du erklären? Dass du ein Jahr gelogen hast? Dass du dich mit einer Geliebten getroffen hast? Dass du keine Arbeit gesucht hast?
— Ich habe gesucht!
— Du lügst! Ich habe den Browserverlauf geprüft. Du hast nur gespielt und Pornos geschaut!
— Du stöberst in meinen Sachen!
— In dem Computer, den ich gekauft habe!
Er ging in die Offensive, wie immer, wenn er an die Wand gedrängt wurde.
— Lass uns von vorne anfangen! Ich werde mich ändern!
— Nein. Morgen reiche ich die Scheidung ein.
— Und der Kredit?
Und hier fiel die entscheidende Frage.
Nicht „wie lebt man ohne dich“, nicht „ich liebe dich“, sondern „Kredit“. Alka lächelte spöttisch.
— Dein Problem. Ich habe die Unterlagen — die Nachrichten deiner Mutter, in denen sie gesteht, dass sie den Kredit betrügerisch umgeschrieben hat. Und Quittungen, wohin das Geld ging. Alles auf eure Familie.
Mishas Gesicht nahm einen erdigen Ton an.
— Du wirst es nicht wagen…
— Doch, ich werde. Geh.
Der Vater nahm Misha schweigend an die Schulter und begleitete ihn hinaus.
Eine Woche verging mit Behördengängen und Anwälten.
Der finale Akt des Dramas fand im Elternhaus statt — die feindliche Delegation erschien in voller Besetzung.
— Wir sind bereit, diese Geschichte zu vergessen, — verkündete die Schwiegermutter feierlich, als würde sie unglaubliche Gnade gewähren.
— Wenn Alevtina zurückkommt und sich entschuldigt.
Alkas Mutter erhob sich aus dem Sessel — eine kleine, zierliche Frau wirkte plötzlich wie eine mächtige Amazone.
— Bei wem soll sie sich entschuldigen? Bei eurem faulen Sohn?
— Er ist kein Faulpelz! Er ist auf Jobsuche!
— Ein Jahr auf Jobsuche? Jeder Mann hätte in der Zeit zehn Jobs gewechselt, nur um die Familie zu ernähren!
— Misha ist nicht jeder! Er hat einen Hochschulabschluss!
— Der ein Jahr lang auf dem Sofa lag!
— Wie könnt ihr es wagen!
Alkas Vater, der sich bisher zurückgehalten hatte, hielt es nicht mehr aus:
— Wie konntet ihr meine Tochter in die Schuldknechtschaft zwingen? Den Kredit betrügerisch auf sie umschreiben?
— Wir wollten eine schöne Hochzeit!
— Auf Kosten anderer! Und jetzt soll euer Sohn selbst klar kommen!
— Er wird es nicht schaffen! Er hat keinen Job!
— Dann soll er arbeiten gehen!
— Wohin? Wer stellt ihn ein?
— Auf die Baustelle! In ein Lager! Als Hausmeister! Arbeit gibt es genug!
Die Schwiegermutter entflammte wie ein Streichholz:
— Mein Sohn wird kein Hausmeister!
— Dann soll ihn seine Geliebte versorgen!
— Swetlana ist ein anständiges Mädchen! Nicht wie eure Tochter!
— Die sich mit einem fremden Mann trifft? Sehr anständig!
Misha, der die ganze Zeit in der Ecke saß, wurde plötzlich lebendig:
— Alja, bitte! Ich werde es nicht mehr tun!
Alka sah ihn neugierig an, wie ein seltenes Tier:
— Du wirst was nicht tun? Lügen? Betrügen? Auf meinem Rücken sitzen?
— Ich werde einen Job finden!
— Wann?
— Bald!
— Ein Jahr sagst du „bald“. Genug. Scheidung.
— Du wirst es bereuen!
— Schon nicht mehr.
Die Schwiegermutter sprang auf:
— Wir werden euch verklagen! Wir zwingen euch, den Kredit zu zahlen!
Alka lächelte — ruhig, fast freundlich:
— Versucht es. Ich habe alle Beweise. Und Zeugen. Das Café war voll.
— Welche Beweise?
— Dass ihr den Kredit betrügerisch aufgenommen habt. Dass das Geld für euch selbst ausgegeben wurde. Dass Misha ein Jahr lang nicht arbeitet. Und betrügt.
— Lüge!
— Wahrheit. Und das Gericht wird es bestätigen.
Die Familie sah sich an. Der Schwiegervater, offensichtlich verstehend, dass das Bluffen nicht funktioniert hatte, machte einen Rückzieher:
— Gut, scheidet euch. Aber den Kredit teilen.
— Nein. Ihr habt ihn aufgenommen — ihr zahlt.
— Das ist illegal!
— Und ihn betrügerisch umschreiben — legal?
Mehr gab es nicht zu sagen. Sie gingen, die Tür knallte hinter ihnen — der letzte Akkord in der Symphonie ihres Zorns.
Einen Monat später begann das Leben sich zu ordnen. Alka kam von der Arbeit nach Hause, als sie eine vertraute Gestalt sah.
Swetka sah völlig anders aus als zuvor — Müdigkeit lag schwer auf ihrem Gesicht.
— Hallo, — die Stimme klang unsicher.
— Hallo.
— Hör zu… Eine Frage? Hat Misha wirklich ein Jahr lang nicht gearbeitet?
Alka blieb stehen und studierte aufmerksam das Gesicht der ehemaligen Rivalin.
— Ja, das stimmt. Und?
— Er ist zu mir gezogen. Hat versprochen, einen Job zu finden. Aber er liegt nur rum und jammert. Und seine Mutter ruft ständig an, verlangt, dass ich ihn versorge.
— Tut mir leid.
— Ich wusste es nicht… Er sagte, du verstehst ihn nicht…
— Jetzt weißt du es. Viel Glück. Du wirst es brauchen.
Alka ging weiter, ohne sich umzusehen.
Hinter ihr blieb Swetka — ein Mädchen, das gerade erst begann zu verstehen, worauf sie sich eingelassen hatte.
Zu Hause roch es nach Festtorte. Die Eltern saßen am Tisch mit geheimnisvollen Lächeln.
— Was feiern wir? — wunderte sich Alka.
— Deine Freiheit, Tochter! — die Mutter umarmte sie fest. — Und den neuen Job!
— Woher wisst ihr das?
— Sie haben angerufen, gratuliert. Gut, dass du zugestimmt hast!
Alka lachte. Neue Position, neues Gehalt, neues Leben — ohne Parasiten, Lügner und fremde Ambitionen.
Das Telefon piepste. SMS von Misha: „Alja, lass uns treffen. Mir geht es schlecht.“
Sie löschte die Nachricht, blockierte die Nummer und legte das Telefon weg.
Genug. Ein Jahr lang habe ich den Parasiten ernährt. Kein einziger Moment mehr.
Draußen brach der Abend an, doch zum ersten Mal seit langem wirkte er nicht wie ein Ende — er war ein Anfang.



