Der Großvater lag auf dem alten, quietschenden Bett am Fenster.
Sein Gesicht war blass, seine runzligen Hände zitterten, und seine Augen hatten seit Langem kein Licht mehr gesehen.

In den letzten Tagen war er kaum aufgestanden, bat nur gelegentlich um ein Glas Wasser oder lauschte, wie seine Enkelin ihm laut vorlas.
Eines Abends rief er sie mühsam zu sich:
– Mein Liebling, hol mir bitte dieses eine Buch … Es liegt auf dem obersten Regalbrett im Schrank. In meiner Jugend habe ich es Hunderte Male gelesen. Ich möchte seine Stimme noch einmal hören, solange ich lebe.
Das zehnjährige Mädchen nahm vorsichtig den dicken Band mit dem verblassten Einband herunter, wischte den Staub ab und setzte sich neben ihn.
Der Großvater schloss die Augen und lächelte:
– Fang an zu lesen, mein Kind.
Das Mädchen öffnete das Buch und fuhr vorsichtig mit dem Finger über die Zeilen, doch plötzlich sah sie etwas Seltsames zwischen den Seiten.
– Großvater, was ist das? 😲😱
Ein vergilbter Umschlag, versiegelt mit Wachs, kam ihr fremd und unheimlich vor. Sie hob ihn hoch und rief.
Der alte Mann öffnete plötzlich die Augen, und eine Träne rollte über seine Wange. Seine Stimme zitterte:
– Wirklich… sie hat ihn also doch hinterlassen…
– Wer? – fragte das Mädchen.
– Deine Großmutter, – flüsterte er.
– Kurz vor ihrem Tod verschwand sie aus dem Zimmer und sagte, dass ich eines Tages ihre Worte finden würde. Ich habe mein ganzes Leben darauf gewartet…
Vorsichtig öffnete die Enkelin den Umschlag.
Darin war ein Blatt, beschrieben mit einer zarten weiblichen Handschrift. Sie begann laut vorzulesen:
„Mein Lieber… Wenn du diesen Brief findest, werde ich nicht mehr bei dir sein. Ich möchte, dass du weißt: Ich habe dich immer geliebt – auch wenn ich schwieg, auch wenn du zornig warst, selbst in meinen letzten Minuten.
Sei nicht traurig um mich. Ich werde im Himmel auf dich warten, und dort werden wir uns wiedersehen. Du warst meine Freude und mein Leben…“
Die Stimme der Enkelin zitterte, und der Großvater konnte seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Leise flüsterte er:
– Sie hat mich die ganze Zeit gerufen… gewartet… und jetzt bin ich ruhig.
Das Mädchen schmiegte sich an ihn, und er, ihre Hand haltend, spürte zum ersten Mal seit vielen Jahren Erleichterung.
Jetzt wusste er: Bald würden sie wieder zusammen sein.



