— Wo rennst du denn herum?! Die Leute sind schon da, und du blamierst die Familie! — schrie die Schwiegermutter.

Olga wachte vom Vogelgezwitscher draußen am Fenster auf und streckte sich.

Die Sonne begann gerade, sich durch das Laub des Apfelbaums zu kämpfen und warf spielerische Lichtreflexe auf den Holzboden der Veranda.

Das Landhaus beruhigte immer — hier konnte man die Hektik der Stadt vergessen, Zeit mit der Familie verbringen und einfach den Sommertag genießen.

Ihr Mann Vadim schlief noch, ausgestreckt über das ganze Bett, während die Kinder im Nebenzimmer spielten.

— Mama, können wir zum Fluss gehen? — lugte die achtjährige Katja ins Schlafzimmer.

— Nach dem Frühstück, Sonnenschein, — setzte sich Olga an den Bettrand und strich ihrer Tochter die zerzausten Haare glatt.

— Wo ist Maxim?

— Er baut Lego. Er sagt, er baut eine Burg.

Der sechsjährige Sohn liebte Bausteine und konnte stundenlang an einem neuen Projekt sitzen.

Olga lächelte — das bedeutete, dass der Morgen ruhig verlaufen würde.

Man konnte in Ruhe das Frühstück vorbereiten und eine Einkaufsliste erstellen.

Im Kühlschrank waren Eier, Milch und etwas Wurst. Das würde für heute reichen, und morgen musste man in den Dorfladen fahren.

Vadim drehte sich auf die andere Seite und murmelte etwas Unverständliches.

Er hatte die ganze Woche ohne freie Tage gearbeitet und sich eine Pause verdient.

Olga stand leise auf und ging in die Küche.

Der Tag versprach ruhig und angenehm zu werden — solche Tage im Sommer auf dem Land kamen selten vor, normalerweise gab es immer etwas zu tun.

Während das Wasser für den Kaffee kochte, nahm Olga ihr Notizbuch heraus und begann, die Einkaufsliste zu erstellen.

Brot, Milch, Butter, etwas fürs Mittagessen.

Vielleicht Fisch kaufen — die Kinder mochten ihn, und Vadim sagte ständig, man sollte mehr Fisch essen.

Kartoffeln und Zwiebeln waren da. Ein einfaches Familienessen für vier Personen — nichts Kompliziertes.

— Guten Morgen, Olja! — ertönte die fröhliche Stimme der Schwiegermutter Raisa Petrowna aus dem Flur.

Olga zuckte zusammen.

Raisa Petrowna kam normalerweise erst gegen Mittag aufs Land, und jetzt war es kaum neun Uhr.

Die Schwiegermutter betrat die Küche, bereits ganz angezogen und frisiert, als würde sie irgendwohin gehen.

— Guten Morgen, Raisa Petrowna. Möchten Sie Kaffee?

— Ich lehne nicht ab, — setzte sich die Schwiegermutter an den Tisch und musterte die Küche kritisch.

— Hör mal, Olja, ich habe Neuigkeiten. Ich habe gestern Lyudmila Semenovna getroffen, erinnerst du dich, wir haben zusammen im Technikum studiert? Also, ich habe ihr von unserem Landhaus erzählt, wie schön es hier ist. Und sie sagt: „Raisa, wir fahren am Wochenende mit der Familie raus, wissen aber nicht wohin.“ Also habe ich sie heute eingeladen. Sie werden kurz vorbeischauen.

Olga erstarrte mit der Tasse in der Hand. Eingeladen? Heute? Und wir haben gerade genug Lebensmittel für vier Personen, nicht mehr.

— Raisa Petrowna, wie viele werden es denn sein?

— Nur ein paar. Lyudmila mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern. Und übrigens, Tamara Ivanovna mit Peter Vasilievich wollten auch kommen — wir haben uns lange nicht gesehen. Und ihr Neffe Sergei mit seiner Frau und Tochter. Kein Problem, oder? Wir sind doch gastfreundlich.

Olga rechnete schnell im Kopf. Lyudmila mit Familie — vier Personen. Tamara Ivanovna mit ihrem Mann — zwei Personen.

Der Neffe mit seiner Familie — drei Personen. Plus ihre eigene Familie. Macht dreizehn Personen.

Und im Kühlschrank sind nur Reste vom gestrigen Abendessen und Frühstücksprodukte.

— Raisa Petrowna, aber wir sind doch nicht bereit, so viele Gäste zu empfangen. Wir haben keine Lebensmittel, den Tisch können wir nicht decken…

— Oh, Olja, warum gleich in Panik geraten? — winkte die Schwiegermutter ab.

— Eine Gastgeberin sollte immer bereit sein. Wir rufen sie ja nicht ins Restaurant, nur zum Plaudern, ein bisschen frische Luft schnappen. Tee trinken, etwas Einfaches zubereiten.

— Aber Raisa Petrowna, wann kommen sie? Soll ich vielleicht in den Laden fahren?

— Gegen zwei Uhr haben sie es versprochen. Du hast genug Zeit.

— Die Schwiegermutter trank ihren Kaffee aus und stand auf. — Gut, ich gehe ein bisschen im Garten arbeiten, gieße die Tomaten. Du schaffst das schon irgendwie.

Und die Schwiegermutter ging, ließ Olga allein mit wachsender Sorge.

„Schaffst das schon irgendwie.“ Leicht gesagt. Dreizehn Personen, und im Kühlschrank sind zwei Eier und ein Stück Wurst.

Olga griff nach ihrer Liste und begann hektisch, etwas hinzuzufügen. Brot — viel Brot. Wurst, Käse.

Gemüse für den Salat. Etwas Warmes… Aber was konnte man schnell für so eine Horde zubereiten?

Und vor allem — für welches Geld? Das Familienbudget war nicht für Gäste ausgelegt.

— Mama, wann gibt’s Frühstück? — erschien Maxim in der Küche, zerzaust und verschlafen.

— Gleich, mein Sohn. Setz dich an den Tisch.

Olga begann automatisch, den Kindern das Frühstück zuzubereiten, aber ihre Gedanken wirbelten durcheinander.

Sie musste Vadim wecken und mit ihrem Mann die Situation besprechen.

Obwohl, was gab es da zu besprechen — die Gäste kommen schon, da gibt es kein Zurück.

— Papa ist wach! — rief Katja fröhlich und stürmte in die Küche.

Vadim kam eine Minute später, gähnte und kratzte sich am Hinterkopf.

— Guten Morgen, Familie. Was ist denn hier für ein Aufruhr so früh am Morgen?

— Deine Mutter hat Gäste eingeladen. Heute. Jetzt.

— Olga stellte ihm eine Tasse Kaffee hin.

— Gäste? Welche Gäste? — Vadim blinzelte verwirrt.

Olga erzählte das morgendliche Gespräch mit der Schwiegermutter nach. Das Gesicht ihres Mannes wurde nach und nach düster.

— Dreizehn Personen? Weiß Mama, dass wir kein Geld für so einen Empfang haben?

— Raisa Petrowna sagte, die Gastgeberin sollte immer bereit sein, — sagte Olga bitter.

— Verstehe. — Vadim rieb sich die Stirn. — Gut, mach dich bereit, wir fahren in den Laden. Wir nehmen die Kinder mit.

— Reicht das Geld?

— Wir müssen von der Karte abheben. Was bleibt uns anderes übrig.

Eine halbe Stunde später stieg die Familie ins Auto.

Die Kinder freuten sich auf die Fahrt — für sie war jede Fahrt ein Abenteuer.

Olga saß auf dem Beifahrersitz und rechnete hektisch aus, wie viel man für Lebensmittel für so viele Personen ausgeben müsste.

Im Laden gingen sie mehr als eine Stunde zwischen den Regalen umher.

Olga kaufte nur das Nötigste — Fleisch für das Hauptgericht, Gemüse für den Salat, Brot, Getränke.

Aber selbst die einfachsten Lebensmittel für dreizehn Personen kosteten eine ordentliche Summe.

— Mama, können wir Eis haben? — fragte Katja.

— Natürlich, Kinder. — Olga nahm mehrere Packungen Eis. Hauptsache, die Kinder freuen sich.

An der Kasse ließ der Gesamtbetrag Olga zusammenzucken. Die Hälfte des Monatsbudgets für Lebensmittel war mit einem Einkauf weg.

Aber Rückzieher machen war zu spät — die Gäste waren wahrscheinlich schon unterwegs.

Die Rückfahrt dauerte vierzig Minuten. Staus, langsam fahrende Landhausbesitzer — ein gewöhnlicher Sommertag an einem Samstag.

Olga schaute nervös auf die Uhr. Schon halb zwei, und zu Hause war nichts fertig.

— Mach dir nicht so viele Sorgen, — legte Vadim die Hand auf die Schulter seiner Frau.

— Wir schaffen das schon irgendwie.

— Leicht gesagt, mach dir keine Sorgen. Deine Mutter hat Leute eingeladen, und ich bin diejenige, die kochen und sie empfangen muss.

— Mama wird helfen.

— Deine Mutter denkt, dass sie ein Heldin ist, weil sie die Tomaten gegossen hat.

Die Kinder spielten auf dem Rücksitz mit den neuen Spielsachen, die sie im Laden gekauft hatten.

Immerhin waren die Kleinen zufrieden.

Und Olga dachte darüber nach, wie sie es schaffen sollte, das Mittagessen vorzubereiten, den Tisch zu decken und das Haus aufzuräumen.

Die Zeit war knapp.

Als sie auf die Landstraße abbogen, sah Olga, wovor sie sich am meisten fürchtete.

Vor ihrem Grundstück standen drei Autos. Die Gäste waren schon angekommen.

— Verdammt, — murmelte Vadim.

Auf der Veranda stand Raisa Petrowna und erzählte einer fremden Frau lebhaft etwas.

Kinder drängten sich daneben, Erwachsene gingen über das Grundstück und betrachteten den Garten.

Jemand saß bereits am Tisch unter dem Apfelbaum.

— Wo warst du, Olja? — kam die Schwiegermutter zum Auto.

— Du hast die Leute empfangen, und du bist verschwunden.

Olga stieg aus dem Auto, die Kinder liefen los, um die Gäste kennenzulernen, und Vadim begann, die Taschen aus dem Kofferraum zu holen.

— Raisa Petrowna, wir sind einkaufen gefahren. Sie haben doch selbst gesagt, dass wir nichts zum Bewirten der Leute haben.

— Nun, dann hätte man die Lebensmittel im Voraus kaufen müssen, nicht wenn die Gäste schon vor der Tür stehen, — sagte die Schwiegermutter belehrend, und zwar nicht nur zu Olga, sondern auch zu Lyudmila Semenovna, die danebenstand.

— Eine Gastgeberin muss solche Situationen vorhersehen.

Olga knirschte mit den Zähnen. Sie wollte scharf antworten, aber die Gäste sahen zu, die Kinder hörten zu. Sie musste das Gesicht wahren.

— Ich werde alles gleich vorbereiten, — sagte Olga leise und ging mit schweren Taschen ins Haus.

— Olja, lerne sie kennen — das ist Lyudmila Semenovna, meine alte Freundin, — ließ die Schwiegermutter nicht locker.

— Und das sind Tamara Ivanovna mit Peter Vasilievich. Und Sergei mit Elena, das sind die Neffen.

Olga grüßte mechanisch, nickte allen zu und eilte in die Küche.

Für gesellschaftliche Gespräche blieb keine Zeit.

Sie musste dringend etwas vorbereiten, sonst würden die hungrigen Gäste in einer Stunde ihren Unmut offen zeigen.

In der Küche herrschte Chaos. Raisa Petrowna hatte das gesamte Geschirr herausgeholt, aber nichts gespült.

Schmutzige Teller lagen im Spülbecken, Krümel bedeckten den Tisch.

Offenbar hatten sie versucht, die Gäste mit dem, was da war, zu bewirten, aber es reichte eindeutig nicht.

Olga krempelte die Ärmel hoch und begann hektisch zu kochen.

Fleisch in den Ofen, Salat schneiden, Tisch decken. Ihre Hände zitterten vor Erschöpfung und nervlicher Anspannung.

— Mama, Onkel fragt, wann das Mittagessen sein wird, — spähte Katja herein.

— Bald, Sonnenschein. Noch eine halbe Stunde.

Aber selbst eine halbe Stunde schien eine Ewigkeit zu sein.

Draußen hörte man Stimmen, Lachen.

Die Gäste amüsierten sich, und Olga stand am Herd, spürte, wie Schweiß ihren Rücken hinunterlief.

— Wo rennst du denn herum?! Die Leute sind schon da, und du beschämst die Familie! — schrie die Schwiegermutter, stürmte in die Küche.

Olga drehte sich langsam vom Herd um und hielt ein Gemüsemesser in der Hand.

Ihr Gesicht färbte sich rot — nicht von der Hitze des Ofens, sondern von aufgestautem Ärger.

Im Türrahmen hinter Raisa Petrowna lugten neugierige Gesichter der Gäste hervor.

Perfekt.

Jetzt würde der ganze Streit vor den Augen fremder Menschen stattfinden.

— Raisa Petrowna, ich habe anderthalb Stunden im Laden verbracht, um Lebensmittel für Ihre Gäste zu kaufen, — sagte Olga langsam und versuchte, ruhig zu bleiben.

— Von denen Sie mir erst zwei Stunden vor ihrer Ankunft erzählt haben.

— Stell dich nicht so an! — winkte Raisa Petrowna ab.

— Ich habe es dir heute Morgen gesagt. Es war genügend Zeit.

— Zeit? — Olga stellte das Messer auf das Schneidebrett.

— Raisa Petrowna, Sie haben dreizehn Personen eingeladen, ohne mich zu informieren.

— Bei uns zu Hause waren zwei Eier und ein Stück Wurst.

Lyudmila Semenovna und Tamara Ivanovna tauschten einen Blick in der Tür aus.

Die Situation wurde unangenehm, aber Raisa Petrowna schien die Spannung nicht zu bemerken.

— Olga, was erlaubst du dir! — die Stimme der Schwiegermutter wurde noch lauter.

— Die Gastgeberin muss immer bereit für Gäste sein!

— Was werden die Leute denken?

— Dass wir unser Haus halten?

— Was werden die Leute denken? — Olga wischte sich die Hände am Handtuch ab und wandte sich der Schwiegermutter zu.

— Was werden die Leute wohl denken, dass sie eingeladen werden, ohne mit denen, die sie empfangen und bewirten sollen, Rücksprache zu halten?

Draußen war Kinderlachen zu hören — Katja und Maxim spielten mit den Kindern der Gäste.

Zumindest hörten die Kleinen dieses Chaos nicht.

— Sei nicht so klug! — Raisa Petrowna zeigte mit dem Finger auf Olga.

— Ich habe mein ganzes Leben Gäste empfangen, und niemand hat sich jemals beschwert.

— Und du machst ein Theater wegen ein paar zusätzlichen Leuten am Tisch!

— Ein paar zusätzliche? — Olga spürte, wie ihre letzten Geduldsreste schwanden.

— Raisa Petrowna, dreizehn Personen sind nicht ein paar zusätzliche.

— Das ist eine ganze Hochzeit!

Vadim schaute in die Küche, sah sich um und versuchte, die Situation zu beruhigen:

— Mama, Olga, seid doch leiser.

— Die Leute hören uns.

— Lassen wir sie hören! — Raisa Petrowna drehte sich zu ihrem Sohn um.

— Sie sollen wissen, was für eine Frau du hast!

— Sie kann die Gäste nicht richtig empfangen, nur Vorwürfe und Beschwerden!

Olga sah ihren Mann an.

Vadim stand in der Tür, zögerte, aber sagte nichts.

Er stellte sich nicht hinter seine Frau, erklärte seiner Mutter nicht, dass die Situation nicht normal war.

Er schwieg einfach, in der Hoffnung, dass sich alles von selbst regeln würde.

— Sag deiner Mutter doch etwas! — hielt Olga es nicht mehr aus.

— Olga, lass uns nicht vor anderen reden, — murmelte Vadim.

— Nicht vor anderen? — Olga lachte, aber das Lachen war nervös, gebrochen.

— Wann denn dann?

— Wenn deine Mutter das nächste Mal ein halbes Dorf ohne Vorwarnung hierher bringt?

— Olga, hör auf mit dem Theater! — schrie Raisa Petrowna.

— Benehme dich anständig!

Etwas in Olga schien zu reißen.

Die Erschöpfung der letzten Monate, all die aufgestauten Verletzungen, all die verschluckten Worte — plötzlich formten sie einen einfachen Gedanken: genug.

— Wissen Sie was, Raisa Petrowna, — sagte Olga leise und zog die Schürze aus, — ich werde nicht diejenigen bewirten und verwöhnen, die ich nicht eingeladen habe.

Es trat eine tödliche Stille ein.

Selbst die Gäste in der Tür verstummten.

— Was hast du gesagt? — die Schwiegermutter starrte sie an.

— Ich habe gesagt, dass ich nicht für Ihre Gäste kochen werde, — wiederholte Olga und legte die Schürze auf den Tisch.

— Sie haben sie eingeladen — dann sollen Sie sie auch bewirten.

— Du bist verrückt! — Raisa Petrowna griff sich an ihr Herz.

— Wie kannst du nur!

— Was soll ich den Leuten sagen?

— Sagen Sie die Wahrheit.

— Dass Sie sie eingeladen haben, ohne sich mit der Hausherrin abzusprechen.

Olga ging an der fassungslosen Schwiegermutter vorbei zur Tür.

Die Gäste machten schweigend Platz.

Lyudmila Semenovna starrte auf den Boden.

Tamara Ivanovna hustete in die Faust.

Petr Vasilievich studierte das Muster an der Tapete.

— Katja! Maxim! — rief Olga und ging in den Hof.

— Wir gehen nach Hause!

— Mama, warum? — rannte Katja mit rot vom Spielenem Gesicht herbei.

— Wir haben gerade erst angefangen zu spielen!

— Wir müssen fahren, Sonnenschein.

— Sammelt eure Spielsachen.

Die Kinder sahen sich verwirrt an, gehorchten aber und rannten, um die Sachen einzusammeln.

Hinter Olga waren empörte Stimmen zu hören.

Raisa Petrowna erklärte den Gästen etwas leidenschaftlich.

Vadim versuchte, alle zu beruhigen.

— Olga, wohin gehst du? — rief der Ehemann.

— So geht das nicht!

— Doch, — Olga lud die Sachen der Kinder ins Auto.

— Sehr wohl, das geht.

— Aber Mama…

— Deine Mutter soll sich um die Situation kümmern, die sie selbst geschaffen hat.

— Olga! — sprang die wütende Raisa Petrowna auf die Veranda.

— Du wagst es nicht, so zu handeln!

— Komm sofort zurück!

— Auf Wiedersehen, Raisa Petrowna, — Olga startete das Auto.

— Guten Appetit für Ihre Gäste.

Das Letzte, was Olga im Rückspiegel sah, war die verwirrte Schwiegermutter auf der Veranda und eine Gruppe von Gästen, die offensichtlich nicht verstanden, was geschah.

Vadim lief zwischen ihnen hin und her, erklärte etwas und fuchtelte mit den Armen.

— Mama, was ist passiert? — fragte Maxim, als das Auto auf die Hauptstraße einbog.

— Nichts Schlimmes, mein Sohn.

— Nur manchmal haben Erwachsene Meinungsverschiedenheiten.

— Und morgen fahren wir wieder aufs Land?

Olga sah die Kinder im Rückspiegel an.

Katja lutschte am Finger — ein sicheres Zeichen von Unruhe.

Maxim runzelte die Stirn, um zu verstehen, was geschah.

— Ich weiß nicht, Kleinen.

— Wir werden sehen.

Zuhause schaltete Olga den Kindern die Zeichentrickfilme ein, und selbst setzte sie sich mit einer Tasse Tee in die Küche.

Das Telefon klingelte unaufhörlich — zuerst rief Vadim an, dann Raisa Petrowna.

Olga lehnte alle Anrufe ab.

Sie wollte vorerst nicht sprechen.

Erst am Abend, als die Kinder eingeschlafen waren, wählte Olga die Nummer ihres Mannes.

— Olga! Endlich! — Vadems Stimme klang müde.

— Wie geht es dir?

— Gut.

— Und wie läuft es dort?

— Schrecklich.

— Mama ist hysterisch, die Gäste sind hungrig und beleidigt weggefahren.

— Lyudmila Semenovna sagte, dass sie nicht mehr zu uns kommen wird.

— Schade, natürlich.

— Olga, das hätte nicht sein dürfen…

— Vadim, — unterbrach Olga ihren Mann, — ich habe dreißig Jahre gelebt und nie unnötige Skandale gemacht.

— Wenn ich ausgerastet bin, dann gab es Gründe dafür.

— Aber Mama meint es doch nicht böse…

— Nicht böse? — Olga lachte.

— Vadim, deine Mutter hat mich in eine Lage gebracht, in der ich von vornherein schuldig war.

— Hätte ich mit den vorhandenen Lebensmitteln gekocht, hätte man mir vorgeworfen, die Gäste schlecht zu bewirten.

— Als ich einkaufen fuhr, wurde mir vorgeworfen, ich hätte den Haushalt vernachlässigt.

— Verstehst du?

Vadim schwieg lange.

— Ich verstehe, — sagte er schließlich.

— Aber was machen wir jetzt?

— Ich weiß es nicht.

— Wirklich nicht.

— Mama verlangt, dass du dich entschuldigst.

— Vor wem? Vor den Gästen, die ich nicht eingeladen habe?

— Oder vor deiner Mutter, weil ich Gedanken nicht lesen kann?

— Olga…

— Vadim, ich bin müde.

— Wir reden morgen.

Olga legte auf und sah aus dem Fenster.

Draußen ging die Sonne unter und färbte den Himmel rosa.

Der gleiche Himmel war heute Morgen über dem Landhaus, als der Tag so ruhig und angenehm schien.

Morgen müsste etwas entschieden werden.

Mit dem Mann sprechen, vielleicht sogar mit Raisa Petrowna.

Einen Kompromiss finden oder standhaft bleiben.

Aber heute saß Olga einfach in der Küche, trank den abgekühlten Tee und dachte darüber nach, dass die richtige Entscheidung manchmal die schwierigste ist.

Und dass der Familienfrieden manchmal zu einem zu hohen Preis erkauft wird — dem Preis der eigenen Würde.