— Mein Konstantin ist so verantwortungsbewusst! — die Mutter des Bräutigams goss Tee in feine Porzellantassen.
— Er wird ein wunderbarer Ehemann und fürsorglicher Vater sein.

Olesja lächelte und sah zu Konstantin. Er saß daneben, leicht verlegen über das Lob seiner Mutter.
— Wir haben ihn mit seinem Vater richtig erzogen, — fuhr Galina Wiktorowna fort.
— Wir haben ihm beigebracht, Frauen zu respektieren und die Stütze der Familie zu sein. Konstantin wird seine Frau niemals enttäuschen.
— Mama, jetzt reicht es aber, — der Bräutigam errötete und rieb sich den Hinterkopf.
— Und was ist daran falsch? — die zukünftige Schwiegermutter stellte die Teekanne auf den Tisch.
— Ich bin stolz auf meinen Sohn. Er ist mein Schatz.
Olesja nickte:
— Natürlich, Galina Wiktorowna. Kostja ist wirklich wunderbar.
— Aber auch die Frau eines solchen Mannes muss würdig sein, — die Stimme der zukünftigen Schwiegermutter wurde fester.
— Sie muss dem Niveau entsprechen. Verstehst du, was ich meine?
Olesja richtete sich im Sessel auf:
— Natürlich verstehe ich. Ich habe einen Hochschulabschluss und arbeite als Finanzanalystin in einem großen Unternehmen. Die Geschäftsleitung hat mir eine baldige Beförderung versprochen. Und ich habe auch eine eigene Wohnung.
— Genau, genau, — nickte Galina Wiktorowna und goss Tee ein.
Olesja bemerkte einen seltsamen Glanz in den Augen der zukünftigen Schwiegermutter.
Es schien, als würde sich die Frau über etwas anderes freuen.
— Willst du Zucker? — fragte Galina Wiktorowna und reichte die Zuckerdose.
— Danke, nein.
Sie tranken Tee bei dem monotonen Ticken der alten Uhr an der Wand.
Konstantin schwieg und warf gelegentlich einen Blick auf seine Verlobte.
— Na gut, wir sollten gehen, — sagte Konstantin, nachdem er den Tee ausgetrunken hatte.
— Morgen müssen wir früh aufstehen.
— Natürlich, ihr Lieben, — Galina Wiktorowna stand auf, um die Gäste zu verabschieden.
— Olesja, komm öfter vorbei. Wir werden die Hochzeit planen.
Im Auto schwieg Olesja lange. Konstantin schaltete das Radio ein und summte leise mit.
— Kostja, — schließlich fasste sie sich ein Herz.
— Ja?
— Deine Mutter… Spricht sie immer so?
Konstantin bremste an der Ampel:
— Was meinst du damit?
— Über das „dem Niveau entsprechen“. Das klingt irgendwie seltsam.
Der Bräutigam seufzte:
— Mama ist es gewohnt, nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben. Für sie ist Papa das Zentrum des Universums. Und ich bin ihre größte Errungenschaft im Leben.
— Und ihre eigenen Interessen?
— Welche Interessen? — Konstantin zuckte mit den Schultern.
— Mama hat nach der Heirat keinen Tag gearbeitet. Sie hat ihr ganzes Leben der Familie gewidmet. Dem Zuhause. Uns, meinem Vater und mir.
Olesja schaute aus dem Fenster auf die vorbeiziehenden Lichter der Stadt.
Innerlich zog sich alles zusammen. Ein solches Leben erschien ihr wie ein Gefängnis.
— Und sie hält das für richtig? — fragte Olesja vorsichtig.
— Und was wäre daran falsch? — fragte Konstantin erstaunt.
— Eine Frau soll sich um die Familie kümmern. Für Gemütlichkeit sorgen. Dem Mann Halt geben.
— Und die Arbeit? Karriere? Selbstverwirklichung?
— Wozu braucht eine Frau eine Karriere, wenn der Mann die Familie versorgen kann? — Kostja hielt das Auto am Eingang an.
— Mama hat immer gesagt: Das Wichtigste für eine Frau ist, eine gute Ehefrau und Mutter zu sein.
Olesja stieg langsam aus dem Auto. Ihr Kopf drehte sich von dem Gehörten.
Teilt Konstantin wirklich die Ansichten seiner Mutter?
— Kostja, was denkst du darüber? — fragte sie, als sie im Aufzug nach oben fuhren.
— Hm?
— Über die Rolle der Frau in der Familie.
Konstantin dachte nach:
— Nun… Wahrscheinlich entscheidet jede Familie selbst. Aber Mamas Prinzipien haben Sinn. Ordnung im Haus, ein heißes Abendessen, Kindererziehung — das ist doch auch wichtig.
— Natürlich ist es wichtig, — stimmte Olesja zu, während sie das Schloss öffnete.
— Aber warum muss nur die Frau das tun?
Sie betraten die Wohnung. Konstantin küsste seine Verlobte auf die Wange:
— Ich weiß es nicht. So ist es eben üblich. Der Mann verdient, die Frau führt den Haushalt.
Olesja hängte ihre Jacke in den Schrank. Ihre Gedanken wirbelten durcheinander.
Würde Konstantin nach der Hochzeit wirklich die gleiche Unterwürfigkeit von ihr erwarten wie von seiner Mutter?
— Und wenn ich weiterarbeiten möchte? — fragte Olesja leise.
— Warum nicht? — Kostja ging in die Küche.
— Aber… Wenn Kinder kommen, muss eine Entscheidung getroffen werden.
— Welche Entscheidung?
— Nun, jemand muss ja bei dem Kind bleiben. Logisch, dass die Mutter es ist.
Olesja ließ sich auf das Sofa sinken. Das Gespräch nahm eine unerwartete Wendung.
Es stellte sich heraus, dass Konstantin nicht so einfach war, wie es schien.
— Und könntest du in Elternzeit gehen? — versuchte die Braut zu scherzen.
Konstantin lachte:
— Ein Mann in Elternzeit? Das ist ja lächerlich. Mama würde mich nicht verstehen.
— Ist die Meinung deiner Mutter wirklich so wichtig?
— Natürlich. Eltern sind heilig.
Olesja schloss die Augen. Das Bild des zukünftigen Familienlebens wurde immer klarer. Und gefiel ihr immer weniger.
Die Tage zogen sich langsam hin. Bis zur Hochzeit waren es noch zwei Wochen.
Das Kleid hing im Schrank wie ein weißer Geist ungelöster Probleme.
Die Einladungen waren verschickt, das Bankett bestellt. Doch innerlich wuchs die Unruhe.
Am Samstagmorgen trank Olesja Kaffee in der Küche.
Konstantin war zur Arbeit gefahren — Stress im Büro. Es klingelte an der Tür.
— Galina Wiktorowna? — wunderte sich die Braut, während sie das Schloss öffnete.
— Hallo, liebe. Ist Kostja bei der Arbeit?
— Ja, kommen Sie rein.
Die zukünftige Schwiegermutter trat ins Wohnzimmer, sah sich um:
— Deine Wohnung ist schön. Hell.
— Danke. Möchten Sie Tee?
— Natürlich.
Olesja stellte den Wasserkocher auf. Galina Wiktorowna setzte sich an den Küchentisch.
— Weißt du, Olesja, ich bin gekommen, um zu reden, — begann die zukünftige Schwiegermutter.
— Über das Weibliche.
— Ich höre Ihnen zu.
— Mein Kostja ist ein besonderer Mann. Er verdient das Beste. Und seine Frau muss entsprechend sein.
Olesja goss Tee in die Tassen:
— Ich bemühe mich, eine gute Braut zu sein.
— Bemühst du dich? — fragte Galina Wiktorowna nach.
— Bemühen allein reicht nicht. Du musst dich der Familie vollständig widmen.
— Tue ich das nicht?
Die zukünftige Schwiegermutter nahm einen Schluck Tee:
— Sag mir, wann wirst du mir Enkel schenken?
Olesja erstarrte mit der Tasse an den Lippen:
— Ich hatte bisher nicht geplant, Kinder zu bekommen.
— Wie, nicht geplant? — Galina Wiktorownas Stimme wurde schärfer.
— Wozu gehst du dann überhaupt heiraten?
— Nun… In sechs Monaten wird mir eine Beförderung versprochen. Ich muss noch anderthalb Jahre arbeiten, um mich auf der neuen Position zu etablieren. Erst danach kann man an Kinder denken.
Das Gesicht der zukünftigen Schwiegermutter verdunkelte sich:
— Welche Beförderung? Welche Arbeit? Du heiratest!
— Galina Wiktorowna, ich verstehe Sie nicht.
— Was gibt es daran zu verstehen? — die Stimme der Frau wurde immer lauter.
— Deine Hauptaufgabe jetzt ist es, Ehefrau zu sein! Kinder zu bekommen! Den Haushalt zu führen!
Olesja stellte die Tasse ab:
— Aber ich liebe meine Arbeit…
— Du liebst die Arbeit? — Galina Wiktorowna sprang vom Stuhl auf.
— Und deinen Mann wirst du auch lieben? Oder ist dir die Karriere wichtiger als die Familie?
— Warum soll ich wählen?
— Weil die Welt so funktioniert! — schrie die zukünftige Schwiegermutter.
— Eine Frau kann Karriere und Familie nicht gleichzeitig haben! Nur eines geht!
Olesja stand auf:
— Im einundzwanzigsten Jahrhundert schaffen Frauen das sehr wohl…
— Wage es nicht, mir zu widersprechen! — unterbrach Galina Wiktorowna.
— Ich habe mein Leben gelebt, ich weiß, wovon ich spreche! Willst du die Frau meines Sohnes sein? Dann vergiss die Karriere!
— Aber warum?
— Weil Konstantin eine Frau verdient, die nur an ihn denkt! An die Familie! An die Kinder! Und nicht an irgendwelche Beförderungen!
Olesja ballte die Fäuste:
— Und wenn ich kündige, wer zahlt dann diese Wohnung? Die Nebenkosten?
— Der Mann! Dafür gibt es doch diesen Mann!
— Und wenn er seinen Job verliert?
— Mein Kostja wird niemals seinen Job verlieren! Er ist verantwortungsbewusst!
— Galina Wiktorowna, ich möchte mein eigenes Einkommen haben. Unabhängig sein.
— Unabhängig? — die zukünftige Schwiegermutter lachte.
— Vom Mann? Das ist unnatürlich! Du musst von Kostja abhängig sein! Ihn schätzen! Dankbar sein!
Olesja ging zum Fenster:
— Wollen Sie, dass ich meine Karriere für Ihren Sohn aufgebe? Und ist er bereit, seine für mich aufzugeben?
— Was für ein Unsinn! — empörte sich Galina Wiktorowna.
— Ein Mann muss arbeiten! Die Familie versorgen! Und eine Frau — Kinder gebären und Borschtsch kochen!
— Und das ist alles, wozu ich fähig bin? Gebären und kochen?
— Was braucht eine Frau sonst noch? — fragte die zukünftige Schwiegermutter aufrichtig erstaunt.
— Ich habe dreißig Jahre mit meinem Mann gelebt. Einen Sohn geboren. Den Haushalt geführt. Und ich war glücklich!
— Aber ich bin nicht Sie!
— Ach, du bist nicht ich? — Galina Wiktorownas Stimme wurde eisig.
— Also bist du besonders? Über uns alle erhaben?
— Ich möchte einfach mein eigenes Leben leben!
— Dein eigenes? Und was ist mit Kostja? Was ist mit der Familie? Du bist egoistisch!
Olesja drehte sich um:
— Egoistisch? Weil ich arbeiten möchte?
— Weil du dich über deinen Mann stellst! Über die Mutterschaft! Über die Familienwerte!
— Welche Werte sind das? Eine Frau zur Hausfrau machen?
— Wie kannst du es wagen! — kreischte Galina Wiktorowna.
— Ich bin keine Hausfrau! Ich bin die Hüterin des Hauses!
— Wer hindert daran, gleichzeitig das Haus zu hüten und zu arbeiten?
— Der gesunde Menschenverstand! Man kann nicht zwei Herren dienen!
In diesem Moment knallte die Tür im Flur. Konstantin kam von der Arbeit.
— Mama? — wunderte sich der Bräutigam. — Was machst du hier?
— Kostjenka! — Galina Wiktorowna stürzte zu ihrem Sohn.
— Gott sei Dank, dass du gekommen bist! Sprich mit dieser… mit deiner Braut!
— Was ist passiert? — sah sich Konstantin um.
— Sie will nicht kündigen! Sie weigert sich, Kinder zu bekommen! Sie spricht von Karriere!
Konstantin sah Olesja an:
— Ist das wahr?
— Kostja, ich verweigere nicht, Kinder zu bekommen. Ich möchte nur ein wenig warten…
— Wie lange warten? — unterbrach die zukünftige Schwiegermutter. — Bis vierzig?
— Olesja, — sagte Konstantin ruhig, — wir haben schon darüber gesprochen. Nach der Hochzeit werden sich deine Prioritäten ändern.
— In welchem Sinn?
— Dass die Familie an erster Stelle steht. Und die Arbeit zweitrangig wird.
Olesja starrte den Bräutigam an:
— Meinst du das ernst?
— Natürlich ernst. Wozu heiraten, wenn sich nichts ändert?
— Und was soll sich ändern?
— Du musst eine richtige Ehefrau werden, — mischte sich Galina Wiktorowna ein. — Dich völlig deinem Mann widmen!
— Kostja, — wandte sich Olesja an den Bräutigam, — willst du wirklich, dass ich meinen Job aufgebe?
— Nicht sofort. Aber wenn Kinder kommen… Ja, dann musst du wählen.
— Und ich soll die Familie wählen?
— Logisch, — zuckte Konstantin mit den Schultern.
— Wozu eine Karriere für eine Frau, wenn der Mann versorgen kann?
— Und wenn er es nicht kann?
— Ich kann, — sagte der Bräutigam selbstbewusst.
— Ein Mann muss die Familie ernähren.
— Und eine Frau muss zu Hause bleiben?
— Kinder erziehen, den Haushalt führen — das ist auch Arbeit.
— Unbezahlt.
— Aber wichtig! — rief Galina Wiktorowna. — Die wichtigste!
Olesja sah ihre Mutter und den Sohn an. Zwei Menschen, die ihre Familie hätten werden sollen. Aber sie sah fremde, unverstehende Menschen.
— Also meint ihr beide, ich soll alles für Kostja aufgeben?
— Die Karriere, ja, — nickte der Bräutigam. — Für unsere Familie.
— Und bist du bereit, etwas für mich aufzugeben?
— Was? — fragte Konstantin ehrlich verwirrt. — Ich bin doch ein Mann. Ich muss arbeiten.
— Und ich bin eine Frau. Ich kann auch arbeiten.
— Du kannst. Aber musst nicht.
Olesja nahm den Ehering vom Finger. Schön, teuer. Ein Symbol für Liebe und Versprechen.
— Kostja, — sagte die Braut leise, — ich will ein solches Leben nicht.
— Was für ein Leben?
— In dem ich mich für dich aufgeben muss. Und du bist nicht bereit, irgendetwas für mich zu opfern.
— Olesja, sag keinen Unsinn…
— Das ist kein Unsinn, — unterbrach die Braut. — Das ist die Wahrheit.
Olesja warf den Ring auf den Tisch. Das Schmuckstück rollte klirrend über die Glasoberfläche.
— Was machst du da? — rief Konstantin erschrocken.
— Was ich schon früher hätte tun sollen.
— Bist du verrückt geworden! — schrie Galina Wiktorowna.
— So einen Mann lässt du entgehen!
— Entgehen? Oder mich befreien?
— Vom Glück befreist du dich!
— Glück kann nicht auf Selbstaufgabe gebaut werden.
Olesja ging zur Eingangstür und öffnete sie:
— Kostja, pack deine Sachen und geh. Die Hochzeit ist abgesagt.
— Olesja, denk noch einmal nach…
— Ich habe bereits alles entschieden. Leb wohl.
Konstantin hob verwirrt den Ring auf:
— Aber wir lieben uns doch…
— Liebe kann kein einseitiges Opfer sein.
— Mama, sag ihr etwas!
— Was kann ich dieser Sturköpfin sagen? — zuckte Galina Wiktorowna mit den Schultern.
— Sie hat ihr Schicksal selbst gewählt.
Mutter und Sohn gingen. Die Tür schlug zu.
Olesja blieb allein in der Wohnung. Die Stille umarmte sie wie ein alter Freund.
Draußen in der Stadt herrschte Lärm. Irgendwo arbeiteten Menschen, bauten Karrieren auf, lebten ihre eigenen Träume.
Die Braut — jetzt schon Ex — ging zum Spiegel. In ihren Augen war kein Bedauern. Nur Erleichterung.
Besser allein zu bleiben, als in fremden Ambitionen aufzugehen.
Besser das eigene Leben zu gestalten, als nach fremden Regeln zu leben.
Olesja lächelte ihr Spiegelbild an. Vor ihr lag Freiheit. Und unbegrenzte Möglichkeiten.



