— Wenn du deine eigene Wohnung kaufst, dann kannst du dort einziehen, wen du willst! Aber jetzt verschwinde hier zusammen mit deiner Schwester!

Anna hatte ihre Zweizimmerwohnung im siebten Stock immer als Festung betrachtet.

Nicht die größte, nicht die luxuriöseste, aber ihre eigene.

Jeder Quadratmeter war durch schlaflose Nächte in einer Designagentur verdient, jedes Möbelstück wurde sorgfältig und geschmackvoll ausgewählt.

Die strahlend weißen Handtücher im Bad hingen exakt nach Größe, die Kosmetik auf dem Regal stand in ordentlichen Reihen, und die Kleider im Schrank waren nach Farbtönen sortiert — von hell nach dunkel.

Maxim trat in ihr Leben im November, als draußen die ersten Schneeflocken wirbelten.

Groß, mit lässig zerzausten dunklen Haaren und einem Lächeln, bei dem Anna die Knie weich wurden.

Sie lernten sich in einem Café in der Tverskaja-Straße kennen — er streifte zufällig ihren Tisch, als er vorbeiging, und Kaffee spritzte auf ihre weiße Bluse.

— Entschuldigen Sie, ich bin so ungeschickt, — murmelte er verlegen und reichte ihr Servietten.

— Lassen Sie mich wenigstens die Reinigung bezahlen.

Die Bluse ließ sich nicht mehr vollständig reinigen, aber das war egal.

Maxim war Fotograf, fotografierte Hochzeiten und Firmenveranstaltungen und lebte in einer gemieteten Einzimmerwohnung am Stadtrand.

Er erzählte von seinen Projekten mit so viel Begeisterung, dass Anna ihm stundenlang zuhören konnte.

Die ersten Monate vergingen wie im Nebel.

Maxim kam fast jeden Abend mit einem Blumenstrauß oder einer Schachtel Pralinen vorbei.

Sie kochten gemeinsam, schauten Filme, schmiedeten Pläne für die Zukunft.

Anna fühlte sich glücklich, als hätte sie endlich das fehlende Puzzleteil gefunden.

Im Februar, als draußen ein Schneesturm tobte, schlug sie ihm vor, einzuziehen.

— Warum solltest du für diese Ecke bezahlen? — sagte Anna, während sie ihn in der Küche umarmte.

— Bei mir ist genug Platz für uns beide.

Zunächst weigerte sich Maxim, sprach von Unabhängigkeit und davon, kein Schmarotzer sein zu wollen, doch schließlich stimmte er zu.

Er zog im März ein, brachte nur zwei Koffer und seine Fotoausrüstung mit.

Der erste Monat des gemeinsamen Lebens war wie Honig.

Maxim bemühte sich, seine Sachen nicht zu zerstreuen, half beim Aufräumen, wenn auch nicht immer so gründlich, wie Anna es gewohnt war.

Sie schob es auf die männliche Unordentlichkeit und wusch schweigend das Geschirr hinter ihm ab, hing Handtücher um und ordnete die Schuhe an ihrem Platz.

Das Einzige, was sie ein wenig beunruhigte — Maxim hatte nie angeboten, bei den Nebenkosten zu helfen oder wenigstens Lebensmittel zu kaufen.

Wenn sie vorsichtig das Thema ansprach, machte er Witze oder sagte, dass er noch neue Kunden sucht und knapp bei Kasse sei.

Anna drängte nicht — schließlich gehörte die Wohnung ihr, und sie konnte sie sich leisten, allein zu unterhalten.

Mitte April änderte sich alles.

Anna kam nach einem besonders schweren Tag nach Hause — der Kunde lehnte bereits die dritte Version des Website-Designs ab und verlangte etwas „Kreativeres“, und ihr Chef deutete auf unbezahlte Überstunden hin.

Sie sehnte sich nur nach einem heißen Bad und einem Glas Wein.

Als sie den siebten Stock erreichte, zog Anna die Schlüssel heraus und erstarrte.

Hinter der Tür hörte sie Stimmen — Maxims männliche und eine unbekannte weibliche. Anna runzelte die Stirn.

Maxim hatte sie nicht vorgewarnt, dass Gäste da waren.

Sie trat in den Flur und blieb wie angewurzelt stehen.

Im Wohnzimmer auf ihrem geliebten beigen Sofa saß ein unbekanntes Mädchen, etwa fünfundzwanzig Jahre alt.

Ihr langes, hellbraunes Haar war lässig zu einem Dutt gebunden, sie trug einen Blumen-Pyjama — eindeutig nicht das Outfit, das man für Gäste trägt.

Das Mädchen lackierte konzentriert ihre Nägel knallrosa und warf ab und zu einen Blick auf den Fernseher, auf dem eine brasilianische Telenovela lief.

— Hallo, — sagte die Fremde gelassen, ohne den Kopf zu heben.

— Du bist wohl Anna? Ich bin Lena, Maxims Schwester.

Anna stand in der Tür zum Wohnzimmer und versuchte, das Geschehen zu begreifen.

Maxim hatte nie ausführlich über seine Schwester gesprochen — nur erwähnt, dass sie irgendwo am Stadtrand wohnte.

— Anna, du bist zu Hause! — Maxim erschien aus der Küche mit einer Tasse Tee in der Hand. Er sah leicht schuldbewusst aus, lächelte jedoch, als wäre nichts geschehen.

— Lern sie kennen, das ist meine Schwester Lena. Erinnerst du dich, ich habe davon erzählt?

— Vage, — antwortete Anna trocken.

— Was macht sie hier?

Maxim stellte die Tasse auf den Couchtisch neben Lena und umarmte Anna an den Schultern.

— Verstehst du, sie hat Probleme mit ihrer Wohnung. Die Vermieterin bat dringend, die Unterkunft zu räumen — ihr Sohn kommt aus der Armee zurück. Lena hatte keinen Platz zum Gehen, also habe ich vorgeschlagen, dass sie vorübergehend bei uns bleibt. Nur für ein paar Tage, bis sie etwas findet.

Anna spürte, wie ihr Inneres kalt wurde.

„Bei uns“? Das war ihre Wohnung, ihr Territorium, und niemand hatte das Recht, jemanden ohne ihre Erlaubnis hierher zu bringen.

— Verstehe, — sagte sie und bemühte sich, ruhig zu bleiben.

— Aber hätte man mich nicht fragen können?

— Ach komm schon, Anna, — zuckte Maxim mit den Schultern.

— Es ist eine Notsituation. Man kann sie ja nicht auf die Straße setzen.

Lena löste sich schließlich von ihrer Maniküre und betrachtete Anna mit prüfendem Blick.

— Mach dir keine Sorgen, ich werde nicht stören. Ich bin generell leise wie eine Maus. Und ich nehme auch nicht viel Platz ein.

Ihr Ton hatte eine künstliche Leichtigkeit, die Anna noch mehr ärgerte als die Tatsache, dass die unerwartete Besucherin plötzlich aufgetaucht war.

— Gut, — sagte Anna, wissend, dass jetzt nicht die Zeit für einen Streit war.

— Bleibst du lange?

— Bis übermorgen bin ich weg, — antwortete Lena lässig.

— Ich suche bereits nach Optionen.

Maxim lächelte erleichtert und küsste Anna auf die Wange.

— Siehst du, alles wird sich schnell lösen. Komm, ich mache dir Tee.

In der Küche entdeckte Anna einen Berg schmutziges Geschirr im Spülbecken und Krümel auf dem Tisch.

Auf dem Herd stand ein Topf mit Resten von Borschtsch — genau der, den sie gestern für zwei Personen gekocht hatte und noch ein paar Tage aufwärmen wollte.

— Maxim, — rief sie leise.

— Ja?

— Ist das mein Borschtsch?

— Äh… ja, entschuldige. Lena hatte Hunger, und im Kühlschrank war nichts Passendes mehr. Morgen gehe ich einkaufen und besorge Lebensmittel.

Anna nickte, obwohl ihre Wut innerlich bereits aufkochte. Sie schwieg, weil sie erzogen war.

Sie schwieg, weil sie verstand, dass es unangebracht wäre, Szenen vor Fremden zu machen.

Doch mit jeder Minute fühlte sie sich schlechter.

Am Abend, als sie sich auf das Schlafengehen vorbereiteten, hielt Anna es nicht mehr aus.

— Maxim, das alles ist sehr plötzlich.

— Was meinst du?

— Deine Schwester. Du hättest mich vorher informieren können.

Maxim setzte sich ans Bett und nahm ihre Hände.

— Anna, ich verstehe, dass es unbequem ist. Aber was hätte ich tun sollen? Sie rief heute Morgen weinend an, sagte, die Vermieterin schmeißt sie raus. Ich konnte sie nicht einfach im Stich lassen.

— Ich sage nicht im Stich lassen. Ich sage — mich zu Rate ziehen. Es ist meine Wohnung, Maxim.

— Unsere Wohnung, — korrigierte er.

— Wir leben doch zusammen.

— Aber ich zahle alles allein.

Maxim runzelte die Stirn.

— Und jetzt willst du mir das ständig vorhalten?

— Ich halte es nicht vor. Ich will nur, dass du verstehst — solche Entscheidungen sollten wir gemeinsam treffen.

— Gut, das nächste Mal frage ich auf jeden Fall. Aber jetzt ist es zu spät, etwas zu ändern. Warte ein paar Tage, okay?

Am nächsten Tag ging Anna früher als gewöhnlich zur Arbeit, in der Hoffnung, das morgendliche Zusammentreffen mit Lena zu vermeiden.

Aber am Abend wiederholte sich das Bild: Das Mädchen saß noch immer im selben Pyjama auf demselben Sofa, sah fern und kaute einen Apfel — einen von denen, die Anna extra für sich gekauft hatte.

— Hallo, — winkte Lena ihr zu.

— Wie läuft es bei der Arbeit?

— Normal, — antwortete Anna kurz.

— Hast du schon eine Wohnung gefunden?

— Noch nicht. Aber ich suche, suche. Morgen werde ich ein paar Optionen ansehen.

Lena sprach in einem Ton, als würde sie Wochenendpläne besprechen, und nicht eine dringende Wohnungsangelegenheit lösen.

Anna ging ins Schlafzimmer und schloss die Tür.

Noch zwei Tage vergingen.

Lena saß immer noch auf dem Sofa im Pyjama, versprach immer noch, morgen Wohnungen anzusehen, und schien immer noch nicht wie jemand, der aktiv ein Wohnungsproblem löst.

Doch Anna begann, andere Dinge zu bemerken.

Am Donnerstagmorgen stellte sie fest, dass ihre teure Gesichtscreme merklich weniger geworden war.

Am Freitag war das Handtuch im Bad feucht, obwohl sie es seit dem Vorabend nicht benutzt hatte.

Und am Samstag, als sie den Schrank öffnete, bemerkte Anna, dass ihre Kleider nicht in der richtigen Reihenfolge hingen.

as rote Kleid, das zwischen dem schwarzen und dem dunkelroten stehen sollte, war aus irgendeinem Grund neben dem blauen Kleid gelandet.

Annas Herz schlug schneller.

Der Gedanke, dass jemand Fremdes in ihren persönlichen Sachen wühlte, ihre Kleidung anfasste, ihre Kosmetik benutzte, löste fast körperliches Ekelgefühl aus.

Sie war schon immer penibel reinlich gewesen — selbst als Kind gab sie ihre Lippenstifte oder Kämme nie an Freundinnen weiter.

— Maxim, — rief sie, als sie aus dem Schlafzimmer trat.

— Ja? — Hast du meine Creme genommen? Die aus dem silbernen Tiegel?

Maxim riss sich vom Laptop los und sah sie überrascht an.

— Welche Creme? Nein, habe ich nicht.

— Hast du dich nicht mit meinem Handtuch im Bad abgetrocknet? — Ich trockne mich mit meinem ab. Was ist passiert?

Anna seufzte tief. — Jemand benutzt meine Sachen.

— Anja, wovon redest du? — Meine Creme ist weniger geworden. Das Handtuch war nass. Und im Schrank hat jemand die Kleider verrückt.

Maxim lachte.

— Ernsthaft? Du zählst die Creme nach Gramm? — Maxim, das ist nicht lustig, — Anna spürte, wie ihre Wangen vor Wut heiß wurden.

— Jemand benutzt meine persönlichen Sachen ohne Erlaubnis.

— Na gut. Und was ist daran schlimm? Lena ist keine Fremde.

— Für mich schon! — Anna, das ist meine Schwester. Kannst du nicht einfach die Creme mit ihr teilen?

— Es geht nicht um die Creme! Es geht darum, dass mich niemand fragt! Ihr benimmt euch, als wäre das hier ein Studentenwohnheim und nicht meine Wohnung!

Maxim klappte den Laptop zu und stand auf.

— Hör zu, ich verstehe, dass es dir unangenehm ist. Aber wegen Kleinigkeiten muss man kein Drama machen. Creme? Ich kaufe dir morgen neue.

— Ich will keine neue! Ich will, dass meine Sachen nicht ohne Erlaubnis angerührt werden! — Anja, beruhige dich. Du bist doch erwachsen.

Das Wort „beruhige dich“ wirkte auf Anna wie ein rotes Tuch auf einen Stier.

— Ich beruhige mich, wenn deine Schwester aufhört, in meinen Sachen zu wühlen! Und überhaupt, wann zieht sie aus? Es ist schon eine Woche vergangen! — Sie sucht… — Sie sucht gar nichts! — explodierte Anna.

— Sie sitzt auf meinem Sofa, isst mein Essen, benutzt meine Kosmetik und rührt nicht einmal einen Finger, um eine Wohnung zu finden!

Aus dem Wohnzimmer ertönte das Geräusch von wechselnden Fernsehsendern.

Lena wollte offenbar so tun, als würde sie das Gespräch nicht hören.

— Anja, leise. Sie wird es hören.

— Dann soll sie es hören! Vielleicht versteht sie dann endlich, dass es Zeit ist auszuziehen!

Maxim ging näher und griff nach ihren Händen, aber Anna zog sie zurück.

— Anja, was ist mit dir? Früher warst du so verständnisvoll… — Früher hast du hier keine fremden Leute ohne Erlaubnis mitgebracht!

— Fremde? Das ist meine Schwester! — Die ich zum ersten Mal im Leben sehe! — Na gut. Ich spreche morgen mit ihr. Ich bitte sie, sich zu beeilen.

— Morgen? Warum nicht heute?

— Anja, es ist schon spät. Lass uns aus einer Mücke keinen Elefanten machen.

Aber der Elefant war schon da, und zwar in Mammutgröße.

Anna merkte, dass sie nicht länger schweigen konnte.

Die ganze Woche aufgestaute Wut brach heraus wie Wasser aus einem geplatzten Damm.

— Maxim, du wohnst jetzt seit zwei Monaten in meiner Wohnung. Für Strom, Gas und andere Nebenkosten hast du keinen Cent bezahlt, ich kaufe die Lebensmittel. Und trotzdem habe ich geschwiegen, weil es schön war, dass du da bist. Aber das heißt nicht, dass du meine Wohnung nach Belieben behandeln kannst!

— Ich behandle sie doch nicht… — Doch, das tust du! Du hast deine Schwester mitgebracht, ohne mich zu fragen! Sie isst mein Essen, benutzt meine Sachen, nimmt mein Wohnzimmer in Anspruch, und dann sagst du mir noch, ich soll wegen Kleinigkeiten kein Drama machen!

— Anna, beruhige dich… — Wage es ja nicht, mir zu sagen, ich soll mich beruhigen! Ich bin keine hysterische Frau, ich will nur, dass man mich in meinem eigenen Haus respektiert!

Maxim wurde blass. — Natürlich, respektiert. Wovon redest du? — Davon, dass, wenn man mich respektiert hätte, man mich gefragt hätte, bevor man jemanden hier einzieht!

Im Wohnzimmer wurde es still. Lena schaltete den Fernseher aus und hörte offenbar dem Gespräch zu.

— Gut, — sagte Maxim leise.

— Morgen spreche ich mit Lena. Sie wird innerhalb einer Woche etwas finden.

— Nicht eine Woche! Morgen! Morgen soll sie ausziehen! — Anna, sei vernünftig. An einem Tag findest du keine Wohnung.

— Und in einer Woche schon? Warum hat sie dann bis jetzt keine gefunden?

Maxim antwortete nicht. Er stand mitten im Raum und sah sie mit einem seltsamen Ausdruck an — als sähe er sie zum ersten Mal.

— Ich erkenne dich nicht wieder, — sagte er schließlich.

— Du warst so nett, hilfsbereit… — Nett zu dir! Nicht zu jedem, der plötzlich in meinem Haus auftaucht!

— Das ist meine Schwester, Anna.

— Und ich? Die Nachbarin im Treppenhaus? — Du… du bist meine Freundin. Und ich dachte, meine Familie würde auch deine Familie werden.

Anna lachte bitter.

— Deine Familie? Die meine Sachen ohne zu fragen benutzt? Die mein Essen isst und nicht vorhat auszuziehen? Tolle Familie! — Sag das nicht über Lena.

— Ich sage, was ich will! Das ist meine Wohnung! — Ich dachte, unsere… — Unsere? — Anna spürte, wie alles in ihr vor Wut kochte.

— Seit wann ist sie unsere? Hast du irgendetwas getan, damit sie unsere wird?

Maxim stand schweigend da. In seinen Augen stand Unverständnis und ein bisschen Groll.

— Anna, ich dachte nicht, dass du so… besitzergreifend bist.

Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Besitzergreifend? In der eigenen Wohnung? — Und ich dachte nicht, dass du so ein Frechling bist! — schrie Anna.

— Du kommst in mein Haus, zahlst nichts, bringst Verwandte ohne Erlaubnis mit und wagst es dann noch, mich zu tadeln! — Anna… — Genug! Schluss! — Anna trat auf ihn zu, ihre Augen brannten vor Wut.

— Wenn du deine eigene Wohnung kaufst, dann kannst du einziehen, wen du willst! Aber jetzt verpiss dich zusammen mit deiner Schwester hier!

Die letzten Worte schrie sie fast heraus. In der Wohnung herrschte absolute Stille.

Maxim stand da wie erschlagen. Dann nickte er langsam.

— Verstanden, — sagte er leise. — Alles klar.

Er drehte sich um und ging ins Schlafzimmer. Nach ein paar Minuten kam er mit zwei Koffern zurück — genau den Koffern, mit denen er vor zwei Monaten eingezogen war.

— Lena, mach dich fertig, — warf er kurz Richtung Wohnzimmer.

— Was? — Ihre Stimme klang ehrlich überrascht.

— Wohin? — Wir fahren. Sie wollen uns hier nicht sehen.

Lena erschien in der Wohnzimmer-Tür. Zum ersten Mal in der ganzen Woche trug sie keine Pyjamas, sondern Jeans und einen Pullover.

— Ernsthaft? — sie sah Anna herausfordernd an.

— Wegen einer Creme so ein Theater? — Lena, nicht, — sagte Maxim leise.

— Mach dich fertig.

— Ich bin doch schon fertig, — zuckte das Mädchen mit den Schultern.

— Sachen sind in der Tasche.

Sie verschwand ins Wohnzimmer und kam eine Minute später mit einer großen Sporttasche wieder.

Anna bemerkte erst jetzt, dass diese die ganze Zeit hinter dem Sofa gestanden hatte.

War Lena also wirklich bereit, jederzeit zu gehen? Warum ist sie dann nicht gegangen? — Tschüss, — sagte Lena, während sie an Anna vorbeiging.

— Danke für die Gastfreundschaft.

In ihrer Stimme lag weder Wut noch Groll — nur Spott.

Maxim hielt in der Tür an.

— Anna… — wollte er sagen. — Geh, — sagte sie, ohne ihn anzusehen.

— Ich dachte, wir bauen etwas Ernstes auf… — Geh.

Die Tür schloss sich. Anna hörte den Aufzug, dann wurde es still.

Sie ging ins Wohnzimmer und setzte sich auf das Sofa — genau das, auf dem Lena die ganze Woche gesessen hatte.

Seltsam, aber jetzt wirkte es weder schmutzig noch fremd. Einfach ein Sofa in ihrer Wohnung.

Auf dem Couchtisch stand eine kleine Flasche pinken Nagellacks. Vergessen.

Anna nahm sie in die Hand — billig, aus dem Supermarkt. Auf dem Etikett stand „Rosa Traum“.

Sie stand auf und warf die Flasche in den Müll.

Dann ging sie ins Bad und hängte die Handtücher streng nach Größe auf.

Sie ging ins Schlafzimmer und sortierte die Kleider nach Farbe — von hell zu dunkel.

Sie überprüfte die Kosmetik auf dem Regal — alles stand ordentlich in Reihen, wie es sein sollte.

In der Wohnung herrschte wieder Ordnung. Ihre Ordnung. Ihr Territorium.

Anna setzte sich aufs Bett und merkte plötzlich, dass sie weinte.

Es war halb elf abends. Morgen war Sonntag. Sie musste nirgendwo hin, niemanden treffen.

Sie konnte den ganzen Tag zu Hause verbringen, in Ruhe, ohne fremde Stimmen, ohne den Zwang, den Raum zu teilen.

Sie nahm das Handy, um Maxim zu schreiben — was genau, wusste sie noch nicht.

Aber sie sah, dass sie eine ungelesene Nachricht von ihm hatte, die vor einer halben Stunde angekommen war: „Es tut mir leid. Ich wollte dich wirklich nicht verletzen. Ich dachte einfach, für Liebende ist es egal, wessen Wohnung es ist. Anscheinend lag ich falsch.“

Anna starrte lange auf den Bildschirm. Dann löschte sie Maxims Nummer aus dem Telefon.

In der Wohnung herrschte absolute Stille.

Draußen blinkten die Lichter der Nachbarhäuser, wo die Menschen ihr Leben lebten, ihre Probleme lösten, sich stritten und versöhnten.

Und sie war zu Hause. In ihrem Haus, auf ihrem Territorium. Alleine.

Und aus irgendeinem Grund wurde ihr von diesem Gedanken nicht leichter, sondern nur trauriger.