Na und, warum jammerst du? Er hat dich betrogen, aber ist glücklich! Und ich werde das Haus nehmen, und das Auto! – sagte der Mann.

— Na und, warum jammerst du? Er hat dich betrogen, aber ist glücklich! Und ich werde das Haus nehmen, und das Auto! — Gleb warf die Schlüssel auf den Tisch, sodass sie mit einem Klirren gegen eine Keramikvase fielen.

— Ich bin es leid, deine Wutanfälle zu ertragen, verstehst du? Dreiunddreißig Jahre habe ich es ausgehalten, genug.

Inga stand am Fenster, den Rücken zu ihm.

Draußen fiel der erste Oktoberschnee – nass, klebrig, verwandelte sich in eine schmutzige Matsche.

Wie das ganze Leben, dachte sie.

Es beginnt schön, und dann…

Ihre Finger krallten sich an der Fensterbank fest, ließen aber los — was bringt es, sich an etwas zu klammern, das schon zerfällt?

— Also das Auto… — Ihre Stimme klang seltsam ruhig.

— Das, für das ich fünf Jahre bezahlt habe, während du dein „Geschäft“ aufgebaut hast?

— Fang nicht damit an! — Gleb schrie.

— Ich bin der Ernährer dieser Familie!

— Warst du.

Sie drehte sich um.

Neunundvierzig, graue Strähnen an den Schläfen, Fältchen um die Augen — aber der Blick…

Gleb schauderte.

So einen Blick hatte er noch nie gesehen.

Keine Tränen, kein Flehen, nicht einmal Wut.

Etwas anderes.

Kalt und sehr ruhig.

— Pack deine Sachen bis Sonntag, — warf er und ging, die Tür zuschlagend.

Inga blieb am Fenster stehen.

Der Schnee fiel stärker.

Das Telefon vibrierte — eine Nachricht von Tamara, ihrer Arbeitskollegin: „Wie geht’s? Ich habe deinen Mann bei „Schokoladniza“ mit der Rothaarigen gesehen. Halte durch.“

Rothaarige.

Achtundzwanzig Jahre alt, Sekretärin in seinem Büro.

Inga wusste es schon seit drei Monaten.

Zuerst — Lippenstift am Kragen, dann — ständiges „Ich bleibe länger bei der Arbeit“, und eines Tages sah sie eine SMS: „Ich vermisse dich, Hasi.“

Hasi.

Ihr Mann war für ein Mädchen, das alt genug wäre, seine Tochter zu sein, zum Hasi geworden.

Und das Haus…

Eine Vierzimmerwohnung an der Akademitscheskaja-Straße.

Vor zwölf Jahren auf seinen Namen eingetragen, damit man den Kredit zu einem niedrigeren Zinssatz bekommt — Gleb hatte ein höheres Einkommensnachweis.

Sie stimmte damals zu, weil es ja Familie war, egal auf wen die Unterlagen liefen.

Inga ging in die Küche und schenkte sich ein Glas Wasser ein.

Ihre Hände zitterten nicht.

Erstaunlich.

Innerlich schien etwas zu klicken, umzuschalten.

Dreiunddreißig Jahre Ehe, zwei erwachsene Kinder, eine Menge gemeinsamer Erinnerungen — und nun steht er ihr gegenüber und erklärt, dass er alles nimmt.

Und ist glücklich.

Am Morgen fuhr Inga nicht zur Arbeit, sondern ins Zentrum.

Das Büro der Anwaltskanzlei befand sich in einem Altbau an den Chistyje Prudy.

Eine Frau, etwa fünfundfünfzig Jahre alt, in einem strengen Kostüm, hörte aufmerksam zu und machte ab und zu Notizen.

— Also, die Wohnung ist auf seinen Namen, das Auto auch, — lehnte sich Eva Borisovna in den Stuhl zurück.

— Und die Konten?

— Zwei Konten.

Eines auf meinem Namen — 130.000 Rubel, gespart für die Enkel.

Das andere auf seinem, aber das Geld ist gemeinsames Vermögen, dachte ich… — Inga hielt inne.

— Sie dachten, es sei eine Familie. — Die Anwältin nickte. — Verstehe.

Aber das Gesetz steht auf Ihrer Seite.

Alles, was in der Ehe erworben wurde, wird zur Hälfte geteilt, unabhängig davon, auf wen es eingetragen ist.

Sie müssen Dokumente sammeln, die Ihren Beitrag zum Familienbudget belegen.

— Ich habe dreißig Jahre als Buchhalterin gearbeitet…

— Perfekt.

Bankauszüge, Arbeitsbescheinigungen, Quittungen für größere Einkäufe — alles wird nützlich sein.

Und außerdem, — Eva Borisovna sah sie aufmerksam an, — wenn es Beweise für seine Untreue gibt, könnte das die Aufteilung des Vermögens beeinflussen.

Inga verließ die Kanzlei als ein anderer Mensch.

Der Plan begann klar zu werden.

Klar und konsequent.

Sie rief Tamara an.

— Dein Neffe arbeitet doch in der IT, oder?

— Kannst du ihn um einen Gefallen bitten?

Gleb kam drei Tage später zurück.

Fröhlich, zufrieden mit sich selbst.

Er roch nach fremdem Parfum.

— Ich habe nachgedacht, — begann er, lässig auf dem Sofa liegend, — lass uns das ohne Gerichte regeln, einvernehmlich.

— Du behältst die Wohnung, ich schreibe dir das Auto um.

— Und 100.000 oben drauf.

— Fair, oder?

— 100.000, — wiederholte Inga.

— Für dreiunddreißig Jahre.

— Ach, du übertreibst immer… — Er verzog das Gesicht.

— Ich werfe dich doch nicht auf die Straße!

— Du kannst irgendwo am Stadtrand eine Einzimmerwohnung mieten, du brauchst nicht viel.

— Und wo wirst du wohnen?

Er schmunzelte.

— Das geht dich nichts an.

— Aber falls du es wissen willst — ich kaufe eine neue.

— Etwas geräumiger.

— Hier ist sowieso alles alt, Renovierung nötig.

Inga schwieg.

Sie sah ihn an und dachte — wie hat sie das früher nicht bemerkt?

Diese Selbstverliebtheit, diese Arroganz.

Oder sie bemerkte es, aber ertrug es.

Für die Kinder.

Für den Frieden in der Familie.

Für die Illusion, dass sich alles regeln würde.

— Nein, — sagte sie ruhig.

— Was — nein?

— Ich werde deinen Bedingungen nicht zustimmen.

— Ich habe die Scheidung eingereicht.

— Alles wird vor Gericht geteilt.

Glebs Gesicht lief rot an.

— Bist du völlig verrückt geworden?!

— Ich mache dir doch ein menschliches Angebot!

— Das ist nicht menschlich, Gleb.

— Das ist unverschämt. — Inga stand auf.

— Und ja, ich weiß von dem zweiten Konto.

— Das, das du letztes Jahr auf deine Mutter eröffnet hast.

— Du hast 1,5 Millionen dorthin überwiesen.

Er wurde blass.

— Woher…

— Egal.

— Wichtig ist, dass dieses Geld ebenfalls gemeinsames Vermögen ist.

— Und auch dieses wird geteilt.

Der Prozess begann im November.

Ein graues Gebäude am Stadtrand, Flure mit abgeblätterter Farbe, Geruch nach Amtsstube.

Gleb brachte seinen Anwalt mit — ein junger, selbstbewusster Mann in teurem Anzug.

Inga kam mit Eva Borisovna.

Die erste Sitzung verlief formal.

Einführend.

Aber Inga sah — Gleb war nervös.

Er rechnete eindeutig damit, dass sie aufgeben, Angst bekommen und seinen Bedingungen zustimmen würde.

Nach dem Prozess schlug Eva Borisovna vor, ins Café gegenüber zu gehen.

— Wir haben eine starke Position, — sagte sie und schenkte Tee ein.

— Besonders angesichts der Tatsache, dass Sie Ihre Arbeit und Ihren Beitrag zum Budget dokumentarisch belegt haben.

— Plus diese Überweisungen auf das Konto der Mutter — ein klarer Versuch, Vermögen zu verbergen.

— Und die Wohnung? — Inga umklammerte die warme Tasse mit den Händen.

— Kann man die verlieren?

— Nein.

— Im schlimmsten Fall — das Gericht wird ihn zwingen, Ihnen die Hälfte des Wertes zu zahlen.

— Meistens wird es in natura geteilt — verkauft und das Geld geteilt.

Inga nickte.

Das Haus…

Ihr Haus, in dem die Kinder geboren wurden, in dem Geburtstage gefeiert wurden, in dem sie Tapeten klebte, Vorhänge auswählte, Blumen auf dem Balkon pflanzte.

Jetzt sind es einfach nur Quadratmeter, die geteilt werden müssen.

Gleb begann den Krieg.

Er rief die Kinder an, beklagte sich, dass seine Mutter „abzockt“.

Er erzählte Bekannten, wie „gierig und böse“ Inga sei.

Er legte eine Seite über sie in sozialen Netzwerken an, auf der er Gemeinheiten schrieb.

Der Sohn schwieg.

Die Tochter rief an:

— Mama, was passiert da bei euch?

— Papa sagt…

— Papa sagt, was ihm gerade passt, Nastja. — Inga ging nicht ins Detail.

— Alles wird vor Gericht entschieden.

— Aber er wird dich doch nicht rausschmeißen…

— Genau das hatte er vor.

Stille am Telefon.

Dann leise:

— Mama, wenn du Hilfe brauchst…

— Danke, Liebling.

— Ich schaffe das.

Und sie schaffte es.

Sie ging zur Arbeit, sammelte Dokumente, traf sich mit dem Anwalt.

Abends saß sie in der leeren Wohnung — Gleb war zu seiner Rothaarigen gezogen — und trank Tee am Fenster.

Sie sah auf die Stadt, auf die Lichter, auf das Leben, das seinen eigenen Weg ging, ohne auf fremde Dramen zu achten.

Die zweite Sitzung war hitzig.

Glebs Anwalt legte die Version vor, dass Inga „nicht in die Familie investiert habe“, dass „alles der Mann verdient habe“, dass sie „auf seinem Rücken lebte“.

Eva Borisovna widerlegte systematisch jedes Argument und legte Belege, Auszüge und Zeugenaussagen vor.

— Ihre Mandantin hat dreißig Jahre gearbeitet, — sagte sie sachlich.

— Ihr Gehalt war vergleichbar mit dem Einkommen des Ehemanns.

— Sie bezahlte Lebensmittel, Kleidung für die Kinder, Nebenkosten.

— Das ist dokumentarisch belegt.

Gleb rutschte auf dem Stuhl unruhig hin und her.

Die Rothaarige saß im Saal und unterstützte ihn mit Blicken.

Inga sah sie — schlank, auffällig, mit provokativem Nagellack.

Das Mädchen spielte erwachsene Spiele.

Der Richter ordnete eine Pause bis zur nächsten Woche an.

Draußen packte Gleb Inga am Ellbogen:

— Hör auf.

— Es reicht jetzt!

— Du bringst mich ruiniert um!

Sie befreite sich.

— Du ruinierst dich selbst.

— Ich will nur, was ich verdient habe.

— Verdient! — Er grinste böse.

— Du hast in meiner Wohnung gelebt, bist mit meinem Auto gefahren…

— Unserem, Gleb.

— Das nennt man „unser“.

— Hast du das Wort vergessen?

Er trat näher, sich über sie beugend.

— Du wirst es bereuen…

— Du hast es schon bereut, — antwortete Inga ruhig.

— Du weißt es nur noch nicht.

Die dritte Sitzung war entscheidend.

Der Richter verkündete das Urteil: Wohnung und Auto gehen in das gemeinsame Vermögen und werden zu gleichen Teilen geteilt.

Die Einlagen — ebenfalls.

Das auf Glebs Mutter ausgestellte Konto wurde als Versuch, Vermögen zu verbergen, anerkannt; auch das Geld wird geteilt.

Gleb wurde purpurrot.

— Das ist ungerecht!

— Das ist das Gesetz, — schnitt der Richterin ihm das Wort ab.

Nach dem Gerichtsbeschluss wurde die Wohnung verkauft.

Gleb hätte Ingas Anteil zurückkaufen können, aber er hatte kein Geld dafür — die Hälfte des „versteckten“ Geldes ging ebenfalls an die Exfrau.

Inga erhielt ihren Anteil in bar.

Sie kaufte eine Zweizimmerwohnung im Südwesten.

Klein, aber ihre eigene.

Völlig ihre eigene.

Ein Jahr verging.

Inga stand am Fenster ihrer neuen Wohnung — ohne Gleb, ohne seine Sachen, ohne seine Anwesenheit.

Draußen fiel Schnee.

Ebenso nass, wie im Oktober.

Das Telefon vibrierte.

Eine Nachricht von Nastja: „Mama, Papa und diese Frau… haben sich getrennt.

Er sagt, sie habe ihn „ausgenutzt“.

Stell dir vor?“

Inga schmunzelte.

Sie stellte es sich vor.

Oh ja, sie stellte es sich vor.

Sie schenkte sich Wein ein, setzte sich in den Sessel am Fenster.

Die Stadt funkelte im Lichterglanz.

Unten eilten die Menschen — jeder mit seinen Freuden und Sorgen, Siegen und Niederlagen.

Und sie saß in ihrer Wohnung.

Allein, aber nicht einsam.

Frei.

Und glücklich.