— Wie kannst du es wagen, besser zu leben als mein Sohn?! — kreischte die Schwiegermutter und verlangte meine Prämie, um die Schulden ihrer faulen Tochter zu bezahlen.

Der Morgen begann damit, dass Sergejs Wasserkocher wieder einmal kaputtging.

Genauer gesagt war er nicht einfach kaputtgegangen, sondern durchgebrannt, weil Serjoscha es tatsächlich geschafft hatte, ihn auf den Herd zu stellen.

Ja, einen elektrischen Wasserkocher.

Und ja, wir sprechen hier von einem dreißigjährigen Mann mit zwei Hochschulabschlüssen.

— Und was machen wir jetzt? — brummte er und kratzte sich schuldbewusst am Hinterkopf, während Tatjana den Wunsch unterdrückte, ihm etwas Tödliches an den Kopf zu werfen.

— Dann kaufen wir eben einen neuen, warum regst du dich auf …

— Natürlich kaufen wir einen neuen.

— Wie immer von meinem Geld, — erwiderte Tatjana und schlug die Schranktür etwas lauter zu als nötig.

So sah übrigens ihr Familienalltag aus.

Eine gemietete Wohnung in einem Plattenbau, Katzengeruch im Treppenhaus und ständig renovierende Nachbarn.

Sergejs Gehalt war bestenfalls durchschnittlich, während Tatjana es vor Kurzem glücklicherweise geschafft hatte, beruflich aufzusteigen.

Sie hatte eine Stelle in einer Firma bekommen, die gut bezahlte und sogar Prämien auszahlte.

Doch ihre Freude hielt nicht lange an, denn mit dem Geld kamen auch neue „familiäre Verpflichtungen“.

Am Abend desselben Tages erschien Galina Iwanowna, ihre Schwiegermutter.

Sie trug einen Mantel aus dem vergangenen Jahrhundert, machte jedoch ein Gesicht, als wäre sie die Direktorin einer Bank.

Kaum hatte sie die Wohnung betreten, begann sie:

— Ach, Tanechka, warum ist es in deinem Flur so schmutzig?

— Gehst du hier wenigstens manchmal mit einem Lappen durch? — fragte sie mit hochgezogenen Augenbrauen, während sie ihre Stiefel auszog und laut schnaufte.

Tatjana lächelte so angestrengt, dass ihre Wange zu krampfen begann.

Sie antwortete möglichst neutral:

— Wir haben erst gestern geputzt.

— Vielleicht lässt Ihr Sehvermögen Sie im Stich.

Sergej tat wie immer so, als hätte er nichts gehört.

Männer sind wahre Meister dieser Kunst.

Sie richten den Blick auf den Fernseher, und schon scheint es, als befänden sie sich auf einem anderen Planeten.

Doch heute war Galina Iwanowna nicht einfach gekommen, um „nachzusehen, wie die Kinder leben“.

Sie hatte eine Mission.

— Mein Sohn, warum sitzt du nur herum?

— Setz doch den Tee auf.

— Ach ja, der Wasserkocher … — sagte sie und warf sofort einen Blick auf die geschmolzene Leiche auf dem Herd.

— Ich wusste doch, dass es mit deinen Händen irgendwann Probleme geben würde.

Sergej zuckte verlegen mit den Schultern.

Tatjana kochte innerlich vor Wut, schwieg jedoch.

— Also gut, Kinder, — begann die Schwiegermutter und machte es sich im Sessel bequem.

— Wir haben ein Anliegen.

— Lenotschka, — damit meinte sie ihre jüngere Tochter und Sergejs Schwester, — möchte ans Meer fahren.

— Das Mädchen ist fünfundzwanzig Jahre alt, sie ist müde und braucht Erholung.

— Im Moment ist es bei ihr finanziell etwas schwierig.

— Ihr versteht doch …

Tatjana erstarrte mit einer Tasse in den Händen.

Zunächst verstand sie überhaupt nicht, worauf Galina Iwanowna hinauswollte.

— Warten Sie, — sagte sie vorsichtig.

— Schlagen Sie uns ernsthaft vor, Lenas Urlaub zu bezahlen?

— Was ist denn dabei? — fragte die Schwiegermutter überrascht, als ginge es um eine Packung Milch.

— Ihr verdient doch jetzt gut, Tanjuscha.

— Ich freue mich wirklich für euch.

— Aber wir sind doch eine Familie!

— Wir müssen einander helfen.

Tatjana biss die Zähne zusammen.

„Familie“, natürlich.

Dieselbe Familie, die sie vor zwei Jahren noch als „Schmarotzerin“ bezeichnet hatte, weil sie studierte und nur wenig Geld verdiente.

Und jetzt hieß es plötzlich: „Wir gehören alle zusammen.“

— Mama, vielleicht könnte Lenka selbst arbeiten und Geld verdienen? — warf Sergej vorsichtig ein, jedoch viel zu leise.

— Bist du verrückt geworden?

— Sie ist doch ein Mädchen!

— Du bist ihr Bruder und verpflichtet, sie zu unterstützen! — erklang Galina Iwanownas schrille Stimme.

— Oder ist deine Frau dagegen?

Alle Blicke richteten sich auf Tatjana.

In diesem Moment spürte sie, wie in ihrem Inneren etwas einrastete.

— Was habe ich damit zu tun? — fragte sie, ohne die Stimme zu erheben.

— Das sind Ihre Familienangelegenheiten.

— Aber ich werde keine erwachsene Frau finanzieren, die selbst nicht arbeiten gehen will.

Eine Pause trat ein.

In der Luft lag der Geruch eines herannahenden Gewitters.

— Also ist das deine Einstellung, — sagte die Schwiegermutter langsam und legte die Hände auf ihre Knie.

— Ich dachte, wir hätten dich wie eine eigene Tochter aufgenommen.

— Und du …

— Du sitzt auf deinem Geld und bist geizig!

— Das ist eine Schande!

Tatjana begann zu lachen.

Sie hielt es wirklich nicht mehr aus.

Ihr Lachen klang scharf und beinahe hysterisch.

— Wie eine eigene Tochter?

— Vom ersten Tag an haben Sie nur an mir herumgenörgelt!

— Alles war falsch.

— Ich koche schlecht, ich kleide mich „nicht familiengerecht“, und angeblich habe ich meinen Mann „seiner Familie weggenommen“.

— Und jetzt soll ich auch noch einen Urlaub finanzieren?

— Nein, danke.

Sergej zuckte zusammen, als wollte er zwischen die beiden treten, doch er schaffte es nicht rechtzeitig.

— Wage es nicht, so mit mir zu reden! — rief Galina Iwanowna und sprang auf.

— Ich bin die Mutter deines Mannes!

— Und was soll das bedeuten? — Tatjana stand ebenfalls auf.

Ihre Stimme zitterte, doch sie wich nicht zurück.

— Die Mutter meines Mannes zu sein bedeutet nicht, dass Sie über mein Leben und meinen Geldbeutel bestimmen dürfen!

Sergej schlug mit den Handflächen auf seine Knie.

— Schluss jetzt! — brüllte er überraschend laut.

— Mama, du gehst zu weit.

— Tanja hat recht.

— Lena ist erwachsen und soll ihre Probleme selbst lösen.

Stille.

Die Schwiegermutter sah ihren Sohn an, als hätte er gerade seinen Verrat gestanden.

— Verstehe, — presste sie hervor.

— Deine Frau wickelt dich also um den Finger, wie es ihr gefällt.

— Ich habe keinen Sohn, sondern einen Waschlappen.

— Und du, Tanja … — sie zeigte mit dem Finger auf sie.

— Du wirst das noch bereuen.

Sie schlug die Tür so heftig zu, dass im Flur Putz von der Decke rieselte.

Tatjana ließ sich langsam auf das Sofa sinken.

Ihr Herz raste, und ihre Handflächen waren feucht.

— Na dann, herzlichen Glückwunsch, — atmete sie aus.

— Der erste große Familienkrieg ist hiermit erklärt.

Sergej setzte sich schweigend neben sie und zündete sich eine Zigarette an, obwohl er normalerweise nicht in der Wohnung rauchte.

Am nächsten Tag kam Tatjana von der Arbeit nach Hause und spürte sofort, dass etwas nicht stimmte.

In der Wohnung herrschte Totenstille.

Nicht einmal der Fernseher lief, obwohl Serjoscha normalerweise stundenlang vor „Match TV“ saß.

Im Flur stand wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein Koffer.

Ihr Koffer.

Der graue Koffer mit dem kaputten Reißverschluss, aus dem der Ärmel einer ihrer Blusen herausragte.

— Was soll das sein? — fragte Tatjana, ohne ihren Mantel auszuziehen.

Galina Iwanowna kam aus dem Zimmer.

Ja, schon wieder sie.

Es war beinahe so, als hätte sie einen Schlüssel.

Und tatsächlich hatte sie einen, denn Sergej hatte ihr vor einiger Zeit naiv einen „für alle Fälle“ gegeben.

— Das hier, Tanjuscha, — sagte sie mit zuckersüßer Stimme, — sind deine Sachen.

— Serjoschenka und ich haben beschlossen, dass du etwas nachdenken solltest.

— Dich ein wenig erholen, sozusagen.

Tatjana wurde schwindelig.

— Hast du überhaupt noch alle Tassen im Schrank? — fragte sie und stützte sich an der Wand ab.

— Das ist meine Wohnung!

— Gut, sie gehört mir nicht, aber ich bezahle die Miete!

Sergej saß auf dem Sofa, sein Gesicht war grau wie ein Bettlaken.

— Tanja, versteh das nicht falsch …

— Mama macht sich einfach Sorgen …

— Sorgen?! — Tatjana riss ihren Mantel herunter und schleuderte ihn auf den Boden.

— Was soll dieser Zirkus?!

— Schrei nicht, — sagte er und verzog das Gesicht.

— Ich werde schreien! — rief Tatjana.

Sie ging zum Koffer und trat mit der Spitze ihres Stiefels heftig dagegen.

— Hast du meine Sachen eingepackt, Mütterchen?

— Ja, — antwortete die Schwiegermutter ruhig und richtete ihren Kragen.

— Ich bin eine tüchtige Frau und war schnell fertig.

— Bei dir lag natürlich alles durcheinander, aber das ist jetzt nicht mehr mein Problem.

— O Gott, — sagte Tatjana und begann zu lachen.

Ihr Lachen klang so schrill, dass ihr selbst die Zähne wehtaten.

— Glauben Sie wirklich ernsthaft, dass ich gehen werde?

— Was willst du denn sonst tun? — Die Lippen der Schwiegermutter verzogen sich zu einem verächtlichen Lächeln.

— Du hast hier nichts.

— Keine eigene Wohnung und bald auch keinen Mann mehr, falls er endlich seinen Verstand einschaltet.

— Dein ganzes Glück hängt an einem seidenen Faden.

Sergej sprang auf.

— Mama, hör auf!

— Schweig! — brüllte sie.

— Ohne mich wärst du als Kind zugrunde gegangen!

— Ich habe dich großgezogen und auf die Beine gestellt, und jetzt kommandiert diese … diese unverschämte Frau hier herum!

Tatjana stand da und zitterte am ganzen Körper.

In ihrer Brust brodelte etwas Furchteinflößendes.

— Hör mir gut zu, — sagte sie schließlich langsam, als müsste sie um jedes einzelne Wort kämpfen.

— Ich bin keine unverschämte Frau.

— Ich bin die Ehefrau deines Sohnes.

— Und falls du meine Sachen noch einmal anfasst, erstatte ich Anzeige bei der Polizei.

— Ist dir der Straftatbestand der eigenmächtigen Handlung bekannt?

Galina Iwanowna wich zurück, fasste sich jedoch schnell wieder.

— Du bist eine unverschämte Person!

— Drohst du mir etwa?

— Ja, ich drohe Ihnen, — antwortete Tatjana deutlich.

— Und das ist noch milde ausgedrückt.

Es folgte eine lange Pause.

Man hörte, wie bei den Nachbarn hinter der Wand eine Bohrmaschine arbeitete.

Sergejs Blick sprang zwischen seiner Mutter und seiner Frau hin und her.

Schließlich packte er den Koffer und schob ihn zurück in die Ecke.

— Schluss jetzt.

— Mama, geh nach Hause.

— Was?! — Sie schnappte nach Luft.

— Du wirfst mich hinaus?

— Deine eigene Mutter?

— Ja, — sagte er leise, aber bestimmt.

— Geh, solange wir noch vernünftig miteinander reden.

Die Schwiegermutter wurde blass.

— Ich habe alles verstanden.

— Sie hat dich verhext.

— Sie hat dich gegen deine Familie aufgehetzt.

— Aber keine Sorge, mein Sohn.

— Alles kommt wie ein Bumerang zurück.

Dann ging sie und schlug laut die Tür hinter sich zu.

Tatjana setzte sich auf das Sofa und bedeckte ihr Gesicht mit den Händen.

— Ich kann es nicht glauben … — flüsterte sie.

— Das ist doch ein Irrenhaus.

Sergej kam zu ihr und setzte sich neben sie.

— Tanja, verzeih mir.

— Ich bin selbst schuld.

— Ich hätte ihr den Schlüssel nicht geben dürfen.

— Verstehst du überhaupt, dass sie mich wirklich hinauswerfen wollte?! — Tatjana nahm die Hände vom Gesicht und sah ihn an.

— Du hast das gesehen, oder?

— Hast du verstanden, dass ich in ihren Augen überhaupt niemand bin?

— Ich habe es verstanden, — sagte er müde.

— Ich habe alles verstanden.

Sie saßen schweigend da.

Tatjanas Finger zitterten, und um ihre Hände irgendwie zu beschäftigen, nahm sie ihr Telefon heraus.

Darauf waren bereits fünf verpasste Anrufe von Lena.

Sie rief zurück.

— Tanja, du bist wirklich unglaublich! — Lenas Stimme klang schrill und künstlich beleidigt.

— Mama ist völlig aufgelöst und weint!

— Du hast sie hinausgeworfen!

— Hast du überhaupt ein Gewissen?

— Lenotschka, — sagte Tatjana so zuckersüß, dass sie selbst am liebsten ausgespuckt hätte.

— Das Gewissen wird in Ihrer Familie wahrscheinlich vererbt.

— Nur bei mir ist es offenbar nicht angekommen.

— Ach, so ist das also?! — kreischte Lena.

— Ohne uns bist du niemand!

— Eine graue Maus, die auf unserem Geld sitzt!

— Auf eurem Geld?! — Tatjana ließ beinahe das Telefon fallen.

— Ihr veranstaltet diesen ganzen Zirkus mit meinem Geld!

— Wir werden schon noch sehen, wer von wessen Geld lebt, — sagte Lena kalt und legte auf.

Tatjana warf das Telefon auf das Sofa.

— Das reicht, Serjoscha.

— Ich kann so nicht mehr weiterleben.

— Entweder wir ziehen jetzt einen Schlussstrich und leben unser eigenes Leben, oder ich packe selbst meinen Koffer und gehe.

Sergej hob den Kopf.

In seinen Augen blitzte etwas Neues auf.

War es Entschlossenheit?

— Geh nicht, — sagte er leise.

— Ich werde selbst einen Schlussstrich ziehen.

In diesem Moment glaubte Tatjana zum ersten Mal daran, dass er vielleicht tatsächlich zu mehr fähig war, als nur vor dem Fernseher zu sitzen.

Eine Woche verging in verhältnismäßiger Ruhe.

Das Telefon schwieg, niemand versuchte, die Tür einzutreten, und sogar die Nachbarn bemerkten es.

— Deine Mutter ist irgendwie verschwunden, — bemerkte Onkel Slawa aus der dritten Wohnung grinsend, während er im Treppenhaus rauchte.

Tatjana freute sich über diese Ruhe, verstand jedoch, dass der Sturm noch bevorstand.

In solchen Familien läuft es immer gleich ab.

Zuerst herrscht Waffenstillstand, und dann folgt der nächste Schlag.

Am Freitagabend, als sie gerade ihre hohen Schuhe ausgezogen hatte und von einer Dusche träumte, zerriss das Klingeln an der Tür die Stille.

Sergej öffnete und erstarrte.

Lena stand vor der Tür.

Sie trug eine kurze Daunenjacke, knallroten Lippenstift und einen Gesichtsausdruck, als wäre sie gekommen, um ein Urteil zu verkünden.

Hinter ihr stand ihre Mutter, ganz in Trauer gekleidet, mit schwarzem Mantel und kummervollem Gesicht.

— Na, wollen wir reden? — fragte Lena gelangweilt und trat über die Schwelle.

Tatjana kam in den Flur.

— Reden Sie.

— Mama und ich haben nachgedacht, — begann Lena und strich sich durch die Haare.

— Wenn du schon so reich und unabhängig bist, könntest du vielleicht etwas abgeben.

— Wenigstens Mama.

— Sie hat es verdient!

— Sie hat ihr ganzes Leben für dich geopfert, und du …

— Für mich hat sie ihr Leben geopfert? — Tatjana kniff die Augen zusammen.

— Soweit ich weiß, bin ich eine Fremde.

— Du bist keine Fremde! — mischte sich Galina Iwanowna ein.

— Du bist uns etwas schuldig.

— Du gehörst zu unserer Familie und musst uns deshalb helfen.

— Ich bin Ihnen etwas schuldig?! — Tatjana erhob die Stimme.

— Ich bin nur verpflichtet, meine Steuern zu bezahlen und meine Hypothek abzubezahlen.

— Das ist alles.

— Niemandem sonst schulde ich irgendetwas.

Lena verdrehte die Augen.

— Wegen Leuten wie dir zerbrechen Familien.

— Du sitzt auf deinem Geld wie eine Glucke auf ihren Eiern.

— Und Mama hat Bluthochdruck und braucht teure Medikamente.

Tatjana spürte, wie es in ihren Schläfen zu pochen begann.

— Ihr habt doch noch einen Vater, — sagte sie kühl.

— Oder ist er bei euch nur ein Möbelstück?

Lena lief rot an.

— Du Schlampe …

— Schluss jetzt! — brüllte Sergej und stellte sich zwischen sie.

— Ich habe gesagt, es gibt kein Geld mehr und keine Forderungen mehr.

— Lebt, wie ihr wollt.

— Aber lasst uns endlich in Ruhe.

Mutter und Tochter erstarrten.

— Serjoschenka, was sagst du da … — stöhnte Galina Iwanowna leise.

— Verrätst du uns?

— Nein, Mama, — sagte er mit fester Stimme.

— Ich entscheide mich nur endlich für meine Familie.

— Für Tanja.

Stille.

Eine Stille, so dick wie Gelee.

Plötzlich verlor Lena die Beherrschung.

— Damit du es weißt! — schrie sie.

— Du hast nicht einmal eine eigene Wohnung, das hier gehört alles Tanja!

— Ohne sie würdest du in einem Studentenwohnheim leben!

— Und wer wärst du dann?!

— Niemand!

Sergej schwieg.

Doch plötzlich trat Tatjana vor und sagte deutlich:

— Es ist besser, „niemand“ zu sein, als ständig anderen auf der Tasche zu liegen.

Das war ein Volltreffer.

Die Schwiegermutter zuckte zusammen, und Lena biss sich auf die Lippe.

Sie drehten sich um und gingen.

Ohne Hysterie und ohne die Tür zuzuschlagen.

Einfach schweigend.

Als die Tür hinter ihnen zufiel, hatte Tatjana das Gefühl, zum ersten Mal seit all den Ehejahren wieder frei atmen zu können.

Sergej ließ sich auf das Sofa sinken und bedeckte sein Gesicht mit den Händen.

— Weißt du, — sagte er dumpf.

— Ich verstehe, dass es jetzt endgültig vorbei ist.

— Sie werden uns nie verzeihen.

Tatjana setzte sich neben ihn.

— Dann sollen sie uns eben nicht verzeihen.

— Dafür sind wir jetzt frei.

Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie das Gefühl, dass es die richtige Entscheidung gewesen war.

Das Ende war nicht von Tränen, sondern von Erleichterung begleitet.

Denn manchmal muss man den verfaulten Teil einer Familie wie einen Tumor herausschneiden, um zu überleben.

Andernfalls frisst er einen vollständig auf.

Ende.