Vika stopfte mit wütender Entschlossenheit Gläser mit Eingemachtem in eine Tasche.
Die Küche sah wie eine Umschlagstation aus: Auf dem Tisch stapelten sich Tüten, eine Thermoskanne und eine Reiseapotheke.

Anton stand mit vor der Brust verschränkten Armen am Türrahmen und betrachtete seine Frau mit kaum verhohlener Gereiztheit.
— Schon wieder diese Zwangsarbeit, — presste er hervor.
— Andere Leute fahren ans Meer, und ich muss wie ein Verfluchter die Beete gießen und die Mücken füttern.
Vika antwortete nicht.
Sie war daran gewöhnt, dass ihr Mann jede Fahrt zur Datscha als persönliche Beleidigung empfand.
Früher hatte sie versucht, sich zu rechtfertigen, doch inzwischen schwieg sie einfach.
Tatjana Michailowna schwebte in die Küche.
Die Schwiegermutter betrachtete die Tasche, verzog die Lippen und holte sofort ein Glas löslichen Kaffee daraus.
— Wozu brauchst du das denn?
— Auf der Datscha gibt es frische Luft und Natur, und du schleppst dieses Gift mit.
— Ich habe dir eine Kräutermischung mit Minze und Oregano eingepackt.
— Sie ist gut für den Teint und beruhigt außerdem die Nerven.
— Antoscha, nun sag du ihr doch etwas.
— Mama, lass sie in Ruhe, — brummte Anton.
— Sie soll machen, was sie will.
Doch Vika bemerkte, wie er einen Blick auf sein Mobiltelefon warf, das auf der Fensterbank lag.
Das Gerät summte, und der Bildschirm leuchtete auf.
Anton griff hastig danach, ging in den Flur und schloss die Tür fest hinter sich.
Vika wurde misstrauisch.
In den letzten Wochen hatte sich ihr Mann merkwürdig verhalten: Er kam spät nach Hause, versteckte sein Telefon, und gestern hatte sie zufällig in seiner Tasche eine Rechnung aus einem teuren Restaurant gesehen, obwohl er behauptet hatte, bei einer Besprechung gewesen zu sein.
Sie tat so, als würde sie die Tüten zurechtrücken, und näherte sich lautlos der Tür.
Durch das dünne Türblatt hörte sie seine Stimme, die zärtlich und schmeichelnd klang und seinem üblichen Ton überhaupt nicht ähnelte.
— Swetik, ich habe dich vermisst.
— Am Wochenende komme ich.
— Die Datscha wird uns ganz allein zur Verfügung stehen, und meine Mutter hilft uns.
— Die Dokumente sind fast fertig, mach dir keine Sorgen.
— Wir werden alles umschreiben lassen.
— Und was diese da betrifft … dafür finden wir eine Lösung.
— Sie ahnt überhaupt nichts.
Vika hatte das Gefühl, als würde in ihrem Inneren alles zerreißen.
Sie wich von der Tür zurück und kehrte mit weichen Knien zum Tisch zurück.
Ihr Herz schlug so heftig, dass sie es in den Ohren spürte.
Eine Minute später kam Anton in die Küche zurück und lächelte aus einem Mundwinkel.
— Die haben von der Arbeit angerufen, es gibt Probleme mit den Abrechnungen, — warf er beiläufig hin.
— Verstehe, — antwortete Vika leise und begann, Handtücher zusammenzulegen, obwohl ihre Hände zitterten.
Sie schlief die ganze Nacht nicht.
Immer wieder gingen ihr die Bruchstücke des belauschten Gesprächs durch den Kopf: „Swetik“, „umschreiben lassen“, „eine Lösung finden“.
Also hatte er eine Geliebte.
Und hinter ihrem Rücken wurde offenbar irgendein Betrug mit der Datscha vorbereitet.
Die Schwiegermutter wusste davon und half ihnen auch noch.
Vika ballte die Fäuste.
Sie hielten sie für ein Nichts, für entbehrliches Verbrauchsmaterial.
Na schön.
Sie würden noch sehen, wer zuletzt lachte.
Am Morgen hatte Tatjana Michailowna Vika sofort am Haken, kaum dass diese die Küche betreten hatte.
— Vikulja, du bist heute so blass.
— Hast du schlecht geschlafen?
— Ich habe es wohl geahnt und dir Minze aufgebrüht.
— Trink das, dann wird dir der Wind den ganzen Unsinn aus dem Kopf blasen.
Sie reichte ihr eine Tasse mit einem trüben Aufguss.
Vika schob sie beiseite.
— Danke, ich trinke später Tee.
— Was heißt hier später?
— Trink ihn jetzt.
— Du musst an deine Gesundheit denken, schließlich hast du es noch nicht einmal richtig versucht, ein Kind zu bekommen.
— Bei so einer Einstellung wird das auch nichts.
— Antoscha ist ständig müde und braucht Ruhe, während du dauernd deinen eigenen Angelegenheiten hinterherläufst.
— Das Abendessen gestern war schon wieder versalzen.
— Eine gute Ehefrau kümmert sich um ihren Mann, statt irgendwo herumzuspringen, wo niemand weiß, was sie dort macht.
In diesem Moment kam Anton in die Küche.
Die Schwiegermutter warf ihm einen vielsagenden Blick zu.
— Antosch, sieh sie dir nur an.
— Sie kippt literweise diesen widerlichen Kaffee in sich hinein und beschwert sich anschließend über ihr Herz.
— Sie könnte wenigstens einmal an die Familie denken.
— Mama, jetzt reicht es aber, — sagte Anton und gähnte.
— Vika bemüht sich doch, das sehe ich.
— Sie bemüht sich?
— Ach, bring mich nicht zum Lachen.
— Solche Frauen stellen ihre Bemühungen nur zur Schau.
— Eine echte Frau erledigt ihre Aufgaben still und liest ihrem Mann jeden Wunsch von den Lippen ab.
Vika biss die Zähne zusammen.
Ihre Schwiegermutter testete offensichtlich ihre Grenzen und prüfte, wie viele Beleidigungen sie bereit war hinunterzuschlucken.
In ihren Augen war jedoch noch etwas anderes zu erkennen: etwas Kaltes und Berechnendes.
Sie wusste Bescheid.
Sie wusste ganz genau von den Plänen ihres Sohnes und freute sich bereits auf den Ausgang der Sache.
Als Anton unter die Dusche ging, nahm Vika ihr Mobiltelefon und rief Oksana an.
Oksana arbeitete in derselben Firma wie Anton in der Buchhaltung und war außergewöhnlich gut über die Geheimnisse anderer Menschen informiert.
Sie empfand warme Sympathie für Vika, weil sie selbst einst einen Verrat erlebt hatte.
— Ksjuscha, hallo.
— Hör mal, bei Anton gibt es doch diese neue Juristin, Sweta.
— Weißt du zufällig, womit sie sich beschäftigt?
— Ich möchte meinem Mann eine Überraschung machen und etwas Schönes mit der Datscha organisieren, deshalb erkundige ich mich ein wenig.
Am anderen Ende der Leitung herrschte einen Moment lang Schweigen.
— Vik, meinst du das ernst, oder tust du nur so? — Oksanas Stimme wurde leiser.
— Diese Sweta ist eine richtige Schlange.
— Bei uns ist sie offiziell als Beraterin angestellt, aber in Wirklichkeit hat sie etwas mit deinem Anton.
— Ich dachte, du wüsstest davon.
— Sie sind schon seit einem Monat zusammen.
— Außerdem bereitet sie Dokumente für Immobiliengeschäfte vor.
— Ich habe zufällig mitgehört, wie sie über die Datscha, eine lächerlich niedrige Bewertung und die Übertragung auf irgendeine Anjuta gesprochen haben.
— Das ist eine undurchsichtige Sache, Vik.
— Du solltest vorsichtig sein.
Vika stockte der Atem.
Sie bedankte sich bei Oksana und beendete das Gespräch.
Nun fügte sich das Bild endgültig zusammen.
Sie wollten sie hinauswerfen und ihr die Datscha und das Geld wegnehmen, bis sie zerstört und gedemütigt zurückblieb.
Dafür hatten sie eine Juristin hinzugezogen, die gleichzeitig Antons Geliebte war.
Die Schwiegermutter Tatjana Michailowna segnete das Ganze ab und deckte sie.
Na schön, wenn sie Krieg wollten, sollten sie Krieg bekommen.
Am Tag der Abfahrt zur Datscha hatte Vika ein steinernes Gesicht und einen festen Plan.
Als Erstes musste sie ihre Feinde in Sicherheit wiegen.
Sie stand um fünf Uhr morgens auf.
Sie kochte Anton Kaffee im Kännchen, bereitete Rührei mit Tomaten zu und schnitt frisches Brot auf.
Für ihre Schwiegermutter brühte sie eine Kräutermischung in einer Porzellankanne auf, die sie am Vortag eigens für diesen Anlass gekauft hatte, und servierte sie ihr mit einer kleinen Verbeugung.
— Tatjana Michailowna, ich habe Ihre Wünsche berücksichtigt.
— Hier, probieren Sie einmal.
— Ich war in der Apotheke, und die Apothekerin sagte, diese Mischung sei die beste, beruhige und schenke neue Kraft.
Die Schwiegermutter war verblüfft.
Sie hatte mit dem üblichen stillen Widerstand gerechnet, nicht mit einer solchen Unterwürfigkeit.
Misstrauisch roch sie an dem Tee.
— Woher kommt diese plötzliche Veränderung? — fragte sie.
— Ich möchte einfach nur, dass in unserer Familie Frieden herrscht, — sagte Vika mit gesenktem Blick.
— Ich verstehe, dass ich keine besonders gute Ehefrau gewesen bin.
— Ich möchte mich bessern.
Anton, der mit nassen Haaren in die Küche kam, betrachtete sie leicht verwundert.
— Sieh einer an.
— Vielleicht ist sie tatsächlich endlich zur Vernunft gekommen, — sagte er spöttisch.
— Natürlich bin ich zur Vernunft gekommen, — bestätigte Vika und schob ihm den Teller hin.
— Iss.
— Ich habe übrigens frische Bettwäsche aufgezogen und eine Decke ins Auto gelegt, damit du bequemer sitzt.
— Beim letzten Mal hast du dich doch darüber beschwert, dass der Sitz so hart ist.
Anton wechselte einen Blick mit seiner Mutter.
In seinen Augen blitzte Erleichterung auf.
Er glaubte, seine Frau sei gebrochen, habe ihre Bedeutungslosigkeit erkannt und werde von nun an gehorsam sein.
Auch Tatjana Michailowna entspannte sich und gönnte sich sogar ein herablassendes Lächeln.
— Na also, warum denn nicht gleich so?
— Vielleicht wird jetzt doch noch alles gut.
Vika setzte ein dankbares Lächeln auf und stellte innerlich fest, dass ihre Zielpersonen bereit waren.
Sie hatten ihre Vorstellung geglaubt.
Nun musste sie unwiderlegbare Beweise beschaffen.
Während der gesamten Autofahrt sprach die Schwiegermutter darüber, dass die Datscha fürsorgliche Hände benötige, der Zaun schief stehe und der Pavillon neu gestrichen werden müsse.
Anton stimmte ihr zu und warf Vika gelegentlich prüfende Blicke zu.
Vika saß auf dem Rücksitz, sah aus dem Fenster und schwieg.
In Gedanken ging sie das bevorstehende Gespräch mit dem Nachbarn immer wieder durch.
Sie erinnerte sich daran, dass auf dem Nachbargrundstück Dmitri Sergejewitsch lebte, ein ehemaliger Ermittler.
Ein Jahr zuvor hatte er ihr Äpfel angeboten und beiläufig erwähnt, dass er dreißig Jahre lang bei den Behörden gearbeitet hatte.
Wenn ihr jemand einen vernünftigen Rat geben konnte, dann er.
Als das Auto vor dem Datschenhaus hielt, stieg Vika als Erste aus.
Während Anton und seine Mutter den Kofferraum ausluden, erklärte sie, dass sie sich etwas die Beine vertreten wolle, und ging zum Nachbarzaun.
Dmitri Sergejewitsch band gerade einen Johannisbeerstrauch fest.
— Guten Tag! — rief Vika ihm zu.
— Ich habe Ihnen etwas zum Tee mitgebracht.
Der alte Mann richtete sich auf, rückte seine Brille zurecht und lächelte.
— Vika, meine Nachbarin.
— Lange nicht gesehen.
— Wie geht es Ihnen?
— Ehrlich gesagt nicht besonders gut, — sagte sie leise.
— Dmitri Sergejewitsch, darf ich Sie um Rat bitten?
— Ich habe ein großes Problem.
— Mein Mann und seine Geliebte, die Juristin ist, wollen die Datscha auf eine fremde Person überschreiben lassen, während ich von nichts weiß.
— Meine Schwiegermutter hilft ihnen dabei.
— Und mich wollen sie offenbar ohne einen einzigen Cent hinauswerfen.
Dmitri Sergejewitsch wurde ernst.
Er legte die Gartenschere beiseite, wischte sich die Hände an der Schürze ab und trat näher an den Zaun.
— Das ist eine ernste Angelegenheit.
— Erzählen Sie mir alles der Reihe nach.
Vika beschrieb das belauschte Gespräch und erwähnte Sweta und Anjuta.
Der Nachbar hörte mit gerunzelter Stirn zu und begann anschließend langsam zu sprechen.
— Also gut.
— Die sicherste Waffe in solchen Angelegenheiten sind Beweise.
— Sie müssen ihre Gespräche aufzeichnen.
— Allerdings so, dass die Aufnahmen später als begründeter Beweis anerkannt werden können.
— Wenn Sie selbst an einem Gespräch beteiligt sind, haben Sie das volle Recht, es ohne vorherige Warnung aufzunehmen.
— Auch wenn Sie etwas mithören, ist es möglich, aber Sie müssen vorsichtig sein.
— Wichtig ist, dass Sie nichts hacken und nicht in eine fremde Wohnung eindringen.
— Sie befinden sich in Ihrem eigenen Haus, das ist Ihr rechtmäßiger Bereich.
— An Ihrer Stelle würde ich sie zu Offenheit provozieren.
— Tun Sie so, als wären Sie vollkommen hilflos und verloren, dann werden sie sich entspannen und in Ihrer Anwesenheit über Einzelheiten sprechen.
— Währenddessen schalten Sie die Aufnahmefunktion Ihres Telefons ein.
— Schicken Sie die Datei danach sofort an Ihre eigene E-Mail-Adresse, damit sie an mehreren Orten gespeichert ist.
— Ist das denn legal? — fragte Vika.
— In Ihrem Fall ist es vollkommen legal.
— Gerichte akzeptieren Tonaufnahmen als Beweismittel, sofern sie nicht durch eine Verletzung des Brief- oder Kommunikationsgeheimnisses erlangt wurden.
— Sie nehmen lediglich das auf, was Sie mit Ihren eigenen Ohren in Ihrem eigenen Haus hören.
— Daran ist nichts kriminell.
— Nur Mut.
— Und falls etwas sein sollte, bin ich in der Nähe.
— Vielleicht wird ja ein Zeuge benötigt.
Vika bedankte sich und kehrte auf ihr Grundstück zurück.
In ihr breitete sich eine ruhige, kalte Entschlossenheit aus.
Sie wusste, was sie zu tun hatte.
Bis zum Abend spielte sie die gastfreundliche Hausherrin: Sie half ihrer Schwiegermutter auf der Veranda beim Sortieren von Getreide, jätete Unkraut im Garten und stellte das Geschirr auf.
Anton lag in der Hängematte und trank träge sein Bier.
Als Tatjana Michailowna sah, wie fügsam Vika geworden war, wurde sie immer gesprächiger und unvorsichtiger.
Kurz vor Sonnenuntergang bemerkte Vika, wie ihre Schwiegermutter das Mobiltelefon nahm und zum anderen Ende der Veranda ging.
Sie sprach leise, doch Vika, die angeblich gerade einen Schrank aufräumte, öffnete das Fenster einen Spalt und schaltete die Aufnahmefunktion ihres Telefons ein.
Aus dem Lautsprecher drangen die Worte:
— Swetotschka, ich bin es.
— Ja, wir sind angekommen.
— Sind die Dokumente fertig?
— Ausgezeichnet.
— Setzen Sie ein rückwirkendes Datum ein, als wäre die Schenkungsurkunde bereits vor einem Monat ausgestellt worden.
— Antoscha sagte, Vika sei inzwischen völlig willenlos geworden.
— Übermorgen werden wir ihr beim Familienessen alles mitteilen.
— Wir werden ihr sagen, dass die Datscha an Anjuta, die Tochter meiner Freundin, geht, weil sie keine richtige Hausherrin ist.
— Gleichzeitig reichen wir die Scheidung ein.
— Setz den Wert nicht zu hoch an, lass die Summe lächerlich niedrig sein, damit sie überhaupt nichts bekommt.
— Ja, gut, ich küsse dich.
Eine Minute später kam Anton auf die Veranda.
— Na, Mama, hast du alles besprochen?
— Ja, mein Sohn.
— Sweta ist ein kluges Mädchen und wird alles erledigen.
— Morgen machen wir der Sache ein Ende.
— Hervorragend.
— Sie geht mir schon dermaßen auf die Nerven.
— Soll sie doch verschwinden.
Vika beendete die Aufnahme.
Ihre Hände zitterten gleichzeitig vor Wut und Triumph.
Sie schickte die Datei sofort an ihre geschützte E-Mail-Adresse und sandte eine zweite Kopie an Oksana mit der Bitte, sie wie ihren Augapfel zu hüten.
Der nächste Tag zog sich quälend langsam hin.
Vika spielte weiterhin die gehorsame Närrin, was ihr zunehmend schwerfiel.
Gegen Abend befahl Tatjana Michailowna schließlich, das Abendessen im Pavillon zu decken.
Sie selbst stellte Kerzen auf, holte eine Flasche hausgemachten Wein und zog sogar ihr gutes Kleid an.
Anton war gut gelaunt, machte Witze und schenkte seiner Frau immer wieder Wein nach.
Vika spürte die Falschheit in jedem ihrer Lächeln.
Als sie mit dem Essen fertig waren, seufzte die Schwiegermutter theatralisch und legte ihre Hand auf die ihrer Schwiegertochter.
— Vikulja, mein Kind.
— Antoscha und ich haben uns beraten und beschlossen, dass es Zeit ist, einige Dinge zu verändern.
— Euer gemeinsames Leben funktioniert nicht, das siehst du selbst.
— Du kochst nicht besonders gut, kannst keine gemütliche Atmosphäre schaffen, und Antoscha ist ständig angespannt.
— Die Datscha ist jedoch das Nest der Familie und benötigt die Hände einer guten Hausherrin.
— Ich kenne ein wunderbares Mädchen namens Anjuta, das in eine schwierige Lage geraten ist und keine Wohnung mehr hat.
— Wir haben uns für eine menschliche Lösung entschieden und wollen die Datscha auf sie überschreiben.
— Sie braucht sie dringender.
— Du bist noch jung und hast dein ganzes Leben vor dir.
— Antoscha wird dir für die erste Zeit eine kleine finanzielle Hilfe geben, und dann trennt ihr euch friedlich.
Anton nickte mit gespieltem Mitgefühl.
— Ja, Vik.
— Ich habe die Dokumente bereits vorbereitet.
— Sweta, die Juristin, hat alles fachgerecht geregelt.
— Das Geschäft ist fast abgeschlossen.
— Du musst nur deine Zustimmung zur Übertragung unterschreiben, dann trennen wir uns im Guten.
— Falls du nicht unterschreibst, regeln wir es vor Gericht, aber das wird länger dauern und schmerzhafter sein.
Vika stand schweigend auf.
Sie zog ruhig ihre Tasche unter der Bank hervor, nahm einen kleinen Laptop heraus und stellte ihn vor ihnen auf den Tisch.
— Was soll das werden? — fragte Anton mit gerunzelter Stirn.
— Willst du uns einen Film zeigen?
— Fast richtig geraten, — sagte Vika, öffnete den Laptop und drückte auf die Wiedergabetaste.
— Hört genau zu.
Aus den Lautsprechern ertönte laut und deutlich Tatjana Michailownas Stimme: „Swetotschka … die Übertragung auf Anjuta … setz ein rückwirkendes Datum ein … wir werfen sie ohne einen Cent auf die Straße …“
Anschließend war Anton zu hören: „Sie geht mir auf die Nerven … Soll sie doch verschwinden.“
Der Pavillon versank in ohrenbetäubender Stille.
Die Schwiegermutter erstarrte mit offenem Mund, und ihr zuvor rosiges Gesicht wurde grau.
Anton stieß sein Glas um, und ein dunkelroter Fleck breitete sich auf der Tischdecke aus.
— Du … du hast uns belauscht! — keuchte Tatjana Michailowna und griff sich ans Herz.
Dieses Mal wirkte die Geste nicht gespielt.
— Ich habe euch aufgenommen, — korrigierte Vika sie.
— Mein Anwalt hat diese Aufnahme bereits angehört.
— Kopien befinden sich an zwei sicheren Orten.
— Morgen reiche ich die Scheidung mit vollständiger Aufteilung des gemeinsam erworbenen Eigentums ein und erstatte bei der Polizei Anzeige wegen versuchten gemeinschaftlichen Betrugs nach vorheriger Absprache.
— Außerdem werde ich euch wegen Urkundenfälschung anzeigen.
— Dmitri Sergejewitsch, unser Nachbar und ehemaliger Ermittler, war so freundlich, mir zu erklären, wie ich die Beweise ordnungsgemäß sichern kann.
Anton sprang auf, und sein Gesicht verzerrte sich.
— Das kannst du nicht beweisen!
— Ich werde diesen Computer zerstören!
— Versuch es, — sagte Vika spöttisch.
— Dann kommt noch eine Anklage wegen Zerstörung fremden Eigentums und Druckausübung auf eine Zeugin hinzu.
— Möchtest du aus einer Bewährungsstrafe eine echte Gefängnisstrafe machen?
— Das ist deine Entscheidung.
Sie klappte den Laptop zu und ließ ihren Blick über die erstarrten Verwandten schweifen.
— Ich habe niemals eine notariell beglaubigte Zustimmung zur Übertragung der Datscha erteilt.
— Ohne sie ist eure Schenkungsurkunde nur ein wertloses Stück Papier.
— Die Datscha wurde während der Ehe gekauft, deshalb gehört sie uns beiden, und ich werde sie niemandem überlassen.
— Weder Anjuta noch Sweta noch euch.
Tatjana Michailowna begann zu jammern und rang nach Luft.
— Vikulja, mein Mädchen, wir haben doch nur gescherzt!
— Wir wollten doch nur das Beste und alles innerhalb der Familie regeln!
— Wir machen alles rückgängig, ruinier uns nicht!
— Innerhalb der Familie, — wiederholte Vika mit einem bitteren Lächeln, — bedeutet, dass man hinter dem Rücken eines anderen keine Verschwörungen plant.
— Ihr seid nicht meine Familie.
— Von diesem Moment an seid ihr für mich fremde Menschen.
Sie drehte sich um und ging zum Haus.
An der Treppe zur Veranda blieb sie stehen und wandte sich noch einmal um.
— Anton, pack deine Sachen.
— Und nimm deine liebe Mutter gleich mit.
— Die Scheidung wird schnell gehen.
— Aus der Datscha wird ein Tierheim, denn davon träume ich schon lange.
— Du hast dich übrigens immer darüber lustig gemacht.
— Das war ein Fehler.
Einen Monat später war alles genauso ausgegangen, wie sie es angekündigt hatte.
Das Gericht erkannte den Betrugsversuch an, entzog Sweta die Berechtigung zur Ausübung ihrer juristischen Tätigkeit und verurteilte Tatjana Michailowna wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe.
Anton kam mit einer hohen Geldstrafe und einem zerstörten Ruf davon.
Die Datscha ging vollständig in Vikas Besitz über.
Am ersten warmen Tag stand sie auf der Schwelle ihrer neuen Einrichtung, eines kleinen und gemütlichen Tierheims für Katzen und Hunde.
Aus den Gehegen war zufriedenes Bellen zu hören.
Jemand klopfte an das Gartentor.
Dmitri Sergejewitsch stand mit einer Schachtel in den Händen davor.
— Hier, ein Geschenk zur Einweihung.
— Ein selbst gebackener Zitronenkuchen.
Vika lachte zum ersten Mal seit langer Zeit wieder aufrichtig.
— Kommen Sie herein, Dmitri Sergejewitsch.
— Der Wasserkessel hat gerade gekocht.
Sie saßen im Pavillon, tranken Tee und beobachteten, wie die Sonne hinter den Bäumen unterging.
Irgendwo weit entfernt in der Stadt leckten Anton und seine Mutter ihre Wunden.
Doch hier, umgeben von geretteten Tieren und ihrem neuen freien Leben, spürte Vika, dass dieses Finale tatsächlich spektakulär geworden war.



