Ich eilte zu meiner Frau ins Krankenhaus, da hielt mich eine seltsame Zigeunerin auf. Sie packte meine Hand und flüsterte etwas, bei dem mir das Blut in den Adern gefror.

„Wie… Zwillinge? Ist das wahr?“ — Michael betrachtete ungläubig das Ultraschallbild, als wollte er etwas Neues darauf erkennen.

Sein Gesichtsausdruck war so komisch, dass Arina in Lachen ausbrach.

Gerade erst hatte sie ihrem Mann von der Schwangerschaft erzählt, und seine Reaktion war genau so, wie sie es erwartet hatte.

„Hier ist der Erste“, zeigte sie auf einen der kleinen Flecken, „und daneben der Zweite. Siehst du?“

„Sind es Jungs?“ — Misha zitterte vor Aufregung.

„Wie soll ich das wissen? Es ist noch zu früh!“

Beim Gedanken daran, dass sie zwei Kinder bekommen würden, stockte Michael der Atem.

So viel hatten sie durchgemacht, so lange hatten sie auf diesen Moment gewartet… und jetzt schien es fast unglaublich, dass sie Eltern werden würden.

Schon vor der Hochzeit hatten sie viel über Familie und Kinder gesprochen.

Beide waren erwachsene, selbstständige Menschen, und die Aussicht, Eltern zu werden, machte ihnen keine Angst — im Gegenteil, sie freuten sich darauf.

Arina arbeitete als Wettermoderatorin beim lokalen Fernsehen.

Selbstständig und unabhängig, fuhr sie Auto, wohnte zur Miete und kümmerte sich um ihren roten Kater namens Murzik.

Misha war erfolgreicher Jurist, besaß eine eigene Wohnung, unterstützte seine Familie und half seinem jüngeren Bruder.

Außerdem hatte er einen geliebten Hund — den lebhaften, bellfreudigen Mischling Rex.

Auf den ersten Blick waren sie völlig unterschiedlich, doch nach dem ersten Treffen entstand zwischen ihnen eine seltsame, unerklärliche Anziehungskraft.

Am erstaunlichsten war, dass ihr Kennenlernen ziemlich unerwartet begann.

An diesem Tag eilte Misha ins Gericht, steckte im Stau fest, und als der sich auflöste, fuhr ihm jemand hinten rein.

Am Steuer der Unfallverursacherin saß eine hübsche Frau.

Doch ihre Schönheit täuschte — sie fluchte so heftig, dass Misha die Ohren glühten.

Für einen Moment fühlte er sich wie ein Schuljunge, den man wegen einer vergessenen Hausaufgabe ausschimpft.

„Warum haben Sie so plötzlich gebremst?! Sehen Sie nicht, dass hinter Ihnen eine Schlange ist?“ rief sie wütend, während er seltsamerweise lächelte.

„Finden Sie das lustig?“ fauchte die Frau und blähte sich auf wie ein zorniger Spatz.

„Ich… ich habe das Auto gerade erst gekauft“, schluchzte sie plötzlich und begann zu weinen.

Die Tränen liefen lautlos über ihr Gesicht.

„Keine Sorge, die Versicherung zahlt alles. Es ist nichts Schlimmes, nur ein paar Kratzer. Aber vielleicht sollten Sie sich beruhigen. Ein Tee oder Kaffee?“

„Tee, bitte…“

„Perfekt! Dann fahren wir dorthin.“

Er deutete auf ein Café, stieg ins Auto und fuhr sie zum Tee trinken.

Am Tisch fiel ihm auf, dass die Frau ihm bekannt vorkam.

„Haben wir uns schon mal getroffen?“ fragte er vorsichtig.

Arina schnaubte, nahm eine professionelle Tonlage an und sagte: „Guten Morgen! Hier ist der Wetterbericht mit Arina…“

Misha schlug sich die Hand vor die Stirn.

„Natürlich! Jetzt weiß ich, warum Sie mir bekannt vorkommen! Übrigens: Ihr Wetterbericht hat heute gelogen! Sie haben Regen versprochen, ich hab extra einen Schirm mitgenommen — und draußen scheint die Sonne!“

„Sagen Sie nichts! Dafür bin ich nicht zuständig“, zuckte Arina mit den Schultern. „Ich lese nur vor, was man mir gibt. Ich werde Ihre Beschwerden an die Meteorologen weiterleiten.“

„Ach was, ich meine ja nur…“ stammelte er.

Sie lächelte plötzlich und zeigte aus dem Fenster.

„Da — sehen Sie. Der Regen kommt.“

Am Horizont zogen dunkle Wolken auf, schnell näherkommend.

Misha fiel wieder ein, dass er sich beeilen musste.

„Verzeihen Sie, ich muss los. Aber lassen Sie uns nochmal treffen — dann gehöre ich ganz Ihnen.“

Er legte seine Visitenkarte und Geld auf den Tisch, verabschiedete sich und rannte hinaus.

Über ihm krachte schon der erste Donner, er bedeckte den Kopf mit den Händen und sprang ins Auto.

Ein sofortiges Wiedersehen klappte nicht.

Arina hatte sich bei dem Regen erkältet und wurde krank.

Misha traute sich nicht, Hilfe anzubieten, rief aber oft an.

An ihrer Stimme hörte man, wie schlecht es ihr ging.

Schließlich nahm er allen Mut zusammen, fragte nach der Adresse und kam selbst vorbei.

Er brachte Zitronen, Orangen, Kräutertee und eine ganze Tüte Medikamente — alles, was die Apothekerin ihm geraten hatte.

„Wohnst du allein? Warum bittest du deine Eltern nicht um Hilfe?“ fragte er, als er ihre gemütliche Wohnung betrat.

Arinas Gesicht verfinsterte sich.

„Sie wohnen weit weg. Wir sehen uns selten…“

Misha fragte nicht weiter, nickte nur und reichte ihr eine Tasse Tee.

Zwei Wochen wich er nicht von ihrer Seite — kochte Tee, Suppe, kaufte Medikamente.

Und irgendwie ergab es sich, dass er, als Arina wieder gesund war, nicht mehr nach Hause ging, sondern blieb.

Nur Rex holte er dazu — der verstand sich sofort bestens mit Murzik.

Ein Jahr später tauschten sie Ringe, zogen in eine gemeinsame Wohnung und begannen, von einem Kind zu träumen.

Doch irgendetwas klappte nicht…

Monate vergingen, doch die ersehnte Schwangerschaft blieb aus.

Sie machten zahlreiche Untersuchungen, hielten sich strikt an die Empfehlungen der Ärzte — ohne Erfolg.

Die Kräfte schwanden, also beschlossen sie, vorerst aufzuhören und einfach weiterzuleben.

Und jetzt — diese Schwangerschaft! So sehr gewünscht, so unerwartet…

Misha lief förmlich auf Zehenspitzen um Arina herum, wagte kaum zu atmen.

Die Schwangerschaft war anstrengend — Zwillinge brachten alles mit: Übelkeit, Schwellungen, Dehnungsstreifen, Extra-Kilos und seltsame Essensgelüste.

Doch das störte sie nicht — sie waren glücklich und bereiteten sich voller Liebe auf die Ankunft der Babys vor.

Trotzdem nagte in Misha eine Angst, die er Arina verschwieg.

Als er auf eine Dienstreise musste, wollte er nicht weg, aber Arina bestand darauf.

„Mish, du verstehst doch — das ist deine Chance! Gewinnst du den Fall, geht deine Karriere aufwärts. Du musst fahren!“

„Aber ich will dich nicht allein lassen…“

Diese Sorge machte sie wütend.

„Ich bin schwanger, nicht hilflos! Mit mir passiert nichts. Du bist nur ein paar Tage weg. Was soll schon sein?“

Doch es kam alles auf einmal.

Zuerst ging das Auto kaputt — er musste einen Abschleppdienst rufen.

Dann stellte sich heraus, dass die Unterlagen unvollständig waren, und die Fristen verlängerten sich.

Genau da kam Arinas Nachricht: „Die Wehen haben früher begonnen. Ich bin im Krankenhaus.“

Ausgerechnet jetzt war das Auto noch in der Werkstatt, der Kunde weg, Taxi antwortete nicht.

Niemand kam.

Also musste er per Anhalter fahren.

Doch das Schicksal wollte ihn prüfen: Jeder fuhr wohin, nur nicht dahin, wo er hinmusste.

Mit Umsteigen verlor er wertvolle Zeit.

Auf einer Straße, an der niemand anhielt, winkte Misha schon hoffnungslos, als ihn plötzlich jemand an der Schulter berührte.

Er zuckte zusammen und drehte sich um.

Vor ihm stand eine Zigeunerin.

Ihr langer, bunter Rock wehte im Wind, dunkle Augen waren mit schwarzem Kajal umrandet, an Hals und Armen funkelte Gold, das Kopftuch leuchtete bunt.

Noch bevor er ein Wort sagen konnte, packte sie seine Hand, sah ihm tief in die Augen und sprach mit tiefer, rauer Stimme:

„Zu spät kommst du, Liebster… Eile nicht mehr. Du hast schon verloren, was dir am teuersten war. Strafe für deine Sünden. Vater wirst du nicht sein! Deine Söhne sind gegangen… Aber wenn du zahlst — helfe ich!“

Misha erstarrte.

Vor seinem inneren Auge tauchten Arinas Gesicht, das Ultraschallbild, Erinnerungen an seine Eltern, sein ganzes Leben auf.

Welche Söhne? Welche Sünden?

„Entschuldigen Sie, ich muss…!“ Er riss seine Hand los, sah weg und sprang in das nächste Auto, flehte den Fahrer, keine Zeit zu verlieren.

Die ganze Fahrt zum Krankenhaus schwankten seine Gedanken zwischen Angst und Zweifel.

Er wiederholte jedes Wort der Zigeunerin, bis er zitternd in der Aufnahme stand, in Angst, das Schlimmste zu hören.

„Beruhigen Sie sich, wollen Sie etwas zur Beruhigung?“ fragte die Krankenschwester mitfühlend und reichte ihm ein Glas Wasser mit einem Zusatz.

Misha trank es in einem Zug, kam etwas zu sich und bat erneut, ihn zu Arina zu bringen.

„Übrigens, Sie kommen gerade recht! Sie wollen doch bei der Geburt dabei sein? Jetzt geht es los mit dem Kaiserschnitt.“

Er atmete auf, doch sein Herz klopfte wild — wegen dieser verfluchten Zigeunerin mit ihrem Gerede!

Misha zog sich schnell um, folgte allen Anweisungen des Personals und sah endlich Arina.

Sie lächelte und wirkte ruhig.

„Die Kleinen wollten früher kommen, aber die Ärzte sagen — alles unter Kontrolle“, sagte sie leise, doch er spürte immer noch eine innere Anspannung.

Doch als man ihm zwei winzige, warme, schreiende neugeborene Mädchen in den Arm legte, fühlte er, wie sein Herz von Wärme und Glück erfüllt wurde.

„Herzlichen Glückwunsch, Papa! Die Mädchen sind gesund und kräftig! Wie sollen sie heißen?“

Er konnte nicht antworten — Worte blieben ihm im Hals stecken vor lauter Rührung.

Er drückte seine Töchter an sich, lächelte seinen Ängsten zu.

Wie konnte er dieser Betrügerin glauben?!

Sie redete von Söhnen — dabei hat er zwei Töchter!

Alles ist gut, alles ist richtig.

Die Zigeunerin soll bleiben, wo der Pfeffer wächst, mit ihrem Hokuspokus.

Mikhail sah seine friedlich schlafenden Kinder an und spürte ein seliges Gefühl der Ruhe.

Das Wichtigste: Er hat es rechtzeitig geschafft.

Alles andere ist wirklich egal.