Mit 65 erkannte ich, dass das Schlimmste nicht die Einsamkeit ist, sondern die eigenen Kinder um einen Anruf zu bitten, wohl wissend, dass man ihnen zur Last fällt.

— Mama, hallo, ich brauche dringend deine Hilfe.

Die Stimme des Sohnes klang am Telefon, als spräche er mit einem lästigen Untergebenen und nicht mit seiner Mutter.

Nina Petrowna erstarrte mit der Fernbedienung in der Hand, ohne die Abendnachrichten einzuschalten.

— Kirjuscha, hallo. Ist etwas passiert?

— Nein, alles in Ordnung, — Kirill atmete ungeduldig aus. — Nur, Katja und ich haben eine Last-Minute-Reise gebucht, Abflug morgen früh.

Und für Herzog haben wir niemanden. Nimmst du ihn zu dir?

Herzog. Ein riesiger, sabbernder Dogge, der in ihrer kleinen Zweizimmerwohnung mehr Platz einnahm als die alte Anrichte.

— Für lange? — fragte Nina vorsichtig und kannte die Antwort schon.

— Na, eine Woche. Vielleicht zwei. Je nachdem. Mama, wer sonst, wenn nicht du? Ihn in eine Hundepension zu geben wäre doch Quälerei. Du weißt doch, wie sensibel er ist.

Nina Petrowna blickte auf ihr Sofa, das sie gerade mit neuem, hellem Stoff hatte beziehen lassen.

Ein halbes Jahr hatte sie dafür gespart und sich Kleinigkeiten versagt.

Herzog würde es in ein paar Tagen zerstören.

— Kirill, ich… mir ist das nicht sehr recht. Ich habe gerade erst die Renovierung abgeschlossen.

— Mama, welche Renovierung? — in seiner Stimme schwang unverhohlene Gereiztheit mit. — Neue Tapeten geklebt?

Herzog ist doch erzogen, du musst nur daran denken, mit ihm spazieren zu gehen.

So, Katja ruft, wir müssen die Koffer packen. Wir bringen ihn in einer Stunde vorbei.

Kurze Töne.

Er hatte nicht einmal gefragt, wie es ihr ging.

Er hatte sie nicht zum Geburtstag gratuliert, der vergangene Woche gewesen war.

Fünfundsechzig Jahre.

Den ganzen Tag hatte sie auf einen Anruf gewartet, ihren Spezialsalat vorbereitet, ein neues Kleid angezogen.

Die Kinder hatten versprochen vorbeizuschauen, aber sie kamen nicht.

Kirill hatte nur eine kurze Nachricht geschickt: „Ma, alles Gute! Haben Stress auf der Arbeit.“

Olja schrieb gar nichts.

Und heute — „dringend Hilfe nötig“.

Nina Petrowna ließ sich langsam auf das Sofa sinken.

Es ging nicht um den Hund und nicht um den ruinierten Bezug.

Es ging um dieses erniedrigende Gefühl, nur eine Funktion zu sein.

Sie war — kostenlose Hundepension, Notdienst, letzte Instanz.

Ein Mensch-Funktion.

Sie erinnerte sich, wie sie sich vor vielen Jahren, als die Kinder noch klein waren, gewünscht hatte, dass sie einmal erwachsen und selbstständig würden.

Und jetzt verstand sie: Das Schlimmste war nicht die Einsamkeit in einer leeren Wohnung.

Schlimmer war es, mit klopfendem Herzen auf einen Anruf zu warten, wohl wissend, dass man nur gebraucht wurde, wenn etwas verlangt wurde.

Um ihre Aufmerksamkeit betteln zu müssen, auf Kosten des eigenen Komforts und Selbstrespekts.

Eine Stunde später klingelte es an der Tür.

Auf der Schwelle stand Kirill mit dem riesigen Hund an der Leine.

Herzog stürmte freudig herein und hinterließ auf dem sauberen Boden schmutzige Spuren.

— Mama, hier ist Futter, hier sind seine Spielsachen.

Dreimal am Tag Gassi gehen, du erinnerst dich.

So, wir müssen los, sonst verpassen wir das Flugzeug! — er drückte ihr die Leine in die Hand, gab ihr im Vorbeigehen einen flüchtigen Kuss auf die Wange und verschwand.

Nina Petrowna blieb mitten im Flur stehen.

Herzog beschnüffelte bereits geschäftig die Stuhlbeine.

Aus dem Inneren der Wohnung hörte sie das Geräusch von reißendem Stoff.

Sie schaute auf ihr Telefon.

Vielleicht ihre Tochter anrufen?

Oljetschka, vielleicht würde sie es verstehen?

Doch ihr Finger erstarrte über dem Display.

Olja hatte seit einem Monat nicht mehr angerufen.

Sicher war auch sie beschäftigt.

Sie hatte ihr eigenes Leben, ihre eigene Familie.

Und in diesem Moment spürte Nina Petrowna zum ersten Mal nicht die gewohnte Kränkung.

Stattdessen kam etwas anderes.

Kalt, klar und sehr nüchtern.

Genug.

Der Morgen begann damit, dass Herzog, aus Liebe, aufs Bett sprang und zwei schmutzige Pfotenabdrücke so groß wie Untertassen auf dem schneeweißen Bettbezug hinterließ.

Das neue Sofa im Wohnzimmer war bereits an drei Stellen zerfetzt.

Und die geliebte Ficus-Pflanze, die sie fünf Jahre lang gepflegt hatte, lag mit angefressenen Blättern auf dem Boden.

Nina Petrowna trank Baldrian direkt aus der Flasche und wählte die Nummer ihres Sohnes.

Er nahm das Gespräch nicht sofort an.

Im Hintergrund hörte man Wellenrauschen und Katjas Lachen.

— Mama, was ist? Uns geht’s super, das Meer ist herrlich!

— Kirill, es geht um den Hund. Er demoliert die Wohnung.

Er hat das Sofa zerfetzt, ich komme mit ihm nicht zurecht.

— Wie bitte? — fragte der Sohn ehrlich überrascht. — Er hat doch nie etwas kaputt gemacht.

Vielleicht sperrst du ihn ein? Er braucht Freiheit.

Mama, fang jetzt nicht an, ja? Wir sind gerade angekommen, wir wollen uns erholen.

Geh einfach länger mit ihm spazieren, dann beruhigt er sich.

— Ich war heute Morgen zwei Stunden mit ihm draußen!

Er zieht so an der Leine, dass ich fast gestürzt bin.

Kirill, hol ihn bitte ab. Sucht euch eine andere Betreuung.

Am Telefon entstand eine Pause.

Dann wurde Kirills Stimme hart.

— Mama, im Ernst? Wir sind am anderen Ende der Welt.

Wie soll ich ihn abholen?

Du hast doch selbst zugestimmt.

Oder willst du, dass wir jetzt alles hinschmeißen und wegen deiner Launen zurückfliegen?

Das ist Egoismus, Mama.

Das Wort „Egoismus“ traf sie wie eine Ohrfeige.

Sie, die ihr Leben für sie gelebt hatte — eine Egoistin.

— Ich mache keine Launen, ich…

— Schluss jetzt, Mama, Katja hat gerade Cocktails gebracht.

Kümmere dich um Herzog.

Ich bin sicher, ihr werdet Freunde.

Kuss.

Und wieder nur Töne.

Nina Petrownas Hände zitterten.

Sie setzte sich in der Küche auf einen Stuhl, weit weg von der Zerstörung.

Das Gefühl der Hilflosigkeit war fast körperlich.

Sie beschloss, Olja anzurufen.

Die Tochter war immer die Vernünftigere gewesen.

— Olja, hallo.

— Hallo, Mama. Ist es dringend? Ich bin in einer Besprechung.

— Ja, dringend. Kirill hat mir seinen Hund dagelassen und ist weggeflogen.

Dieser Hund ist unausstehlich.

Er zerstört die Möbel, und ich fürchte, bald wird er auch mich beißen.

Olja seufzte schwer.

— Mama, na, wenn Kirill dich gebeten hat, dann war es wohl wirklich notwendig.

Ist es für dich so schwer, deinem eigenen Bruder zu helfen?

Wir sind doch Familie.

Na gut, das Sofa ist kaputt, dann kauft ihr eben ein neues. Kirill zahlt es dann. Wahrscheinlich.

— Olja, es geht nicht um das Sofa!

Es geht um die Einstellung!

Er hat mich einfach vor vollendete Tatsachen gestellt!

— Und wie hätte er es sonst machen sollen? Auf Knien flehen?

Mama, hör auf.

Du bist in Rente, du hast massig freie Zeit.

Bleib doch mit dem Hündchen, was ist schon dabei?

So, ich muss los, der Chef schaut.

Das Gespräch war beendet.

Nina Petrowna legte das Telefon auf den Tisch.

Familie.

Was für ein seltsames Wort.

In ihrem Fall bedeutete es eine Gruppe von Menschen, die sich nur an dich erinnern, wenn sie etwas brauchen.

Und die dich des Egoismus beschuldigen, wenn du nicht sofort ihren Forderungen nachkommst.

Am Abend klingelte die Nachbarin von unten, wütend wie eine Furie.

— Nina! Ihr Hund jault seit drei Stunden ohne Pause!

Mein Kind kann nicht schlafen!

Wenn Sie ihn nicht beruhigen, rufe ich die Polizei!

Herzog, der hinter Nina stand, bellte fröhlich und bestätigte damit die Worte der Nachbarin.

Nina Petrowna schloss die Tür.

Sie sah auf den Hund, der mit dem Schwanz wedelte und Lob erwartete.

Dann auf das zerfetzte Sofa.

Auf ihr Telefon.

In ihr wuchs ein dumpfer, schwerer Ärger.

Sie hatte immer versucht, alles friedlich zu lösen.

Zu überzeugen, zu erklären, sich hineinzuversetzen.

Doch ihre Logik, ihre Gefühle, ihre Argumente waren einfach für niemanden von Bedeutung.

Sie prallten ab an der Mauer gönnerhafter Gleichgültigkeit.

Sie nahm die Leine.

— Komm, Herzog, gehen wir spazieren.

Sie führte den Hund die Allee des Parks entlang und spürte, wie sich die Anspannung in ihren Schultern in dumpfen, bohrenden Schmerz verwandelte.

Der Herzog drängte nach vorne, beinahe riss er ihr die Leine aus den geschwächten Händen.

Jeder seiner Rucke hallte in ihrer Seele wider mit den Worten des Sohnes und der Tochter: „Egoismus“, „jede Menge Zeit“, „schwer zu helfen?“.

Ihnen entgegen kam mit leichtem, fast tänzelndem Schritt Sinaida, ihre ehemalige Kollegin.

Ein leuchtender Schal, ein modischer Haarschnitt, lachende Augen.

— Ninotschka, hallo!

Ich habe dich zuerst gar nicht erkannt!

Ganz in Sorgen!

Wieder mit dem Enkel? — sie nickte auf den Herzog.

— Das ist der Hund meines Sohnes, — antwortete Nina tonlos.

— Ach so, verstehe! — lachte Sina unbekümmert.

— Du bist bei uns ja immer die ewige Helferin in der Not.

Und ich fliege, stell dir vor, in einer Woche nach Spanien!

Zum Flamenco habe ich mich angemeldet, kannst du dir das vorstellen?

In meinem Alter!

Wir fahren mit den Mädels aus der Gruppe.

Mein Mann hat zuerst gemeckert, dann aber gesagt: „Flieg, gönn dir was, du hast es dir verdient“.

Und wann hast du das letzte Mal Urlaub gemacht?

Die Frage blieb in der Luft hängen.

Nina konnte sich nicht erinnern.

Urlaub bedeutete für sie immer: Datscha, Enkel, den Kindern helfen.

— Du siehst müde aus, — sagte Sinaida mit aufrichtigem Mitgefühl.

— So darfst du dir nicht alles aufladen.

Die Kinder sind erwachsen, sollen sie doch selbst klarkommen.

Sonst wirst du noch ihre Hunde hüten, während das Leben an dir vorbeizieht.

Na gut, ich muss los, ich habe Probe!

Sie flatterte davon, hinterließ eine Spur teuren Parfüms und klingender Leere.

„Während das Leben an dir vorbeizieht“.

Dieser einfache Satz wirkte wie ein Zünder.

Nina Petrowna blieb so abrupt stehen, dass der Herzog sie verwundert ansah.

Sie betrachtete diesen riesigen Hund, ihre Hände, die sich in die Leine klammerten, die grauen Häuser ringsum.

Und sie begriff, dass sie nicht mehr konnte.

Keinen Tag mehr.

Keine Stunde mehr.

Es reicht.

Genug.

Sie zog ihr Telefon heraus.

Zitternde Finger öffneten die Suchmaschine.

„Bestes Hundehotel Moskau“.

Der erste Link führte zu einer Seite mit glänzenden Fotos: geräumige Zwinger, ein Pool, ein Grooming-Salon, Einzelstunden mit dem Hundetrainer.

Und Preise, bei denen ihr der Atem stockte.

Entschlossen drückte Nina Petrowna auf die Telefonnummer.

— Guten Tag.

Ich möchte bei Ihnen ein Zimmer reservieren.

Ja, für eine Dogge.

Für zwei Wochen.

Mit Vollpension und Spa-Behandlungen.

Sie bestellte direkt im Park ein Taxi.

Im Auto verhielt sich der Herzog überraschend ruhig, als spürte er die Veränderung.

Im Hotel roch es nicht nach Hund, sondern nach Lavendel und teuren Shampoos.

Ein freundliches Mädchen in Uniform reichte ihr den Vertrag.

Nina Petrowna schrieb ohne mit der Wimper zu zucken in die Zeile „Besitzer“ den Namen und die Telefonnummer von Kirill.

In die Zeile „Zahler“ ebenso.

Sie zahlte die Anzahlung von dem Geld, das sie für einen neuen Mantel zurückgelegt hatte.

Das war die beste Investition ihres Lebens.

— Wir schicken täglich einen Fotobericht an die Nummer des Besitzers, — lächelte das Mädchen und nahm die Leine entgegen.

— Keine Sorge, Ihrem Jungen wird es bei uns gefallen.

Zurück in ihrer friedlichen, wenn auch ramponierten Wohnung, fühlte Nina Petrowna zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht Einsamkeit, sondern Ruhe.

Sie schenkte sich Tee ein, setzte sich auf die noch intakte Sofakante und schickte zwei identische Nachrichten.

Eine an Kirill.

Die andere an Ola.

„Der Herzog ist in Sicherheit.

Er ist im Hotel.

Alle Fragen an seinen Besitzer.“

Dann stellte sie ihr Telefon stumm.

Nach drei Minuten begann das Telefon auf dem Tisch zu vibrieren.

Nina Petrowna sah auf den leuchtenden Bildschirm, auf dem „Kirill“ erschien, und nahm noch einen Schluck Tee.

Sie antwortete nicht.

Nach einer Minute vibrierte das Telefon erneut.

Dann kam eine Nachricht von Ola: „Mama, was soll das heißen?

Ruf sofort zurück!“.

Sie stellte den Fernseher lauter.

Sie wusste genau, was am anderen Ende der Leitung passierte.

Panik.

Empörung.

Versuche zu begreifen, wie ihre bequeme, stets verfügbare Mutter so etwas tun konnte.

Ein wahrer Sturm brach zwei Tage später los.

Das Klingeln an der Tür war hartnäckig, fast aggressiv.

Gemächlich ging Nina Petrowna zur Tür und schaute durch den Spion.

Auf der Schwelle standen Kirill und Ola.

Gebräunt, aber wütend.

Der Urlaub war offenbar hoffnungslos ruiniert.

Sie öffnete die Tür.

— Mama, bist du verrückt geworden?! — schrie Kirill schon vom Eingang.

— Was für ein Hotel?

Man hat uns die Rechnung geschickt, hast du die Zahlen gesehen?

Willst du uns wegen irgendeines Hundes ruinieren?

— Guten Tag, Kinder, — antwortete Nina ruhig.

— Kommt rein.

Aber bitte die Schuhe ausziehen, ich habe gerade gewischt.

Diese Ruhe brachte sie mehr aus dem Konzept als jede Auseinandersetzung.

Sie traten in die Wohnung.

Kirill musterte das zerfetzte Sofa, die umgestürzte Pflanze.

— Da, — er stieß mit dem Finger auf das Sofa.

— Was ist das?

— Das, Kirill, sind die Folgen des Aufenthalts deines wohlerzogenen Hundes in meiner Wohnung.

Ich habe einen Fachmann gerufen, er hat den Schaden eingeschätzt.

Hier ist die Rechnung für das Neubeziehen der Möbel und den Kauf einer neuen Ficus.

Sie reichte ihm ein ordentlich ausgedrucktes Blatt.

— Du stellst mir auch noch eine Rechnung?! — Kirill rang vor Empörung nach Luft.

— Du hättest dich um ihn kümmern müssen!

— Ich hätte müssen? — Nina Petrowna sah ihren Sohn zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht mit Liebe, sondern mit kühler Neugier an.

— Ich muss euch gar nichts, Kinder.

So wie ihr mir auch nichts müsst.

Ich nehme an, ihr seid nicht gekommen, um mir die Hotelanzahlung zurückzugeben und den Schaden zu ersetzen?

Ola mischte sich ein, versuchte zu beschwichtigen.

— Mamutschka, warum so?

Wir sind doch Familie.

Wir hätten alles geregelt.

Nun, Kirill hat überreagiert, das passiert doch jedem.

Warum gleich so extrem?

— Extrem ist, wenn dein eigener Sohn dich des Egoismus bezichtigt, nur weil du nicht willst, dass dein Zuhause zerstört wird.

Extrem ist, wenn deine eigene Tochter sagt, du hättest „jede Menge Zeit“, um ihrem Bruder zu dienen.

Und das hier, — sie nickte auf die Rechnung, — das sind einfach die Folgen eurer Entscheidungen.

Kirill lief rot an.

— Ich werde das nicht bezahlen!

Keinen Cent!

Und für dein blödes Hotel auch nicht!

— Gut, — entgegnete Nina schlicht.

— Ich habe nichts anderes erwartet.

Dann verkaufe ich eben die Datscha.

Das war ein Schlag in die Magengrube.

Die Datscha, auf die sie längst Pläne gemacht hatten: Schaschlik, Sauna, Urlaub mit Freunden.

Ihre Datscha.

Ein Ort, an den sie ausschließlich zum Erholen kamen, während die Mutter den ganzen Sommer Unkraut jätete und den Zaun strich.

— Du hast kein Recht! — schrie Ola, das Friedensangebot vergessend.

— Sie gehört uns auch!

Wir haben dort unsere ganze Kindheit verbracht!

— Die Papiere laufen auf mich, — zuckte Nina die Schultern.

— Und die Kindheit, Olenka, ist vorbei.

Das Geld reicht genau, um die Kosten zu decken, mir den seelischen Schaden zu entschädigen und vielleicht nach Spanien zu reisen.

Sinaida meinte, dort sei es wunderschön.

Sie sahen sie an wie eine Fremde.

Vor ihnen stand nicht ihre stille, fügsame Mutter, sondern eine Frau mit einem eisernen Kern, von dessen Existenz sie nie geahnt hatten.

Eine Frau, die keine Angst mehr hatte vor ihrem Zorn, ihren Manipulationen, ihren Vorwürfen.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren herrschte spannungsgeladene Stille im Raum.

Es war das peinliche Innehalten des Erkennens.

Sie hatten verloren.

Eine Woche später überwies Kirill ihr die gesamte Summe auf den Cent genau.

Keine Entschuldigungen, keine Anrufe mehr.

Und Nina Petrowna hatte auch nicht damit gerechnet.

Sie holte ihren alten, fast unbenutzten Koffer vom Schrank.

Rief Sinaida an.

— Sinoschka, hallo. Hast du noch einen Platz beim Flamenco?