Die ehemalige Verwandtschaft kam zu mir, als wäre bereits alles entschieden.

Ihre Selbstsicherheit endete schnell.

Die Dreistigkeit ehemaliger Verwandter ist eine konstante Größe.

Sie unterliegt keiner Inflation und hängt nicht von den Mondphasen ab.

Als es am Samstagmorgen an der Tür klingelte, erwartete ich den Kurier aus der Reinigung.

Doch auf der Schwelle stand eine Delegation: mein Ex-Mann Tolik, seine Mutter Irina Gennadjewna und meine ehemalige Schwägerin Sweta.

Die Erscheinung Christi vor dem Volk, nur in der Sparversion.

Der Grund ihres Auftauchens war lächerlich vorhersehbar.

Vor acht Monaten war Tolik pathetisch zu der zwanzigjährigen Wika gegangen, wegen „Jugend und Energie“.

Er ließ mir die Schlüssel da und verschwand mit einem Koffer in den Sonnenuntergang, den übrigens ich gekauft hatte.

Die Wohnung hatte ursprünglich meinen Eltern gehört und war mir per Schenkungsvertrag übertragen worden.

Und nun war der verlorene Besamer mit einer Eingreiftruppe zurückgekehrt.

— Lässt du uns rein, oder sollen wir weiter den Fußabtreter im Treppenhaus abnutzen? — erklärte Irina Gennadjewna gleich an der Tür.

— Mach schon Platz!

— Kommen Sie rein, wenn Sie schon erschienen sind, — antwortete ich ruhig.

— Nur parken Sie die Besen in der Ecke und hängen Sie die Heiligenscheine an die Garderobe, damit sie nicht die Decke zerkratzen.

Ich machte mir nicht die Mühe, Tee aufzusetzen oder Gastfreundschaft vorzutäuschen.

Ich bereitete mich einfach darauf vor, zuzuhören.

— Anja, lass uns ohne Hysterie reden.

Wir sind erwachsene Menschen, — begann meine ehemalige Schwiegermutter.

— Du bist eine einsame Frau.

Eine Zweizimmerwohnung ist für dich wie ein Sattel für eine Kuh.

Das ist Egoismus.

Du sitzt hier wie der Hund auf dem Heu!

— Und für wen wäre sie genau richtig? — fragte ich nach.

— Für den Schutzfonds der aussterbenden Toliks?

Oder eröffnen wir hier ein Museum des gescheiterten Privatlebens?

— Für Tolik! — bellte Sweta.

— Wika ist schwanger.

Sie brauchen Quadratmeter und keine gemietete Hundehütte.

Hab ein Gewissen, gnädige Frau, allein in solchen Gemächern herumzusitzen!

— Oh, euer Genpool erweitert sich also?

Glückwunsch.

Das heißt, Tolik hat mich gegen frisches Blut eingetauscht, und ich soll jetzt seinen Inkubator sponsern? — grinste ich.

— Genial.

Der Plan ist zuverlässig wie eine Schweizer Uhr von AliExpress.

Schade, dass ihr dafür keinen Nobelpreis für Wirtschaft bekommt.

— Hör auf, dich lustig zu machen!

Tolik hat hier vor drei Jahren das Laminat mit eigenen Händen verlegt!

Und die Sockelleisten angenagelt! — erhob Irina Gennadjewna die Stimme.

— Wir haben alles mit dem Taschenrechner berechnet.

Du verkaufst die Bude, die Hälfte bekommt Tolik für die Anzahlung, und dir kaufst du ein Studio irgendwo am Stadtrand.

Für dich allein reicht das völlig.

Einen Mann findest du sowieso nicht mehr, also schaffst du dir vierzig Katzen an!

— Irina Gennadjewna, Toliks Laminat ist natürlich ein UNESCO-Weltkulturerbe, — nickte ich.

— Ihre Dreistigkeit überholt wirklich jede Inflation.

Sie erinnern mich gerade an Tschukowskis Kakerlak.

Sie bewegen die Schnurrhaare, verlangen das Wertvollste, aber im Grunde sind Sie nur ein gewöhnliches Käferchen mit aufgeblasenem Ego.

— Also du!..

Deshalb ist er vor dir weggelaufen!

Du sitzt hier und spielst die Schlaue!

Wer braucht dich mit deinen achtundvierzig Jahren, alte Jungfer mit einem Anhängsel aus Büchern?!

— Mama hat recht, — wurde Tolik mutiger.

— Anja, sei doch ein Mensch.

Ich habe eine Familie.

Ein Kind.

Ich bin doch kein Fremder, ich habe dir die zehn besten Jahre gegeben.

— Tolia, deine „besten Jahre“ hast du so gründlich auf meinem Sofa verbracht, dass dort eine Delle in Form deines Hinterns geblieben ist.

Werden wir diese Delle bei der Vermögensaufteilung auch berücksichtigen?

Und als du gingst, hast du gebrüllt, ein echter Mann versetze selbst Berge.

Was ist los?

Waren die Berge kostenpflichtig, und die Hypothek beißt?

— Wo soll er bei solchen Preisen etwas verdienen?!

Tut es dir etwa leid, ja?! — kreischte Sweta und knallte ein ausgedrucktes Blatt auf den Tisch.

— Du wirst hier mit deinem Stolz vertrocknen!

Hier, wir haben ein Papier mitgebracht.

Eine Vereinbarung über die Entschädigung für die Renovierung!

Unterschreib, dass du Tolik die Hälfte des Wohnungswertes in Geld gibst, sonst schleppen wir dich wegen seiner Investitionen durch alle Gerichte!

Ich starrte dieses Meisterwerk juristischen Denkens an.

„Vereinbarung“.

Gedruckt, den blassen Streifen nach zu urteilen, auf einem sterbenden Drucker in Swetas Buchhaltung.

Ich begann zu lachen.

Zuerst leise, dann laut, bis mir die Tränen kamen und ich den Kopf zurückwarf.

Ich lachte so sehr, dass ich fast die Vase vom Tisch fegte.

— Vor Gericht?

Wegen Laminat?! — brachte ich durch mein Lachen hervor und wischte die Wimperntusche weg, die verräterisch vor Vergnügen verlaufen war.

— Mädchen, ihr hättet wenigstens das Zivilgesetzbuch aufschlagen sollen, bevor ihr Papier verschwendet.

Das ist ein Schenkungsvertrag!

— Stellt mir doch gleich noch die Rechnung für den Lufterfrischer im Bad aus, er hat ihn schließlich drei Jahre lang eingeatmet!

Tolik, hast du den Beleg für den Tapetenkleister aufgehoben, oder hat Mama den Kostenvoranschlag aus dem Gedächtnis erstellt?

Die ehemalige Schwiegermutter wurde purpurrot und holte Luft für einen Ultraschallangriff, doch da klingelte es im Flur.

Immer noch kichernd ging ich öffnen.

Auf der Schwelle stand kein Kurier.

Dort ragte Iljucha auf.

Mein Freund, Trainer aus dem Fitnessstudio, in das ich mich direkt nach der Scheidung eingeschrieben hatte, um den Stress loszuwerden.

Zwei Meter Muskelmasse, Fäuste wie Gewichte und das gutmütige Lächeln eines Menschen, der spielend einen Kleinwagen von der Brust drücken könnte.

— Anja, du gehst nicht ans Telefon, ich habe dir das Protein vorbeigebracht, wie besprochen, — brummte Ilja mit Bassstimme und stockte, als er über meinen Kopf hinweg ins Wohnzimmer sah.

— Was ist das denn für eine Aktionärsversammlung?

Alle sehen aus, als hätten sie eine Zitrone ohne Tequila gegessen.

— Ach, — winkte ich ab.

— Der Wohltätigkeitsfonds ist zum Enteignen gekommen.

Sie wollen mir die Wohnung zugunsten der jungen Generation abpressen.

Sie drohen mit Gerichten wegen drei angenagelter Sockelleisten.

Ilja trat in die Wohnung.

Der Boden unter seinen Schuhen Größe 46 knarrte nicht einmal, dafür knarrte Tolik.

Die ganze Delegation fiel irgendwie gleichzeitig in sich zusammen und drückte sich ins Sofa.

— Wer ist das? — piepste Sweta und versteckte sich hinter dem breiten Rücken ihrer Mutter.

— Der mobile Reinigungsdienst, — lächelte Ilja freundlich und ließ seine Fingerknöchel knacken.

— Ich entsorge Sperrmüll.

Kostenlos und mit Schwung.

Er ging langsam auf Tolik zu, der neben Ilja plötzlich sehr klein, zerbrechlich und irgendwie durchsichtig wirkte.

Ilja nahm meinen Ex-Mann ganz leicht am Kragen seiner Markenjacke, wie ein ungezogenes Kätzchen am Nackenfell.

— Hey!

Nimm die Hände weg!

Ich rufe gleich die Polizei! — quiekte Tolik, als seine Sneaker etwa zehn Zentimeter vom Boden abhoben.

— Ruf ruhig an, Brüderchen.

Dann erzählst du ihnen gleich, wie du deiner Ex-Frau Wohnfläche abgepresst hast.

Der Artikel „Erpressung“ liegt gerade im Trend, — bemerkte Ilja philosophisch und trug Tolik in den Flur.

Die ehemalige Schwiegermutter und die Schwägerin trippelten mit Ach und Weh hinterher und erinnerten an einen Schwarm erschrockener Gänse.

Ich riss hilfsbereit die Eingangstür auf.

Ilja trug den Körper des verlorenen Besamers vorsichtig ins Treppenhaus hinaus, damit die Türrahmen nicht zerkratzt wurden.

Schließlich hatte Tolik renoviert, das musste man ja schonen!

Er ging zum Aufzug und drückte den Knopf.

Die Türen glitten dienstbereit auseinander.

Ilja stellte Tolik in die hinterste Ecke der Kabine, wie einen bestraften Schuljungen.

— Damen, Ihr Gepäck ist verladen, bitte begeben Sie sich zum Einstieg, — sagte ich galant und deutete mit der Hand auf den Aufzug.

Irina Gennadjewna und Sweta warfen mir Blicke voller Flüche bis ins siebte Glied zu und huschten zu ihrem kostbaren Tolik.

— Und nehmt euer Papierchen mit, — sagte ich, zerknüllte die „Entschädigungsvereinbarung“ und warf sie direkt in die Kabine, wobei ich meinen Ex-Mann genau an der Brust traf.

— Kauft einen Rahmen dafür und hängt es über das Bettchen des Erben.

Als Erinnerung daran, dass man große Ansprüche haben darf, aber rechtzeitig wieder zurückschrauben sollte.

Die Aufzugtüren begannen sich zu schließen.

— Schlampe! — spuckte die ehemalige Schwiegermutter noch zum Abschied aus.

— Dafür mit Wohnung! — rief ich den sich schließenden Türen fröhlich hinterher.

Ein dumpfes Klirren verkündete, dass der Zirkus in den ersten Stock gefahren war.

Ilja klopfte sich die Hände ab und sah mich grinsend an.

— Na, trinken wir jetzt einen Proteinshake, oder machen wir gleich den Cognac auf?

— Iljucha, du bist mein persönlicher Superheld, — atmete ich aus und spürte, wie die Anspannung von mir abfiel.

— Dann Cognac! — sagte ich erleichtert.

— Auf guten Wohnraum und persönliche Superhelden!