— Und warum, bitte schön, soll ich für die Renovierung deiner Mutter bezahlen? Ich investiere das Geld lieber in meine eigene Waschmaschine!
– entgegnete Nina und schob das halb gegessene Abendessen weg.

— Glaubst du wirklich, dass ich Überstunden mache, nur damit sie neue Haushaltsgeräte bekommt?
Andrej erstarrte am Tisch mit der Gabel in der Hand.
Er hatte mit Unzufriedenheit gerechnet, aber diese Entschiedenheit seiner Frau überwältigte ihn.
Der Abend hatte wie gewöhnlich begonnen – ein gemeinsames Abendessen nach der Arbeit, das Geräusch des Fernsehers aus dem Wohnzimmer – und plötzlich eskalierte die Stimmung.
Ihre Dreizimmerwohnung im minimalistischen Stil wirkte plötzlich viel zu geräumig für zwei Menschen.
Sie hatten sie vor drei Jahren gekauft, eine Hypothek aufgenommen und sich mit monatlichen Raten belastet.
Jede Anschaffung oder ungeplante Ausgabe bedeutete Stress – das Geld reichte nie, selbst bei zwei festen Einkommen mussten sie sparen.
— Nina, du verstehst das nicht! – Andrej legte die Gabel beiseite und rieb sich die Nasenwurzel.
— Meine Mutter braucht dringend eine Renovierung! Die Rohre sind durchgerostet, die Elektrik ist gefährlich!
Das ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit!
— Und was ist mit dem Geld, das du ihr regelmäßig gibst? – Nina stand auf und ging ans Fenster, verschränkte die Arme vor der Brust.
— Findest du es nicht seltsam, dass deine Mutter, obwohl sie Rente bekommt und du ihr hilfst, plötzlich vollkommen pleite sein will?
Das Licht der Straßenlaternen fiel auf ihr Gesicht, warf Schatten und ließ es wie eine Maske erscheinen.
Andrej betrachtete seine Frau und erkannte sie kaum wieder.
Fünf Jahre lang hatte er sich an ihre Zurückhaltung gewöhnt, daran, dass sie nie widersprach, wenn es um Hilfe für seine Mutter ging.
Doch jetzt – dieser kalte Tonfall.
— Weißt du, wie viel Medikamente gegen Bluthochdruck kosten? Oder Lebensmittel? Oder die Nebenkosten? – Andrej spürte, wie Ärger in ihm hochkochte.
— Ihre Rente reicht kaum für das Nötigste!
— Ach ja? – Nina drehte sich um, und in ihren Augen blitzte Zorn auf.
— Und meine Mutter lebt also im Luxus?
Sie ist auch über sechzig, sie ist krank, aber verlangt nie das Letzte von mir! Und sie erwartet schon gar nicht, dass wir Schulden machen, nur um ihr Bad zu renovieren!
Die Küche, die sie erst vor kurzem renoviert hatten, erschien plötzlich wie ein enger Käfig.
Die Wände schienen sich zu verengen, die Luft wurde zäh wie Gelee.
— Du vergleichst Dinge, die nicht vergleichbar sind! – Andrej stand auf.
— Deine Mutter hat einen Ehemann, sie kommen gemeinsam zurecht! Meine ist nach dem Tod meines Vaters allein!
— Meine Eltern haben sich vor fünf Jahren scheiden lassen, das weißt du ganz genau! – Ninas Stimme zitterte vor unterdrücktem Ärger.
— Und meine Mutter hat mich nie um alles gebeten!
Im Gegensatz zu Darja Wassiljewna, die dein Portemonnaie als ihr Eigentum betrachtet!
Andrej spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss.
Der Ton, in dem seine Mutter erwähnt wurde, verletzte ihn.
— Sprich nicht so über sie! – zischte er durch die Zähne.
— Sie hat mich allein großgezogen, ohne jede Hilfe, sie hat ein Recht auf meine Unterstützung!
— Unterstützung – ja! Aber wir sollen nicht unser ganzes Leben für ihre Launen opfern! – Nina nahm ihr Handy vom Tisch.
— Übrigens bin ich mir sicher, dass sie Geld hat! Dein Vater war wohlhabend, sie haben jahrelang gespart!
Wo ist dieses Ersparte hin?
Diese Frage traf Andrej unvorbereitet.
Er hatte nie über die finanzielle Lage seiner Mutter nachgedacht.
Sie beschwerte sich – er half.
Das war so selbstverständlich, dass er es nie in Frage stellte.
— Was redest du da? – Andrej trat auf sie zu.
— Du wirfst meiner Mutter vor, zu lügen?
— Ich stelle nur eine logische Frage! – Nina wich nicht zurück.
— Und vielleicht sollten wir nicht einfach wieder blind zahlen, sondern wirklich nachfragen? Die tatsächliche Lage klären?
Tief in seinem Inneren wusste Andrej, dass in Ninas Worten etwas Wahres steckte, aber das zuzugeben würde bedeuten, an der Aufrichtigkeit seiner Mutter zu zweifeln.
Und das schien ihm undenkbar.
Seine Mutter war für ihn eine unantastbare Autorität, und der Gedanke, sie könnte manipulieren, war Gotteslästerung.
— Mir reicht es! – Andrej schnappte sich die Autoschlüssel.
— Ich fahre zu meiner Mutter! Und du solltest mal über deine Worte nachdenken! Und darüber, dass Familie nicht nur du und ich sind!
— Natürlich, da ist ja auch noch Darja Wassiljewna! – spottete Nina.
— Nur merke ich immer häufiger, dass ich in dieser Familie nach deiner Mutter an letzter Stelle komme!
Andrej schwieg.
Er verließ die Wohnung, ließ das Abendessen und die unausgesprochenen Worte zurück.
Das Gespräch war zu weit gegangen, und er brauchte Zeit, um seine Gedanken zu ordnen.
Und die Unterstützung seiner Mutter, die immer wusste, wie man ihn beruhigt.
Andrej kam spät zurück.
Nina war wach, saß im Wohnzimmer vor dem ausgeschalteten Fernseher, das Handy in der Hand.
Er wollte vorbeigehen, doch dann hörte er ein Gesprächsfetzen.
— Mama, du kannst dir nicht vorstellen, was hier los ist! Diese Frau verlangt schon wieder Geld…
Nicht bittet, sondern verlangt! Laut Andrej braucht sie eine komplette Renovierung – neue Geräte, neue Böden, neue Tapeten…
Und wir sollen zahlen, weil sie angeblich kein Geld hat!
Nina sprach leise, offensichtlich rechnete sie nicht mit seiner Rückkehr.
Andrej stand im Türrahmen, unfähig, weiterzugehen oder zu gehen.
Das Gespräch seiner Frau mit ihrer Mutter traf ihn hart.
— Ja, ich verstehe… Aber das Problem ist, dass Andrej die Wirklichkeit nicht sieht! Darja Wassiljewna weiß, wie man sich darstellt!
Sie jammert immer über ihre Gesundheit, über die kleine Rente… Und er glaubt ihr jedes Wort!
Andrej spürte, wie Zorn in ihm aufstieg.
Er hatte immer gedacht, zwischen seiner Frau und seiner Mutter herrsche wenigstens Respekt.
Jetzt sah er eine andere Wahrheit: Nina hielt seine Mutter für eine Manipulatorin – und ihn für einen, der ihr willenlos alles recht macht.
Er konnte nicht mehr an sich halten, er riss die Tür zum Wohnzimmer auf.
— Mach ruhig weiter! Ich bin gespannt, was du über meine Familie denkst! – seine Stimme war ruhig, aber jedes Wort vibrierte vor Wut.
Nina erschrak kurz, fasste sich dann aber schnell.
— Mama, ich rufe dich später zurück! – sagte sie knapp und legte auf.
— Ich habe nichts gesagt, was ich dir nicht auch ins Gesicht sagen würde! Und das haben wir heute Abend übrigens auch beim Essen besprochen!
Andrej trat ins Zimmer und setzte sich ihr gegenüber in einen Sessel.
Sein Gesicht wirkte müde, dunkle Schatten lagen unter seinen Augen.
— Tatsächlich? – er verschränkte die Arme.
— Ich dachte, wir sprechen über die Renovierung meiner Mutter, nicht darüber, dass sie eine berechnende Manipulatorin ist und ich ein Waschlappen, den sie ausnutzt!
— Verdreh nicht meine Worte! – Nina richtete sich auf.
— Aber gib zu, deine Mutter verlangt zu viel! Wir zahlen die Hypothek, ein Drittel unseres Einkommens geht dafür drauf!
Du gibst ihr jeden Monat einen Teil deines Gehalts! Und jetzt sollen wir noch einen Kredit für ihre Renovierung aufnehmen?
Findest du das normal?
Andrej schwieg.
Tief im Inneren wusste er, dass die Forderungen seiner Mutter wirklich übertrieben waren.
Aber das zuzugeben hieße, Nina und ihren scharfen Urteilen recht zu geben.
— Meine Mutter hat mich allein großgezogen! – wiederholte er.
— Sie hat sich alles für meine Ausbildung und mein Wohl verkniffen! Jetzt bin ich dran, mich um sie zu kümmern!
— Fürsorge ist das eine, blind jedes ihrer Wünsche zu erfüllen das andere! – Nina ging zum Fenster.
Draußen nieselte es, die Straße wurde zum grauen Schleier.
— Ich unterstütze meine Mutter auch, aber sie verlangt nie das Letzte! Und deine…
Sie denkt nicht mal daran, dass wir auch ein Leben haben, eigene Wünsche und Pläne!
— Pläne? – Andrej lachte bitter.
— Was für Pläne haben wir? Ein neues Auto? Urlaub am Meer? Das kann alles warten! Aber meine Mutter braucht jetzt Hilfe!
— Und was ist mit Kindern? – fragte Nina leise.
— Wir haben darüber gesprochen!
Wollten nächstes Jahr anfangen, zu sparen! Kann man das auch verschieben? Oder müssen wir erst deine Mutter versorgen, bevor wir an eine eigene Familie denken?
Das traf ihn ins Mark.
Sie hatten tatsächlich geplant, Kinder zu bekommen, und Andrej selbst hatte darauf bestanden, vorher etwas Geld anzusparen.
Doch jetzt wurden diese Pläne erneut verschoben.
Wegen seiner Mutter.
Wie schon so vieles zuvor.
— Du stellst mich vor die Wahl! – zischte er.
— Entweder meine Mutter oder unsere Zukunft! Das ist nicht fair!
— Nein, Andrej! – Nina drehte sich zu ihm.
— Die Wahl hat deine Mutter getroffen, als sie ihre Interessen über unsere Familie stellte! Und du gibst ihr jedes Mal recht!
Verärgert ging Andrej in die Küche, Nina folgte ihm.
— Warum soll ich denn für die Renovierung deiner Mutter schuften? – wiederholte sie ihren Satz aus dem ersten Streit.
— Ich helfe lieber meiner eigenen Mutter!
Sie fordert nie etwas, aber ich weiß, dass auch sie es nicht leicht hat! Wenn wir etwas übrig haben, bekommt sie es – aber nicht für neue Geräte deiner Mutter!
Andrej sprang abrupt vom Stuhl auf.
Die Worte seiner Frau klangen wie eine Kampfansage – als begänne jetzt ein Krieg zwischen zwei Frauen: der einen, die ihm das Leben geschenkt hatte, und der anderen, mit der er es teilen wollte.
— Du bist egoistisch! – schleuderte er ihr entgegen.
— Du denkst nur an dich und deine Wünsche!
Meine Mutter ist ein Teil von mir! Wenn du das nicht akzeptieren kannst, dann akzeptierst du auch mich nicht!
— Ich bin egoistisch? – Nina wirbelte herum, die Augen verengt.
— Ich bin egoistisch? All die Jahre habe ich still zugesehen, wie deine Mutter dir das Geld aus der Tasche zieht! Nie widersprochen! Aber jetzt, wo sie auch noch an mein Gehalt will, soll ich einfach schweigen?
Andrej tobte innerlich.
„Zieht dir das Geld aus der Tasche“ – als sei seine Mutter ein Parasit, kein Mensch, der ihm sein Leben gewidmet hatte.
— Was redest du da? – er trat bedrohlich auf sie zu.
— Sie ist meine Mutter!
Seiner Mutter „schuldet“ man nichts, man hilft ihnen, weil sie es verdienen! Aber das verstehst du nicht!
Nina wich nicht zurück.
Sie stand da, das Kinn erhoben, und in ihren Augen sah Andrej etwas Neues – nicht nur Protest, sondern Entschlossenheit, die er so noch nie gesehen hatte.
— Nein, du verstehst es nicht! – fuhr er fort, noch aufgebrachter durch ihr Schweigen.
— Deine Mutter ist für dich nur eine Frau in einer anderen Stadt, der du zu Feiertagen Geld schickst!
Aber ich liebe meine Mutter! Verstehst du das? Und ich werde ihr helfen, solange es nötig ist!
— Sprich nicht über mein Verhältnis zu meiner Mutter! – sagte Nina kalt.
— Ich liebe meine Mutter nicht weniger als du! Aber zwischen Liebe und willenlosem Gehorsam gibt es einen Unterschied! Einen Unterschied, den du nicht sehen willst!
— Gehorsam? – Andrej grinste verächtlich.
— Findest du also, ich bin ein Muttersöhnchen? Ein Waschlappen?
— Ist das nicht so? – Nina verschränkte die Arme.
— Kaum ruft deine Mutter an, rennst du hin! Kaum klagt sie über Gesundheit, bringst du ihr Geld! Hast du je gefragt, wofür sie es braucht?
In Andrej riss etwas.
Wie eine gespannte Saite, die plötzlich reißt und Schmerz, Wut und Groll freisetzt.
Er spürte, wie sich seine Hand hob, und erschrak: Er verlor die Kontrolle.
Dieses Bündel aus Gefühlen verlangte nach einem Ausbruch.
Das Geräusch einer Ohrfeige hallte im Raum.
Nina wich zurück und hielt sich die Wange.
Ihre Augen waren weit aufgerissen vor Schock und Unglauben.
Darin schwammen Entsetzen und vielleicht… Verachtung? Abscheu?
Die Zeit schien stillzustehen.
Sie standen sich im Wohnzimmer gegenüber – eben noch ein Ehepaar, das über Geld und Pflicht stritt, jetzt wie Fremde, durch einen Abgrund getrennt.
— Nina… – Andrejs Stimme zitterte.
Er konnte selbst nicht fassen, was passiert war.
In fünf Jahren Ehe hatte er sie nie geschlagen.
Nicht einmal daran gedacht.
— Nina, ich…
Doch die Entschuldigung blieb ihm im Hals stecken.
Nina ließ langsam die Hand sinken, und Andrej sah den roten Fleck auf ihrer Wange – die Spur seiner Hand.
Dieser Abdruck brannte in seinen Augen.
— Verschwinde! – sagte sie fest.
— Geh aus meinem Haus!
— Das ist auch mein Haus… – entgegnete Andrej schwach, aber er spürte selbst die Leere in diesen Worten.
In diesem Moment hatte er das Recht verloren, dieses Haus sein Zuhause zu nennen.
— Geh! – wiederholte Nina.
— Zu deiner Mama! Sie wird sich freuen, wenn du mich endlich los bist!
Andrej wollte protestieren, wollte sie an den Schultern packen und erklären, dass es ein Ausrutscher war, dass es nie wieder vorkommen würde… Doch eine innere Stimme hielt ihn auf.
Heute eine Ohrfeige – und morgen?
— Ich rufe an… – murmelte er, schnappte sich seine Jacke.
— Ich muss… Nachdenken…
Nina starrte ihn an, ohne zu blinzeln.
In ihrem Blick lag mehr als Enttäuschung.
Es war der Blick eines Menschen, der eine Entscheidung getroffen hatte.
Andrej rannte fast aus der Wohnung.
In seinem Kopf pochte nur ein Gedanke: Mutter.
Sie hatte immer gesagt, dass Nina nicht zu ihm passt.
Dass Ehe Kompromisse bedeutet, und seine Frau zu eigenwillig für ein Familienleben sei.
Vielleicht hatte sie recht?
Darja Wassiljewna lebte in einem alten Plattenbau am Stadtrand.
Einst ein angesehener Stadtteil, jetzt Heimat von Rentnern und Geringverdienern.
Andrej parkte vor dem Eingang.
Seine Hände zitterten, und die Erinnerung an die Ohrfeige ließ ihn nicht los.
Wie konnte er das tun? Was war in ihn gefahren?
Er ging in den dritten Stock und klingelte.
Seine Mutter öffnete sofort, als hätte sie ihn erwartet.
— Andrjuscha? – sie war erstaunt.
— Was ist passiert? Warum so spät?
Andrej trat schweigend in die Wohnung.
Der vertraute Geruch – eine Mischung aus Medikamenten, alten Möbeln und Mutters Parfum – brachte diesmal keine Beruhigung.
— Wir haben uns gestritten! – sagte er knapp und ging in die Küche.
— Ich will nicht darüber reden!
Darja Wassiljewna verzog die Lippen.
— Wegen der Renovierung, stimmt’s? Ich wusste, dass sie dagegen sein würde! Sie war schon immer geldgierig!
Andrej antwortete nicht.
Er ging ins Zimmer seiner Mutter, wollte sich aufs Sofa legen, aber sein Blick fiel auf den Nachttisch, wo etwas Goldenes in der offenen Schublade glänzte.
Als er sich vorbeugte, sah er die dicke Goldkette seines Vaters und Bündel von Geldscheinen, mit Gummiband umwickelt.
Daneben lag ein Sparbuch, obwohl die meisten heute Karten benutzen.
Sein Herz machte einen Sprung.
Andrej erstarrte, als er das Geld sah.
Fünftausender-Noten, ordentlich gestapelt und mit Gummiband fixiert.
Er nahm das Sparbuch, schlug es auf.
Die Zahl auf der letzten Seite ließ ihn pfeifen.
Es war genug Geld für die Renovierung und ein sorgenfreies Leben für einige Jahre.
— Was machst du da? – die Stimme der Mutter riss ihn aus den Gedanken.
Darja Wassiljewna stand in der Tür, ihr Gesicht zeigte eine Mischung aus Angst und Zorn.
— Was ist das? – Andrej hob das Sparbuch.
— Warum hast du gesagt, du hättest kein Geld? Warum hast du gelogen?
Darja Wassiljewna verzog die Lippen.
— Leg das sofort zurück! Das geht dich nichts an!
— Nichts an? – Andrej spürte, wie Wut in ihm hochstieg, stärker noch als beim Streit mit seiner Frau.
— Ich gebe dir jeden Monat die Hälfte meines Gehalts!
Verzichte auf alles, damit du Medikamente und Lebensmittel kaufen kannst! Und jetzt erfahre ich, dass du Geld für Jahre gebunkert hast?
— Dieses Geld hat mir dein Vater hinterlassen! Es gehört nur mir! – erklärte Darja Wassiljewna scharf.
— Das ist meine Rücklage für den Notfall!
— Für welchen Notfall? – Andrej warf das Sparbuch auf den Tisch.
— Deine Wohnung braucht Renovierung, du jammerst ständig über Gesundheit und teure Medikamente! Aber du versteckst so viel Geld? Wozu?
— Sprich nicht in diesem Ton mit mir! – die Mutter richtete sich auf, ihre Augen verengten sich vor Zorn.
— Du bist mein Sohn und hast dich um mich zu kümmern!
Dieses Geld ist meine Sicherheit, falls du mich eines Tages verlässt, wie deine Frau es will!
— Nina würde nie… – Andrej brach ab.
Plötzlich wurde ihm alles klar.
All die Jahre hatte seine Mutter ihn manipuliert, sein Pflichtgefühl ausgenutzt.
Er gab ihr immer mehr: Geld, Zeit, Kraft.
Und jetzt sollte auch Nina mitmachen.
— Ich gehe! – sagte er und steuerte die Tür an.
— Wohin? – Darja Wassiljewna stellte sich ihm in den Weg.
— Zu ihr? Zu der, die dich gegen mich aufbringt?
— Es reicht! – sagte Andrej erschöpft.
— Nina hat mich nicht gegen dich aufgehetzt! Sie hat nur gesehen, was ich jahrelang übersehen habe! Du nutzt mich aus, Mama! Meine Liebe und mein
Pflichtgefühl!
— Bin ich also eine schlechte Mutter? – schrie Darja Wassiljewna hysterisch.
— Ich, die ihr ganzes Leben dir gewidmet hat? Nächte nicht geschlafen…
— Hör auf! – unterbrach Andrej sie.
— Ich liebe dich! Immer habe ich dich geliebt und werde dich lieben!
Aber ich muss zu meiner Frau zurück, meine Familie retten! Wenn du echte Hilfe brauchst, bin ich immer für dich da!
Aber keine Manipulationen mehr! Und kein Geld, das du nicht brauchst!
Er verließ die Wohnung, ignorierte, dass seine Mutter ihm etwas nachrief.
In seinem Kopf herrschte Leere, nur ein Gedanke pochte: Nach Hause zurück, zu Nina.
Vor dem Haus saß Andrej lange im Auto, traute sich nicht hineinzugehen.
Was sollte er sagen? Wie erklären, was passiert war? Und vor allem – würde sie ihm verzeihen?
Schließlich nahm er seinen Mut zusammen und ging hoch.
Er klingelte nicht, sondern öffnete mit seinem Schlüssel.
Das Licht im Flur brannte, und Andrej war erleichtert, dass Nina wohl noch wach war.
Vielleicht gab es ja noch eine Chance, alles wieder gut zu machen?
— Nina? – rief er ins Wohnzimmer.
— Nina, wir müssen reden!
Doch statt seiner Frau sah er einen halb gepackten Koffer.
Daneben lagen Dokumente.
— Du bist also doch zurückgekommen! – Nina kam aus dem Schlafzimmer.
Ihr Gesicht war ruhig, aber die Augen waren rot vom Weinen.
— Ich dachte, du bleibst bei deiner Mutter!
— Nina, hör zu… – Andrej trat auf sie zu, aber sie wich zurück.
— Ich war bei meiner Mutter! Und du hattest recht! Sie hat Geld, viel Geld! Sie hat mich all die Jahre belogen!
— Und was ändert das? – Nina verschränkte die Arme.
— Du hast mich geschlagen, Andrej!
Nicht wegen Geld oder Renovierung! Sondern weil ich es gewagt habe, an deiner Mutter zu zweifeln! Als wäre sie eine Heilige und ich – nichts!
— Ich lag falsch! – Andrejs Stimme zitterte.
— Das ist unverzeihlich, ich weiß! Aber ich schwöre, das wird nie wieder vorkommen!
— Nein, es wird nicht wieder vorkommen! – Nina nickte.
— Denn ich gehe! Ich habe mir schon eine Wohnung in der Nähe der Arbeit genommen, morgen ziehe ich aus! Und das hier… – sie zeigte auf die Dokumente.
— Ich habe die Scheidungspapiere vorbereitet!
Ich halte es für fair, dass ich für die Hälfte des Autos entschädigt werde! Und die Wohnung…
— Nina, bitte! – Andrej machte einen Schritt auf sie zu.
— Lass uns versuchen, alles wieder in Ordnung zu bringen! Ich spreche noch einmal mit meiner Mutter, erkläre ihr, dass sie keinen Cent mehr von uns bekommt! Dann können wir anfangen, fürs Kind zu sparen, wie wir geplant hatten!
— Zu spät! – Nina schüttelte den Kopf.
— Es geht nicht um Geld und nicht um deine Mutter!
Es geht um dich! Ich kann nicht mit einem Mann leben, der die Hand gegen mich erhebt! Heute eine Ohrfeige – und morgen?
Sie sah ihn lange an, müde und enttäuscht.
— Ich wollte eine Familie gründen, aber ich war nur das dritte Rad in einem Dreieck: du und deine Mutter an erster Stelle!
Aber weißt du was? Ich bin dir dankbar! Du hast dein wahres Gesicht gezeigt, bevor wir Kinder bekommen haben! Das ist wohl das Beste!
Damit ging sie zurück ins Schlafzimmer und schloss die Tür.
Andrej blieb allein im Wohnzimmer, blickte auf die Papiere und begriff, dass er alles verloren hatte.
Und daran war nur er selbst schuld…



